Anders als bislang erwartet, wird der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München (TU) auch in diesem Jahr nicht mehr in Betrieb gehen. Nach Angaben des bayerischen Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag kann „zum aktuellen Zeitpunkt noch keine definitive Auskunft über den Zeitpunkt der erneuten Inbetriebnahme der Anlage erfolgen“. Die Anfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. Hintergrund sind weiterhin Lieferprobleme für den sogenannten Zentralkanal der Anlage. Er trägt als zentrales Bauteil des FRM II das Brennelement.
Seit März 2020 steht der Forschungsreaktor still, damals wurde er wegen der Corona-Krise heruntergefahren. Im Januar 2022 wurde dann eine Undichtigkeit am Zentralkanal festgestellt. Auch wenn dies nach Angaben des Ministeriums keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Neutronenquelle, das Betriebspersonal und die Umgebung hatte und auch keine Radioaktivität freigesetzt wurde, soll zunächst der Zentralkanal ausgetauscht werden.
Doch die Beschaffung des Bauteils ist alles andere als einfach, wie die Antwort des Ministeriums belegt: Denn bereits seit dem 30. März 2013 wartet man in Garching auf die Lieferung – damals war dies für Herbst 2014 eingeplant worden. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler aus Oberschleißheim bezeichnete den Vorgang mit einer Wartezeit von mehr als 13 Jahren als „verblüffend“.
Zwar sei die frühe Auftragserteilung logisch, da allen Beteiligten bewusst gewesen sei, dass der Zentralkanal regelmäßig erneuert werden müsse. „Völlig unverständlich ist aber, wieso es in 13 Jahren nicht gelungen ist, ein weiteres Exemplar dieses Zentralkanals herzustellen, etwas, was ja offensichtlich vor mehr als 20 Jahren noch möglich war“, findet Büchler. Der Vorgang verstärke die bereits bestehenden Zweifel am Management des FRM II.


