Garching:Wohnen an der Müllhalde

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Garching: Auch die Betriebsanlagen auf dem Areal sollen erneuert werden.

Auch die Betriebsanlagen auf dem Areal sollen erneuert werden.

(Foto: Florian Peljak)

Der Betreiber der Recyclinganlage in Garching-Hochbrück will auf dem Gelände Appartements für Mitarbeiter errichten. Kommunalpolitiker fürchten einen Präzedenzfall.

Von Irmengard Gnau, Garching

Unmittelbar neben der Recyclinggroßanlage in Garching-Hochbrück könnten in naher Zukunft ein Wohnheim mit etwa 100 Betten sowie 150 Büroarbeitsplätze entstehen. Das erhoffen sich zumindest die Betreiber der Anlage an der Ingolstädter Landstraße und haben der Stadt Garching einen entsprechenden Antrag unterbreitet. Bei einigen Kommunalpolitikern stoßen diese Pläne jedoch auf große Skepsis.

Es geht um einen Grundsatzbeschluss. Bisher hat die Stadt Garching jede Form von Wohnen im Gewerbegebiet abgelehnt. Sollte man in diesem Fall dem Antrag stattgeben, hätte das wohl Konsequenzen für die Verhandlungsposition der Kommune in zukünftigen Fällen - sie könnte womöglich ähnlich gelagerte Anfragen anderer Unternehmen schwerer ablehnen. Andererseits lassen mehrere Kommunalpolitiker, darunter Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), Sympathien für das Projekt erkennen. Mit legal errichtetem Wohnraum vor Ort für die Mitarbeiter des Betriebes könnte etwa Pendelverkehr auf den sowieso dicht befahrenen Straßen rund um Garching wegfallen.

Der Betreiber der Anlage firmiert seit März diesen Jahres nicht mehr unter dem Namen "Die Umweltmeister", sondern als Alfa Recycling Garching GmbH & Co. KG für die Bereiche Altholz, Gewerbeabfall, Dachpappe, Schrott und Grüngut sowie für Abfallstoffströme wie Bodenaushub, Bauschutt, Asphalt, Asbest und sonstige mineralische Abfälle als Geiger Entsorgung München GmbH. Dahinter stehen die Geiger Unternehmensgruppe aus dem Allgäu sowie die Alfa Gruppe. Die Anlagenbetreiber sehen das Wohnheim als einen Eckpunkt für die Gesamtentwicklung des Standorts, den man "für die nächsten 35 Jahre aufstellen" wolle, wie Ulrich Oberth, bei Geiger Leiter Genehmigungsmanagement und Projektentwicklung für den Recyclingstandort Garching, sagt.

Die Ursache eines Brandes im Juli ist immer noch ungeklärt

Dafür sollen die Anlagen auf dem Gelände, das in der Vergangenheit wegen mehrerer Brände sowie Verstößen gegen Vorschriften in Misskredit gekommen ist, modernisiert werden. Zuletzt war im Juli 2022 ein Förderband an der Altholzaufbereitungsanlage aus noch ungeklärter Ursache in Brand geraten. Die Anlage sei aber inzwischen wieder in Betrieb, wie auch die Bauschuttaufbereitung, sagt Oberth. Für die Betreiber Geiger und Alfa wäre das Wohnheim auch ein Argument, um Mitarbeiter für den Betrieb zu gewinnen beziehungsweise zu sichern.

Derzeit arbeiten nach Angaben des Betreibers 65 Mitarbeiter in dem Recyclingbetrieb. Während der Großteil des Verwaltungspersonals im Großraum München lebt, kommen Sortierkräfte, Platzarbeiter oder Anlagenführer zu einem großen Teil aus anderen Ländern wie Polen. Sie könnten - werktags - in dem geplanten Wohngebäude wohnen und schlafen. Die übrigen Plätze sollen an andere Mitarbeiter von in Garching angemeldeten Unternehmen, die zur Unternehmensgruppe gehören, aber einen klaren Bezug zur Recyclinganlage haben, wie auch an Lastwagenfahrer vergeben werden. Für die Lastwagen wäre auf dem Betriebsgelände Platz, sagt Oberth.

Die Entwürfe der Betreiber sehen ein U-förmiges Gebäude vor mit etwa 100 Schlafplätzen verteilt auf 30 Einzel- und 30 Doppelappartements auf drei Geschossen; dazu noch 150 Büroarbeitsplätze in einem viergeschossigen Gebäudeteil. Das Haus soll hochwertig und nach Prinzipien der Nachhaltigkeit gebaut werden, man strebe gar eine Plus-Energie-Bauweise an, sagt Oberth. Die Mietpreise der Zimmer im Wohnheim sollen dabei moderat sein. "Das soll nicht unsere Haupteinnahmequelle werden", versichert Ursula Althoff, Geschäftsführerin der eigens für die Standortentwicklung gegründeten Garching Hochbrück Vermögensverwaltung GmbH (GHV).

Bevor der Garchinger Stadtrat seine Grundsatzentscheidung trifft, will die Verwaltung prüfen, inwieweit das Vorhaben baurechtlich klar als Sonderfall abgegrenzt werden kann oder weitere Folgewirkung hat. Außerdem wird die GHV in einer der kommenden Sitzungen den Kommunalpolitikern ihre Entwicklungspläne für das gesamte Gelände vorstellen.

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