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Garching:Genügend Wohnungen für die Stadt

Auf der Bürgerversammlung kündigt Rathauschef Dietmar Gruchmann den Baubeginn in der Kommunikationszone für 2022 an. Auch weniger Betuchte sollen dort ein Zuhause finden. Mit dem Vorhaben könne man den Bedarf der Stadt decken

Geduld war gefragt bei der Bürgerversammlung im Garchinger Bürgerhaus. Fast zwei Stunden lang referierte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) alle Entwicklungen des vergangenen Jahres und gab auch manchen Ausblick, etwa zum Baugebiet Kommunikationszone, in dem wohl erst 2022 die Bagger anrollen. Die lange Redezeit parierte Landrat Christoph Göbel (CSU) mit der Bemerkung an die Garchinger: "Sie haben den längsten Bericht bekommen aller Bürgermeister im Landkreis. Das ist schon eine Leistung." Bei den Anträgen dominierten Fragen zum Verkehr und zur Energienutzung. Angenommen wurde auch der Antrag, dass die Abfahrt am Schlittenberg im Bürgerpark mit Rasen statt Blühwiese bestückt wird.

Sie sind endlich da: die lange versprochenen Poller rund um die Fußgängerzone. Punkt 15 Uhr sollen sie hochgefahren werden, am Samstag schon um 13 Uhr, damit danach Fußgänger unbehelligt von Lieferverkehr dort flanieren können. Hier die Sicht auf den Helmut-Karl-Platz.

(Foto: Felix Brümmer/Stadt Garching)

Dem Bürgermeister war es ein Anliegen, den mehr als 250 Bürgern zunächst den Haushalt zu erklären, wobei er betonte, dass die Spielräume gering seien. Etwa um ein Haus für die VHS oder das Familienzentrum zu bauen. Das gehöre nicht zu den Pflichtaufgaben, was bedeute, dass dafür keine Schulden aufgenommen werden dürften. Über die geplanten Schulneubauten und Umbauten - die neue Grundschule Nord soll eine Energie-plus-Schule werden, wahrscheinlich in Holzbau - und die Kinderbetreuung kam er zu den 189 Asylbewerbern am Ort. Von diesen seien mittlerweile viele anerkannt. Zufrieden berichtete Gruchmann, dass es mit den Schutzsuchenden keinerlei polizeirelevante Vorfälle gegeben habe - abgesehen vielleicht von einem jungen Mann, der sich in die Kassiererin eines Supermarkts verliebt hatte und deswegen oft dort einkaufen ging, was diese wiederum als Belästigung empfand. Dem Verliebten habe man erklärt, dass hier andere Verhaltensmaßregeln gelten.

Mehr Platz für Autos, Fußgänger und Radfahrer

Bei den Anträgen auf der Bürgerversammlung in Garching ging es munter zu. Georg Schneider hatte gleich mehrere vorbereitet. Er forderte, den Busparkplatz vor dem Hotel am Maibaumplatz in Parkplätze umzuwandeln. Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) versprach, Gespräche mit dem Hotelier zu führen. Kritik äußerte Schneider an der Strategie der Energiewende Garching (EWG), nur Großkunden zu bedienen. Er warte seit fünf Jahren mit zwei Häusern auf einen Anschluss. Sein Antrag, einen Fernwärmenetzausbauplan zu fordern, fiel allerdings durch. Gruchmann forderte Schneider auf, seinen Antrag zum Anschluss an die Geothermie noch einmal zu stellen. Er verspreche, "dass er möglichst schnell umgesetzt wird".

Gar nicht erst behandelt wurde der Antrag eines Garchingers, der den Zuzug von Ausländern begrenzen wollte. "Das entspricht nicht unserer Verfassung", sagte Gruchmann. Angenommen wurden dagegen zwei Anträge der Agenda 21. Philipp Bauer hatte gefordert, die Stadt solle Pläne zum Ausbau von regenerativen Energien für die Wärmeversorgung machen, da nach seinen Schätzungen nur 50 Prozent der Privathaushalte an Geothermie angeschlossen werden könnten. Bei Neubaugebieten solle die Stadt bei der Planung stets auf ein ökologisches Vorzeigeobjekt dringen, damit mindestens ein Pilotprojekt jeweils verwirklicht werde.

Beim Verkehr fand die Anregung eine Mehrheit, die Zwei-Stunden-Begrenzung der Parkzeit im Stadtgebiet auf die Zeit nach 20 Uhr auszudehnen. Heinrich Rainer Haag hatte vorgerechnet, dass bei der bisherigen Regelung Autofahrer ihr Fahrzeug schon um 17.31 Uhr abstellen könnten, was viele Stadionbesucher nutzten. Wer schnell noch etwas besorgen wolle, habe das Nachsehen. Angenommen wurden alle Anträge von Thomas Schmidt, der eine Änderung der Ampelschaltung an der Ecke Römerhofweg und alte B 11 forderte. Die Wartezeit von einer Minute, bis die Ampel auf grün schaltet, solle am Abend verkürzt werden. Schmidt plädierte für einen Zebrastreifen anstelle der Drückampel am Römerhofweg und für einen Spiegel am Keltenweg in Richtung See. Befassen muss sich der Stadtrat auch mit dem Antrag, die Stellplatzablösegebühr von 12 000 Euro auf die Hälfte zu verringern, um einen Anreiz zu schaffen, Wohnungen für Studenten in Häusern auszubauen. Angenommen wurde ein Antrag zur Parallelstraße der B 471 in Hochbrück. Karin Wartha kritisierte, der Ausbau mit Fahrradstreifen sei für Radfahrer und Fußgänger gefährlich. Sie forderte eigene Wege für Fußgänger und Radfahrer auf Privatgrund. pa

Gruchmann erinnerte auch daran, dass mittlerweile an der Fußgängerzone Poller eingebaut wurden. Und er versprach, dass diese um 15 Uhr hochgefahren würden, um Anlieferverkehr auszusperren. Ausnahmen würden nur für Rettungswagen oder Handwerker gemacht. Der Einbau der Poller hatte sich wegen der Baustelle am Bürgerhaus verzögert.

Ausführlich ging Gruchmann auf das Baugebiet Kommunikationszone ein, in der einmal mehr als 3000 Menschen leben könnten. Er sei zuversichtlich, dass die städtebaulichen Verträge jetzt unterschrieben würden, dann könnten in zwei Jahren die Bauarbeiten beginnen. Der Stadtrat werde die Vergabekriterien für das Einheimischenmodell und Wohnungsgenossenschaften auf den Weg bringen. 25 Prozent der Baufläche müssen die Investoren an die Stadt geben, die dort Sozialwohnungen, Genossenschaftsbau und Einheimischenmodell umsetzen will. "Ich bin guter Dinge, dass wir mit der Vergabe dieses Jahr anfangen können." Von den geplanten circa 152 000 Quadratmetern Wohnfläche sind laut Bürgermeister circa 1269 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau vorgesehen. Darin enthalten sind an etwa 85 Wohnungen im geförderten Wohnbau, 120 Wohnungen im Genossenschaftsbau und 145 Wohneinheiten im Einheimischenmodell. Zusätzlich werden 191 Einzelhäuser entstehen, darunter circa 28 im Einheimischenmodell, die etwa zu 80 Prozent des Marktpreises veräußert werden sollen.

Außerdem entstehen Studentenapartments.

Damit, so Gruchmann, glaube er, den Garchinger Bedarf decken zu können. Zumal auch am Schleißheimer Kanal in Hochbrück gebaut werden soll. Und auch am Keltenweg entsteht ein Mischgebiet mit Gewerbe und Wohnen. Dort bekomme die Stadt nicht etwa den Schattengrund. "Dort dürfen wir uns die schönsten Wohnungen raussuchen", versicherte Gruchmann.

© SZ vom 20.02.2020
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