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Garching:Gefräßiger Fahrkartenautomat

Fahrscheinautomat in München, 2018

Eigentlich sollten die Automaten der MVG Alarm schlagen, wenn eine Störung vorliegt.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Garchinger bekommt seit Monaten regelmäßig zehn Cent zu wenig Rückgeld. Die MVG kann das nicht erklären

Von Gudrun Passarge, Garching

Es geht nur um zehn Cent, trotzdem ärgert sich Herbert Becke. Der Garchinger pflegt feste Gewohnheiten. Muss er nach München fahren, löst er immer am selben Automaten beim Maibaumabgang ein Tagesticket. Der Preis beträgt 8,90 Euro. Er gibt einen Zehn-Euro-Schein ein und bekommt einen Euro zurück, zehn Cent zu wenig. Becke erzählt, dieses Problem sei im Mai oder Juni zuerst aufgetreten und jetzt wieder.

Der Fotograf ärgert sich, dass dieser Missstand trotz seiner Hinweise bisher nicht abgestellt wurde und hat sich mit einem launigen Brief an die Münchner Verkehrsgesellschaft gewandt, in dem er nach den Ursachen fragt und selbst verschiedene Antworten zum Ankreuzen angibt. "Wollen Sie die Aufmerksamkeit der Kunden dadurch testen?", lautet eine.

Nach den ersten Erlebnissen im Mai hatte sich der Garchinger sofort an die MVG gewandt. Diese reagierte und schrieb etwas von einem hochtechnischen, komplizierten System. Becke hat dafür auch Verständnis, aber er wundert sich trotzdem, dass immer nur zu wenig rauskommt und nicht mal zu viel. Tatsächlich aber, so seine Erfahrungen, habe der Automat nach seiner ersten Beschwerde eine Zeit besser funktioniert. Doch jetzt im Herbst trat das alte Leiden wieder auf, zehn Cent fehlten beim Rückgeld. Auch seiner Schwiegertochter sei das passiert, berichtet er.

Becke selbst hat sich an einem Tag so über den Automaten geärgert, dass er vergaß zu stempeln. Gerade als die U-Bahn einfuhr, fiel es ihm ein. Er ging zurück, verpasste den Zug und nahm die nächste U-Bahn, in der er prompt kontrolliert wurde. "So eine Ausrede hätte mir doch niemand geglaubt", ist Becke überzeugt. Das zu viel einbehaltene Geld wollte ihm die MVG überweisen, aber darum geht es dem Garchinger gar nicht, eher um das Grundsätzliche. "Ich weiß ja nicht, wie der Automat bei anderen Karten verfährt."

Matthias Korte, Pressesprecher der MVG, nennt den Vorgang mysteriös. Alle Zahlungsvorgänge würden in Protokollen festgehalten, so könne die MVG jeden Kleinstvortrag nachprüfen, schließlich müsse ehrlich abgerechnet werden. Vor allen Dingen aber hätte der Automat laut Korte selbst eine Störung melden müssen. In solchen Fällen bricht er dann häufig den Kaufvorgang ab. Doch der Garchinger Automat habe keine Störungsmeldung abgegeben. Auch die wöchentlichen Kontrollen der Techniker haben offenbar nichts zu Tage befördert, was die Macke des Automaten erklären könnte.

Die Münztrommel wurde ausgewechselt

An dem Automaten in Garching haben die Techniker nach Beckes Brief jetzt "prophylaktisch" die Münztrommel ausgewechselt. Sollten noch Unregelmäßigkeiten auftreten, empfiehlt der MVG-Sprecher, die Telefonnummer, die auf jedem Automaten angebracht ist, zu kontaktieren. Falls jemand zu viel bezahlt habe oder eine nicht lesbare Karte herausbekommen habe, so erhalte er sein Geld zurück. "Es ist uns schon wichtig, dass am Ende des Tages die Rechnung stimmt", sagt MVG-Sprecher Korte. Sie stimmt aber immer noch nicht. Bei einem erneuten Versuch am Dienstag war alles wie zuvor. Herbert Becke bekam auf seinen Zehn-Euro-Schein wieder nur einen Euro zurück.

© SZ vom 15.11.2018/pa
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