Mobilität Sattelfester Landkreis

In Garching aufs MVG-Rad: Bürgermeister Dietmar Gruchmann, Landrat Christoph Göbel, Ministerin Ilse Aigner und MVG-Chef Ingo Wortmann.

(Foto: Robert Haas)

In der Universitätsstadt sind die ersten MVG-Leihradstationen eröffnet worden. Es ist der Start eines bundesweit einmaligen Projekts

Von Gudrun Passarge, Garching

Alle strahlen um die Wette. Die Sonne, Landrat Christoph Göbel und Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner, Ingo Wortmann von der MVG, der von einem "Jubeltag" spricht, Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sowieso. Ist doch die Universitätsstadt Pilotkommune. Hier fällt der Startschuss zum neuen Mietradsystem im Landkreis. Bis Juni 2019 sollen in den 21 teilnehmenden Kommunen des Landkreises 162 Stationen für 1150 Leihräder aufgebaut werden. Bürgermeister Dietmar Gruchmann spricht von dem "ganz großen Wurf" und auch Landrat Göbel feiert das Projekt: "Heute ist ein guter Tag für die klimaschonende Mobilität im Raum München."

Es ist wohl kein Zufall, dass Garching der Startschuss zufiel. Die Stadt mit ihren drei U-Bahnstationen, 20 000 Arbeitseinpendlern und noch mal mindestens 20 000 Menschen am Campus könne ein Riesenpotenzial an Nutzern vorweisen. Bereits 2013 hatte die Stadt eigene Verhandlungen mit der Münchner Verkehrsgesellschaft geführt, war aber dann vom Landrat zurückgepfiffen worden, wie Gruchmann berichtete.

Das Ziel war stets ein einheitliches System

Übrigens ebenso wie die Nachbargemeinde Ismaning, die ebenfalls seit Freitag schon drei Stationen aufgestellt hat. Ziel war es, ein einheitliches System im Landkreis durchzusetzen. Den Antrag dazu hatte, wie sie betont, Annette Ganssmüller-Maluche zusammen mit Bela Bach (beide SPD) 2015 im Kreistag gestellt, 2016 war er gebilligt worden.

Nach gut zwei Jahren Vorarbeit ist es jetzt so weit. Studenten am Forschungscampus in Garching können beispielsweise auf ein Leihrad steigen und müssten, wenn sie die Strecke in sechs Minuten zum Maibaum schaffen, 30 Cent dafür zahlen. Ihre Professoren müssten 48 Cent entrichten.

Landrat Göbel spricht von einem guten Angebot, für alle, die ernsthaft aufs Radl umsteigen wollen. Dieses nachhaltige Projekt sei einmalig in einem Ballungsraum. Die Kosten belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro, wovon der Bund drei Millionen trägt. Die restlichen Kosten teilen sich Landkreis und Kommunen. Die Tiefbaukosten zur Installation der Anlagen zahlen die Kommunen in der Regel selbst, Garching bekommt allerdings auch noch da einen Teil bezuschusst, weil es rechtzeitig Förderungen beantragt hat.

Die Betriebskosten wiederum teilen Kommunen und Landkreis sich wieder. Diese Alternative sei "ein großer Gewinn für die Mobilität im vernetzten Verkehr", sagte Verkehrsministerin Aigner und stellte Geld auch für Radschnellwege in Aussicht. Hier aber sei das größere Problem, geeignete Trassen zu finden, sagte sie.

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Nach Garching (17 Stationen) werden Ismaning (14), Ober- (5) und Unterschleißheim (13) sowie Unterföhring (6) bald mit Stationen ausgestattet. Wenn es auch schon ein interessantes Angebot an Radler ist, der Garchinger Stadtrat hatte noch Sonderwünsche angemeldet, etwa Ladestationen für E-Bikes, E-Pedelecs zum Ausleihen und das Münchner System, dass man Fahrräder überall stehen lassen kann. Das geht bislang nur am Campus. "Schritt für Schritt", sagt der Fahrradbeauftragte Rudi Naisar. Er freute sich, dass endlich ein Umdenken stattgefunden hat. Der Erfolg muss sich noch zeigen. Das zunächst auf fünf Jahre ausgelegte Projekt wird evaluiert.