Einzig die Grünen nutzten die finale Haushaltsdebatte im Garchinger Stadtrat zu einer Abrechnung mit Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Die Grünen stimmten jedoch letztlich wie alle anderen für den Haushalt - laut Fraktionssprecher Hans-Peter Adolf "trotz großer Bauchschmerzen". Gruchmann parierte: "Ich nehme die Hausaufgabe mit, dass ich die Grünen mehr streicheln muss, damit sie weniger Bauchweh haben."
Der Haushalt umfasst 69,9 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 19,5 Millionen im Vermögenshaushalt. Als Gewerbesteuereinnahmen hat Kämmerer Heiko Janich eher vorsichtig mit 37 Millionen Euro kalkuliert, 2017 hatte die Stadt Rekordeinnahmen von 41,8 Millionen Euro. Die Kreisumlage steigt um 3,7 Millionen auf 19,3 Millionen Euro. Trotzdem waren sich alle einig, dass Garching eine "extrem positive Einnahmenlage" vorweisen kann, wie etwa FDP-Stadtrat Bastian Dombret sagte. Sie schaffte eine komfortable Ausgangslage, die auch erlaubte, diverse Wünsche der Fraktionen noch einzuarbeiten, wie einen neuen Fußboden für ein Tanzstudio, für den sich die CSU eingesetzt hatte. CSU-Fraktionssprecher Jürgen Ascherl stellte allerdings die Frage, wie die Stadt mit "deutlich über 40 Millionen Euro Schulden" umgehen wolle und forderte einen Tilgungsplan für die nächsten Jahre. Um den Überblick ging es auch Florian Baierl. Der Fraktionschef der Unabhängigen Garchinger hatte schon in früheren Sitzungen einen Zeitstrahl inklusive Rückzahlungsplan für größere Projekte angemahnt. Er führte die gute Einnahmesituation auch "auf die Früchte der Entscheidungen der letzten Jahre" zurück.
Andere Worte fand Grünen-Sprecher Hans-Peter Adolf. Auch er entdeckte "positive Aspekte im Haushalt, die nicht unbedingt der Verdienst des Bürgermeisters sind, sondern der guten Einnahmensituation". Doch niemand wisse, wie lange die gute Konjunktur anhalte. Er brachte jedoch mehrere Kritikpunkte vor. "Ein Sparwillen ist in keiner Weise erkennbar." So seien die Personalkosten um fast zehn Prozent gestiegen, ein Trend, der sich schon über mehrere Jahre ziehe. Adolf kritisierte "Ungenauigkeiten im Haushalt", prangerte die Haushaltsreste von 17,3 Millionen Euro an. Einmal in Rage, erklärte der Grüne, die Mühlgasse sei "ruiniert"; dass das Geothermie-Unternehmen dafür nur 30 000 Euro zahlen müsse, lege den Verdacht nahe, dass die Stadt die EWG "klammheimlich subventioniert". Bauamtsleiter Klaus Zettl erklärte die Summe mit dem komplizierten Berechnungsverfahren, wer sich wie an einer Straßenwiederherstellung zu beteiligen habe. "Mit dieser Regelung ist die Stadt bisher sehr gut gefahren", er vermute, dass eher Garching als die EWG profitiert habe.
Der Bürgermeister verteidigte insbesondere die 11,3 Millionen Euro Personalkosten. Hier gingen die Anforderungen immer weiter nach oben. Hinzu kämen die Erwartungen der Bürger, sei es bei der Betreuung der Vereine oder bei der Kinderbetreuung, bei der die Stadt einen Teil der staatlichen Leistung übernehme. "Im sozialen Bereich möchten wir keinesfalls irgendetwas sparen, ganz im Gegenteil", betonte Ingrid Wundrak (Grüne). Auch sie kritisierte, dass etwa das Lehrschwimmbecken der geplanten Grundschule Nord nicht erwähnt werde.
Der Bürgermeister zeigte sich erleichtert, dass der Haushalt so früh verabschiedet wurde, um Ausschreibungen rechtzeitig auf den Weg bringen zu können. Auch wenn die Stadt ein paar Unwägbarkeiten in Kauf nehmen müsse. "Es ist ein kalkuliertes Risiko, das wir mutig eingehen", so Gruchmann.