GeneralsanierungStadion am Garchinger See wird zur Kostenfalle

Lesezeit: 3 Min.

Die Sanierung des Stadions am Garchinger See erweist sich für die Stadt als Fass ohne Boden. Das Projekt wird nach aktueller Schätzung wohl mehr als neun Millionen Euro kosten (Archivbild).
Die Sanierung des Stadions am Garchinger See erweist sich für die Stadt als Fass ohne Boden. Das Projekt wird nach aktueller Schätzung wohl mehr als neun Millionen Euro kosten (Archivbild). Stephan Rumpf
  • Die Sanierung des Stadions am Garchinger See kostet die Stadt voraussichtlich mehr als neun Millionen Euro statt ursprünglich geplanter 4,5 Millionen Euro.
  • Der Bau- und Planungsausschuss des Stadtrats gab am Donnerstagabend weitere 560 000 Euro frei, machte der Bauverwaltung jedoch schwere Vorwürfe wegen mangelnder Kostenkontrolle.
  • Kostentreiber sind gestiegene Baupreise, schlechtere Bausubstanz als erwartet, Asbestfunde und die Erneuerung der Grundleitungen, die ursprünglich nicht eingeplant waren.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die Generalsanierung der Sportstätte kostet die Stadt voraussichtlich mehr als neun Millionen Euro. Stadträte werfen der Verwaltung vor, die Kosten nicht unter Kontrolle zu haben. Ein Baustopp wird aber abgewendet.

Von Sabine Wejsada, Garching

SZ bei Google bevorzugen

Die Sanierung des Stadions am Garchinger See entwickelt sich für die Stadt im Norden Münchens immer mehr zur Kostenfalle. Mittlerweile belaufen sich die Ausgaben auf gut neun Millionen Euro. Der Bau- und Planungsausschuss des Stadtrats hat am Donnerstagabend zähneknirschend weitere 560 000 Euro freigegeben – freilich nicht ohne der Bauverwaltung im Rathaus schwere Vorwürfe zu machen. Die Rede war von zu wenig Kontrolle der beteiligten Planer und Firmen durch das städtische Personal. Letztendlich entscheiden muss der Stadtrat Ende Juli.

Zwischenzeitlich gab es sogar Überlegungen, dem Projekt den Geldhahn zuzudrehen – und das Stadion damit zu einer Ruine verkommen zu lassen. Dazu wird es jedoch nicht kommen. Der Ausschuss hat nach langer Debatte gegen die Stimmen von Grünen und der Bürger für Garching (BfG) die Mittel freigegeben. Die Baustelle sei „zu weit voran“, als dass man einen solchen Schritt gehen könnte, hatte zuvor Bürgermeister Thomas Lemke (CSU) eindringlich gewarnt. Die Sportvereine und Schulen der Stadt warteten ungeduldig darauf, dass das Stadion am See wieder genutzt werden könne. Und: Es gehe um die staatliche Förderung, mit der Garching angesichts des Millionenvorhabens fest rechne, so Lemke. Bis Ende dieses Jahres muss die Sanierung abgeschlossen sein, damit diese Zuschüsse fließen können.

Knapp 50 Jahre nach seiner Eröffnung wird das Stadion am Garchinger See derzeit umfassend saniert. Die Liste der Arbeiten, um die Sportstätte wieder in Schuss zu bringen, ist lang: Eine Erneuerung des Tribünengebäudes ist geplant, es entstehen moderne Funktionsräume und Sanitäranlagen, das Dach muss ersetzt werden. Die Flutlichtanlage im Stadion wird auf LED-Technik umgestellt. Hinzu kommt eine neue Laufbahn.

Den Grundsatzbeschluss, die in die Jahre gekommene Sportstätte im Norden der Kommune umfassend zu sanieren, hatte der vorherige Stadtrat unter dem nach zwei Amtsperioden inzwischen abgewählten Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) im September 2020 gefasst. Ihm persönlich und seiner Verwaltung wurde die Kostenexplosion in der jüngsten Sitzung angekreidet. BfG-Fraktionsvorsitzender Norbert Fröhler, von Anbeginn ein ausgewiesener Gegner der Modernisierung, sprach sich dafür aus, die Baustelle zu stoppen und den Komplex abbrechen zu lassen. Die Ruine könne man ja dann nach dem Altbürgermeister benennen, polemisierte Fröhler. Im Gremium löste dieser Vorschlag bei den meisten Mitgliedern nur Kopfschütteln aus.

Das vor bald 50 Jahren eröffnete Stadion am Garchinger See wird runderneuert - und die Kosten steigen immer weiter.
Das vor bald 50 Jahren eröffnete Stadion am Garchinger See wird runderneuert - und die Kosten steigen immer weiter. Stephan Rumpf

Eine erste Kostenschätzung vor sechs Jahren war von Ausgaben in Höhe von 4,5 Millionen Euro ausgegangen, abzüglich einer staatlichen Förderung hätte die Stadt an die 2,5 Millionen Euro selbst tragen müssen. Doch im Laufe der Planungen stiegen die Kosten kontinuierlich. Bereits 2023 addierten sich die zu erwartenden Investitionen auf knapp 7,8 Millionen Euro, zwölf Monate später verteuerte sich das Vorhaben um rund 300 000 Euro, im Juli 2025 teilte die Verwaltung mit, dass die Stadt mit einem Gesamtvolumen von gut achteinhalb Millionen Euro rechnen müsse.

Angebot der SZ
:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis

Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.

Inzwischen steuert das Projekt auf Kosten von neun Millionen Euro zu, wie der Sitzungsvorlage aus dem Rathaus zu entnehmen ist. Laut den Planern habe sich im Zuge der Bauarbeiten gezeigt, dass die bislang freigebenden Mittel nicht ausreichten, heißt es darin. Weitere 561 000 Euro seien nötig, um die Sanierung abzuschließen. Verantwortlich für die neuerliche Mehrung der Kosten sind nach Angaben der Verwaltung nicht nur die allgemein gestiegenen Baupreise, auch wenn diese sich in einzelnen Gewerken um bis zu 35 Prozent erhöht haben. Vor allem die schlechte Substanz der Sportstätte, die übrigens nicht den Bestandsplänen entsprochen habe, habe sich als Kostentreiber erwiesen. Die Bauarbeiten förderten zudem große Mengen an Asbest zutage, und auch die Grundleitungen für das Stadion mussten erneuert werden. Die damit verbundenen Sanierungs- und Entsorgungskosten waren in den ursprünglichen Berechnungen nicht enthalten.

Die Stadt ist vorsichtig optimistisch, dass der Zeitplan, der eine Fertigstellung der Großbaustelle am Garchinger See für Mitte Oktober vorsieht, zumindest weitgehend eingehalten werden kann. Erst vor ein paar Tagen stellte sich heraus, dass eine Firma beim Aufbringen von Estrich in den Umkleiden geschlampt hat, wie es aus dem Rathaus heißt. Der Betrieb muss diesen Schaden auf eigene Kosten beheben, allerdings könnte dies den Abschluss der Sanierung um ein bis drei Wochen verzögern. Die Frist für die staatlichen Zuschüsse sei davon nicht betroffen, so das Bauamt. Diese endet erst am 31. Dezember.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Projekt Giga-M
:Gesucht: Klimafreundliche Energie für Hunderttausende Haushalte

Die Stadtwerke München starten die größte Geothermie-Erkundung weltweit:  Mit Vibro-Trucks und Schallwellen wird der Untergrund der Region auf Erdwärme-Vorkommen untersucht. Wann und wo es in den nächsten Monaten rütteln wird.

SZ PlusVon Bernhard Lohr

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: