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Garching:Runder Tisch statt runder Geburtstag

Angela Merkel auf Schulbesuch in Berlin.

(Foto: Markus Schreiber/AP)

Hätte das Franz Josef Strauß gewusst: Kanzlerin Merkel besucht am Freitag die TU in Garching. Einer prominent besetzten Einladung erteilt sie dagegen eine Absage.

Von Korbinian Eisenberger, Garching

Kein anderer Politiker vermochte es seinerzeit besser, sich mit der Studentenschaft zu verkrachen. Vielleicht mit ein Grund, warum es für den CSU-Politiker Franz Josef Strauß zwar in Bayern, jedoch nie bundesweit zu höchstem politischen Amte reichte. Bei Angela Merkel verhält es sich da anders: Die CDU-Politikerin führt längst die Geschäfte in Berlin - und kann sich in der Regel auch an Universitäten blicken lassen. Schmähgesänge dürfte die Kanzlerin an diesem Freitag jedenfalls kaum ertragen müssen, wenn sie um 11 Uhr aus einem Dienstwagen in Garching aussteigt, um dem dortigen Standort der Technischen Universität München einen Besuch abzustatten.

In Merkels Terminkalender auf Bundestag.de ist die Reise in den nördlichen Landkreis seit einigen Tagen einzusehen, demnach besucht die Kanzlerin in Garching ein sogenanntes "Vorzeigeprojekt". Gemeint ist damit das Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München "UnternehmerTUM" in Garching. Die TU meldet, Merkel werde sich mit Gründern von bundesweiten Start-ups treffen, die ein Fonds der TU fördert. Mit am runden Tisch sitzen sollen dann Studenten und Wissenschaftler der TU - aber auch bereits etablierte Start-ups wie etwa der Eventplaner Amiando oder das Fernbus-Unternehmen Flixbus.

Drei Einladungen - zwei Zusagen

Gröbere politische Meinungsverschiedenheiten von Straußschem Ausmaß, davon ist auszugehen, dürfte die Tischgesellschaft mit Merkel nicht auszutauschen haben. Vielmehr sollen die Beteiligten "Chancen und Herausforderungen" für Technologie-Start-ups in Deutschland diskutieren. Merkel folgt damit dem Ruf von BMW-Erbin Susanne Klatten, Aufsichtsratsvorsitzende der UnternehmerTUM.

Warum auch streiten, schließlich genießt die promovierte Physikerin Merkel das Bad in der akademischen Menge immer wieder bereitwillig. Seit ihrem Amtsantritt hat die Kanzlerin regelmäßig Schulen besucht und mit Studenten debattiert - jüngst etwa an den Universitäten in Kopenhagen und Greifswald. Für kommenden Freitag hatten sich neben der TU zudem eine experimentierfreudige Schule in der Nähe von Landshut um eine Stippvisite beworben - dort will Merkel vorher vorbeischauen. Die Stimme der akademischen Jugend, so scheint es, ist für Merkel anhörenswert. Darauf sollten sich die Grund- und Mittelschule Buch und die TU München fast etwas einbilden.

Dass Merkel ihre Einladungen annimmt, ist nämlich alles andere als selbstverständlich: So hätten auch die Organisatoren eines runden Geburtstags die Bundeskanzlerin am Freitag gerne dabei gehabt: 15 Kilometer südlich von Garching, huldigt eine Garnison an Politprominenz am Nachmittag dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zum Hundertsten. Die Einladung in die Allerheiligen-Hofkirche am Odeonsplatz hat Merkel jedenfalls ausgeschlagen. Merkel wird stattdessen wieder in einem Dienstauto Platz nehmen, vermutlich geht es in Richtung Flughafen. Studenten-Plausch statt Landesvater-Huldigung - hätte das der Strauß gewusst.

© SZ vom 02.09.2015/koei
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