Atommüll:Das verdrängte Problem

Lesezeit: 1 min

Forschungsreaktor München II  (FRM II)

Mögen andere Reaktoren auch abgeschaltet werden, der Forschungsreaktor in Garching soll dieses Jahr wieder hochgefahren werden.

(Foto: dpa)

Die Frage der Endlagerung des radioaktiven Abfalls muss endlich geklärt werden - auch um die Forschung in Garching zu sichern.

Von Irmengard Gnau

Die Forschungsneutronenquelle am FRM II rühmt sich als eine der leistungsstärksten in Europa, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt stehen Schlange, um ihre Experimente auf dem TU-Campus in Garching vornehmen zu können. Das Maier-Leibnitz-Zentrum (MLZ) veröffentlicht regelmäßig Erkenntnisse, die international Anerkennung finden. Es ist Spitzen- und Grundlagenforschung "Made in Germany", die zum wissenschaftlichen und technischen Fortschritt beiträgt. Hinzu kommen medizinische Nutzungen, die direkt etwa bei der Bekämpfung von Krebs eingesetzt werden.

Neben diesen wertvollen Ergebnissen aber produziert der Forschungsreaktor noch etwas anderes, das gern vergessen wird: Atommüll. Sicherlich verbraucht der FRM II Brennstäbe nicht in vergleichbarem Maße wie große Atomkraftwerke zur Stromgewinnung, doch auch die Überreste des Garchinger Reaktors sind ein immenses Problem. Auf die Frage "Wohin mit den radioaktiven Abfällen?" haben Politik, Wirtschaft und Forschung seit Beginn der atomaren Nutzung vor etwa 70 Jahren - 1957 ging das Garchinger Atomei als erster Reaktor in Deutschland in Betrieb - keine echte Lösung präsentiert. Nun drängt die Zeit. Die Betriebsgenehmigungen dreier Zwischenlager laufen in den 2030er Jahren aus, darunter die des Zwischenlagers für Brennelemente und hochradioaktive Abfälle in Ahaus, wo auch die abgebrannten Stäbe aus Garching zunächst deponiert werden sollen. Denn das Abklingbecken in Garching läuft voll.

Es wäre aber zu einfach, in dieser Situation nur auf die Genehmigungsbehörden zu weisen. Vereinbarte Verträge müssen gewahrt bleiben, ja. Doch eine so hochkomplexe und eben mit vielen Risiken behaftete Technologie wie die Kernkraft, zum Zweck der Energiegewinnung wie auch zum Zweck der Forschung, bedarf einer steten begleitenden Debatte - über den sicheren Betrieb ebenso wie über die langfristigen Auswirkungen. Der Atommüll ist ein Erbe, das heutige Generationen den künftigen als dauerhafte Belastung mitgeben. Die Herausforderung, diesen Müll sicher zu lagern oder anderweitig in einer Weise damit umzugehen, die keine Gefährdung darstellt, sollte viel stärker in den Fokus rücken - nicht nur bei der Politik, sondern auch bei den Wissenschaftlern, die von der Technologie profitieren. Sonst könnte es irgendwann vorbei sein mit den Erfolgsmeldungen aus Garching.

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