Ärger um Park-and-Ride-Plätze in GarchingExklusiv reserviert für Bayern-Fans

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Bei Heimspielen des FC Bayern in der Allianz-Arena ist der Park-and-Ride-Parkplatz am U-Bahnhof Garching-Hochbrück voll belegt.
Bei Heimspielen des FC Bayern in der Allianz-Arena ist der Park-and-Ride-Parkplatz am U-Bahnhof Garching-Hochbrück voll belegt. Robert Haas

Bei Heimspielen des Rekordmeisters herrscht in der Universitätsstadt regelmäßig Verkehrschaos. Dass seit einiger Zeit der Park-and-Ride-Platz am U-Bahnhof Hochbrück nur noch Besuchern der Allianz-Arena zur Verfügung steht, löst nun zusätzlich Kritik aus.

Von Sabine Wejsada, Garching

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Wenn in der Allianz-Arena in Fröttmaning ein Fußballspiel steigt, dann herrscht im nahen Garching regelmäßig Ausnahmezustand. Rund um die Haltestellen der U 6 auf dem Forschungscampus, in der Stadtmitte und vor allem in Hochbrück sind Auswärtige unterwegs, um einen kostenlosen oder zumindest günstigen Parkplatz zu finden. Der Suchverkehr nervt die Anwohner zunehmend, ebenso der Umstand, dass sie selbst keinen Stellplatz mehr finden oder die Autos von Fußballfans kreuz und quer in den Siedlungen herumstehen. Mit diesem Problem müssen die Garchinger schon seit vielen Jahren leben.

Doch nun gibt es offenbar auch Ärger mit dem Park-and-Ride-Platz (P+R) am U-Bahnhof Garching-Hochbrück. Nach Angaben der Grünen im Stadtrat stehen der Allgemeinheit die zahlreichen Stellplätze für Kraftfahrzeuge, aber auch für Fahrräder nicht mehr zur Verfügung. Der Grund: Fans, die mit Bussen oder dem eigenen Wagen anreisen, blockieren sie – und das offenbar mit Genehmigung der Stadt. Vor den Barrieren befänden sich Schilder, wonach die Flächen nur Besitzern einer Parkberechtigung der Arena zugänglich seien, beklagt Stadtrat Werner Landmann. In einer Anfrage an Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) und die Stadtverwaltung fordern die Grünen jetzt umgehend Aufklärung.

So will die Fraktion wissen, welcher Beschluss des Garchinger Stadtrates beziehungsweise eines Gremiums der Sperrung von öffentlichem Parkraum zugrunde liege – oder aber welche Abteilung im Rathaus diese für „privatwirtschaftliche Interessen eines Münchner Fußballklubs“ veranlasst habe und aus welcher Intention. „Seit wann ist die Stadt Garching verantwortlich dafür, die Parkprobleme rund um ein Fußballstadion in München zu lösen?“, heißt es in der Anfrage weiter. Grünen-Stadtrat Landmann kritisiert, dass eine solche Regelung  „an allen Gremien vorbei“ beschlossen worden sei. „Das ist ein brisantes Thema, das nicht von der Verwaltung verhandelt werden kann, sondern eine politische Debatte erfordert“, findet Landmann.

Der Garchinger Grünen-Stadtrat Werner Landmann kritisiert die Stadt dafür, dass sie bei Fußballspielen in der Allianz-Arena den P+R-Platz in Hochbrück für die Allgemeinheit sperrt.
Der Garchinger Grünen-Stadtrat Werner Landmann kritisiert die Stadt dafür, dass sie bei Fußballspielen in der Allianz-Arena den P+R-Platz in Hochbrück für die Allgemeinheit sperrt. privat

Im Garchinger Rathaus gibt man sich angesichts dieser Vorhaltungen der Grünen mehr oder minder überrascht. Joachim Krause (SPD), der gerade als Dritter Bürgermeister das im Urlaub weilende Stadtoberhaupt vertritt, versichert auf Anfrage, es gebe zwar eine derartige verwaltungsintern getroffene Abmachung mit der Allianz-Arena GmbH, den P+R-Platz an der U-Bahn in Hochbrück gegen Bezahlung zu vermieten. Seines Wissens nach aber wohl nur für sechs Spieltage.

Darunter fallen offenbar das Endspiel der Champions League am 31. Mai im Fröttmaninger Stadion und die Endrunde der Nations League Anfang Juni mit dem Halbfinale Deutschland gegen Portugal am 4. Juni und das Finale am 8. Juni in der Arena. Betroffen von einer Sperrung seien 250 Stellplätze, auf denen in dieser Zeit Fanbusse parken könnten und auch Besucher ihre Zelte aufschlagen dürften. Von einer bereits jetzt geltenden Regelung sei ihm nichts bekannt, sagt Krause und erinnert daran, dass für Fußballfans auch die Parkhäuser im Business Campus offenstehen.

Vor der Heimpartie der Bayern gegen Mainz dirigieren Ordner die Busse auf den P+R-Platz in Hochbrück. Für die Allgemeinheit ist der Parkplatz an Spieltagen des FC Bayern derzeit gesperrt.
Vor der Heimpartie der Bayern gegen Mainz dirigieren Ordner die Busse auf den P+R-Platz in Hochbrück. Für die Allgemeinheit ist der Parkplatz an Spieltagen des FC Bayern derzeit gesperrt. Robert Haas

Doch bereits am Samstag vor zwei Wochen, als der FC Bayern im Abendspiel am 29. Spieltag Borussia Dortmund empfing, hat Grünen-Stadtrat Werner Landmann nach eigenen Worten beobachten können, dass die Zufahrten zum P+R-Platz in Garching-Hochbrück gesperrt gewesen seien. Zahlreiche Ordner mit gelben Westen hätten die ankommenden Busse und Autos kontrolliert, eingewiesen oder eben wieder weggeschickt. Genauso wurde am vergangenen Wochenende aus Anlass der Begegnung zwischen den Bayern und dem FSV Mainz 05 verfahren.

Garching könne nicht die Probleme der Landeshauptstadt lösen, so die Grünen

Für Landmann und seine Parteikollegen sendet die Stadt Garching mit solchen Abmachungen ein „falsches Signal“: Man benötige vielmehr innovative Mobilitätskonzepte, damit die Menschen verstärkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad zu Fußballspielen gelangten – und eben „nicht weiter unsere Heimatstadt voll parken“. Überdies verlangen die Grünen eine Antwort auf die Frage, ob von einer möglichen Sperrung noch weitere Parkplätze auf Garchinger Gebiet betroffen sind.

Ideen, wie sie regelmäßig und zuletzt im vergangenen Bundestagswahlkampf von der Münchner CSU in Richtung Norden adressiert wurden, wonach die Stadt Garching die Kapazitäten direkt auf dem Parkplatz am U-Bahnhof Hochbrück mithilfe eines Parkhauses erweitern sollte, erteilt Landmann eine Absage. Man sei nicht dafür zuständig, die Probleme der Landeshauptstadt zu lösen, wenn an Heimspieltagen des FC Bayern die U 6 kurz vor dem Kollaps stehe und der Parksuchverkehr Freimann und andere Bereiche rund um die Arena lahmlege, so der Grünen-Stadtrat.

Wenn man bei Fußballspielen in der nahen Arena die Stellflächen am U-Bahnhof Hochbrück schon für Fans reserviere, dann müsse sich das für Garching auch rechnen, so Landmann. Nach seinen Worten sind im Haushaltsplan für das laufende Jahr Einnahmen in Höhe von immerhin 137 000 Euro aus den Parkgebühren für P+R-Plätze ausgewiesen. Dass die Stadt mit der Sperrung der kostenpflichtigen Stellplätze am U-Bahnhof Hochbrück keinen Verlust einfährt, weil sie sich diese von der Allianz-Arena GmbH laut Drittem Bürgermeister Joachim Krause bezahlen lässt, dürfte die Grünen im Garchinger Stadtrat zumindest etwas trösten.

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