Der Chef ist diesmal nicht dabei. Doch wenn es um den Weltraum geht und auch bisserl Science-Fiction, hat die CSU mittlerweile über ihren Ministerpräsidenten hinaus Fachkräfte zu bieten. Stellt sie doch mit Dorothee Bär in Berlin die Ministerin für Forschung und Technologie, deren Ressort um die Raumfahrt erweitert worden ist. Bei einem Besuch auf dem Forschungscampus in Garching bei München, wo eine geballte Kompetenz in der Entschlüsselung des Weltraums zu Hause ist, stellt sie ihre Agenda vor. „Wir müssen uns auch im All behaupten“, sagt Bär. Es gehe um Wohlstand und Sicherheit. Militärische Herausforderungen erforderten mehr Resilienz.
Es ist der Antrittsbesuch der Ministerin im Freistaat, die der CSU und speziell Markus Söder die Chance eröffnet, die Raumfahrt und andere Zukunftsthemen auf größerer Bühne in Berlin voranzubringen. Dorothee Bär spricht in Begleitung ihres Fachkollegen, Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume. An diesem heißen Junitag wenden sich die beiden Politiker zunächst an die Forscher an den Max-Planck-Instituten für extraterrestrische Physik (MPE) und für Plasmaphysik (IPP), ehe sie bei einem Presse-Termin in der Eso-Supernova für Momente in den Weiten des Weltraums entschwinden.
Die European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere, kurz Europäische Südsternwarte (Eso), hat als 16 Nationen umfassende Institution in Garching ihren Sitz. Sie betreibt Observatorien mit großen Teleskopen. Und mit dem 2018 eröffneten Supernova-Gebäude in Garching, das wie die futuristische BMW-Welt aussieht, bringt sie Interessierten das unendlich erscheinende All nahe. 60 000 Besucher zählt die Dauerausstellung mit Planetarium im Jahr.

Dorothee Bär kommt in spannenden Zeiten zur Eso, die nach bald 20 Jahren Entwicklung und Bau Fortschritte macht, in der Atacama-Wüste in Chile das bisher größte Teleskop der Welt in Betrieb zu nehmen. Das mit dem treffenden Namen beschriebene Extremly Large Telescope (ELT) werde mit einem Spiegel mit knapp 40 Metern Durchmesser ganz neue Möglichkeiten eröffnen, sagt Forscherin Suzanna Randall beim Gang durch die Ausstellung. „Wir expandieren in unterschiedliche Wellenbereiche“, sagt sie, in der Hoffnung, vielleicht eines Tages Leben auf fremden Planeten zu entdecken. Die Forschung mache riesige Schritte, Jahr für Jahr, sagt die 45-Jährige und versprüht dabei sichtlich Begeisterung. Sie selbst habe einst als junge Astrophysikerin an der Seite des späteren Nobelpreisträgers Reinhard Genzel direkt miterlebt, wie das Schwarze Loch inmitten der Milchstraße entdeckt worden sei. „Das war einer der größten Gänsehautmomente.“ Man sei hier an einem Ort, „an dem Wissenschaft passiert“.
Dabei bietet der Besuch in der Eso-Supernova Ministerin Bär die Gelegenheit, die hochfliegenden Konzepte der Astrophysik aufs Irdische herunterzubrechen. Mit Blume steht sie vor drei Bildschirmen, die wie drei Spiegel funktionieren und demonstrieren, wie mit Licht unterschiedlicher Wellenlänge Bilder entstehen. Ein Display zeigt ein durch Infrarotstrahlung produziertes Wärmebild in Gelb- und Rottönen. „Du strahlst mehr als ich“, sagt Markus Blume zu Bär. Und die erwidert, Ähnliches habe sie bei ihrer jüngsten Auslandsreise mit dem Bundespräsidenten in Japan gesehen, und ergänzt scherzhaft, gleich wieder weggeschaut zu haben. Das Bild habe auch das Körpergewicht angezeigt.

Ihr größeres politisches Gewicht im Bund will die CSU jetzt nutzen, um die Erforschung des Weltraums voranzutreiben. Im Koalitionsvertrag wird eine Hightech-Agenda für Deutschland angekündigt, die die bereits in Bayern existierende Agenda ergänzen werde, sagt Minister Blume. „Die Sterne stehen wieder günstiger in Berlin.“ Dorothee Bär spricht von erwarteten Synergieeffekten, weil die erdgebundene Weltraumforschung wie bei der Eso und die Zuständigkeit für Weltraum-Missionen in ihrem Ministerium jetzt zusammengebracht worden seien. Sie setze auf internationale Kooperationen, und sehe eine führende Rolle Bayerns. Das alles nicht zum Selbstzweck. Wichtig sei die Überführung in die Wirtschaft und die daraus folgende Wertschöpfung. Es gehe „um unser aller Leben, unseren Wohlstand“. Auch die Kernfusion wolle man anschieben, sagt Bär, der erste Fusionsreaktor solle laut Koalitionsvertrag in Deutschland entstehen.
Und es geht um ganz große Fragen, wie etwa die, ob Leben auf fremden Planeten existiert und wann dieses entdeckt wird. Als Forscherin Suzanna Randall von der statistischen Wahrscheinlichkeit spricht, dass in der Milchstraße ein bis zwei Planeten mit Leben existierten, wird Markus Blume nachdenklich. Er habe mehr erwartet, sagt er, und schlägt andere Töne an, als man sie vom bekennenden Science-Fiction-Enthusiast Markus Söder kennt: „Man wird fast ein bisschen demütig.“

