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TUM in Garching:Eine Shopping-Mall mit Hörsaal

Galileo in Garching

Außen Glas, innen verspielte Treppen und typisches Business-Hotel-Interieur: Das Kongresszentrum Galileo in Garching ist so gut wie fertig.

(Foto: Catherina Hess)

Nach langer Verzögerung öffnet der erste Teil des Galileo-Kongresszentrums auf dem Forschungscampus in Garching. Es beherbergt nicht nur das Audimax der TU, sondern auch Läden, Gastronomiebetriebe und ein Hotel mit 256 Zimmern und 159 Apartments

Von Irmengard Gnau, Garching

Noch versperren Bauzäune den Zugang zu dem 200 Meter langen, raffiniert verglasten Gebäudekomplex mitten auf dem Forschungscampus der TU in Garching. Die Studierenden und Mitarbeiter der Forschungsinstitute sind den Anblick schon gewohnt, so häufig hat sich die Eröffnung des "Galileo" bereits verzögert, aus unterschiedlichen Gründen. Nun aber gibt es Licht am Horizont: Am 1. Juni werden mit dem Kongresszentrum inklusive dem neuen Audimax, dem Courtyard-Marriot-Hotel und dem Apartmenthotel "Stellaris" die größten Teile des Komplexes eröffnen. Das Untergeschoss mit Ladenzeile, Supermarkt und Gastronomie soll baldmöglichst folgen, mit einem Fest.

Dass der Campus neben international anerkannten Forschungsinstituten, modern ausgestatteten Labors und Lehrsälen auch eine Infrastruktur für die stetig wachsende Zahl an Lehrenden, Forschenden und Studierenden braucht, hatte der ehemalige TU-Präsident Wolfgang Herrmann schon Anfang der Nullerjahre erkannt. Das Galileo sollte eine "neue Mitte" auf dem Campus bilden, Leben, Forschen und Arbeiten vereinen. Die Universität holte dafür den Freistaat ins Boot, das Großprojekt sollten jedoch private Investoren entwickeln, in einer Public-private-Partnership. Ein Konglomerat aus drei Unternehmen, der Moto Projektmanagement GmbH, der Lindner AG und der Pöttinger Immobiliengruppe, erhielt 2008 den Zuschlag für das Projekt, der Freistaat stellte den Baugrund in Erbpacht zur Verfügung, dafür darf die TU später Räume zu einem sehr günstigen Preis nutzen.

Mehrfach wurde das Projekt ausgebremst, durch die Bankenkrise, einen Rechtsstreit mit dem Gewinner des Architektenwettbewerbs, dessen Entwurf am Ende nicht verwirklicht wurde. Die Beteiligten wechselten. 2014 wurde schließlich der erste Spatenstich gesetzt. 2015 stieg Oliver Soini mit seiner Salzburger Immobiliengesellschaft Soini Asset als Kapitalgeber bei Galileo ein, 2017 übernahm er auch die Entwicklung des etwa 250 Millionen Euro teuren Projekts. Er hat mit dem Gebäude große Pläne. "Galileo soll über die Grenzen des Campus hinaus strahlen", sagt Soini. Er ist überzeugt davon, dass der Standort krisenresistent sein sollte.

Im September 2019 gab es bereits ein "Soft Opening", bei dem TU-Präsident Herrmann kurz vor Ende seiner Amtszeit das Gebäude präsentieren durfte. Dass seither nun noch einmal mehr als eineinhalb Jahre vergangen sind, allein mit der Corona-Pandemie zu erklären, sei zu einfach, sagt Soini. Die Verzögerungen erklärten sich vielmehr aus Versäumnissen zu Anfang des Projekts, deren Folgen nun spürbar geworden seien: "Wir haben eine herausfordernde Planung übernommen." Im vergangenen Jahr musste etwa der Brandschutz nachgebessert werden. "Wir haben nun alle Genehmigungen, das Galileo ist offiziell fertig und keine Baustelle mehr", sagt Soini. Die Bauzäune sollen schon bald weichen. Den Vertrag zum Erbbaurecht hat Soini mit dem Freistaat bereits verlängert, bis 2090 läuft er nun.

Nach mehr als 1300 Tagen im Baucontainer hofft auch Klaus Kluth von der Hotel Management GmbH Bierwirth und Kluth aus Wiesbaden, dass der Galileo-Komplex nun tatsächlich seiner Bestimmung übergeben wird. Kluth betreibt das Courtyard-Hotel und das Stellaris Apartmenthotel sowie das Kongresszentrum, damit ist er der größte Mieter des Galileo. Er ist begeistert von dem "unglaublich guten Mikrostandort" auf dem Forschungscampus, auf den das Angebot zugeschnitten ist. Neben 256 Zimmern für Geschäftsreisende oder Wissenschaftler auf Kongress - wahlweise mit Blick auf die Isarauen oder den berühmten Forschungsreaktor - bietet das Apartmenthotel auf sechs Etagen 159 voll ausgestattete kleine Wohnungen für längere Forschungsaufenthalte.

Das "Sciene Congress Center" hat mehrere Konferenzsäle zur Verfügung, der größte, der Audimax, fasst bis zu 1300 Personen. Auf der Bühne können selbst Autos präsentiert werden. Mit solchen Zahlen könnten in der Umgebung höchstens das Westin Grand in München und das Infinity-Hotel in Unterschleißheim mithalten, sagt Kluth. Es gebe bereits zahlreiche Anfragen für Kongresse. Die TU erhält zwei eigene Konferenzräume, außerdem kann sie den Audimax vertraglich an vier Tagen pro Woche nutzen.

Für 91 Prozent der Büroräume im nördlichen Gebäudeteil sowie der Verkaufs- und Gastronomieflächen hat man Soini zufolge bereits Mieter gefunden. Als einer der ersten hat sich der Autozulieferer Dräxlmaier eingemietet. Für den Rest der Flächen sei man in Gesprächen, etwa wird noch ein Vollsortimenter gesucht.

Wie er es schaffen will, Kongressbesucher und Büromitarbeiter wie auch Studierende mit seinem Angebot anzusprechen? "Mit einem breiten Mietermix", sagt Soini. So soll es etwa ein schickes italienisches Restaurant geben, aber auch einen Burgerladen und ein eigenes Brauhaus. Auch das Restaurant des Hotels mit seinem Außenbereich ist für Gäste von außen geöffnet. So wollen Soini und Kluth auch die Garchinger anlocken und den Campus am Wochenende beleben.

© SZ vom 12.05.2021/gna, van
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