Forschungscampus GarchingNichts los im Untergeschoss

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Eigentlich sollten im Untergeschoss des „Galileo“ in Garching Geschäfte und Dienstleister einziehen, doch seit Jahren tut sich nichts. Die bayerischen Grünen sprechen von einer „Geisterstadt“.
Eigentlich sollten im Untergeschoss des „Galileo“ in Garching Geschäfte und Dienstleister einziehen, doch seit Jahren tut sich nichts. Die bayerischen Grünen sprechen von einer „Geisterstadt“. Robert Haas

Vor vier Jahren wurde der Gebäudekomplex „Galileo“ auf dem Forschungscampus der TU in Garching eröffnet. Hotels und Kongresszentrum werden inzwischen rege genutzt, eine Etage tiefer aber herrscht noch immer gähnende Leere.

Von Irmengard Gnau, Garching

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2016 hat Aeneas Leingärtner-Goth sein Bachelor-Studium an der TU München aufgenommen. Zu einem großen Teil hat er seine Studentenzeit auf dem Forschungscampus in Garching verbracht. Bis zum Abschluss seines Masterstudiums in Applied and Engineering Physics in diesem Frühjahr hat Leingärtner-Goth miterlebt, wie der dortige Campus über die Jahre immer weiter gewachsen ist. Wie einige Bauten regelrecht in die Höhe geschossen sind und Projekte binnen kurzer Zeit vollendet wurden – andere hingegen nicht. Wenn der Absolvent von der U-Bahnstation Garching-Forschungszentrum zum Physikinstitut geht, führt ihn der Weg vorbei am „Galileo“, und dann kommt nicht selten der Ärger hoch.

Der verspiegelte Gebäudekomplex wurde 2021 mit viel Prominenz und Lob eröffnet. Die „neue Mitte“ des Forschungscampus sollte der futuristische Bau werden, ein Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt und Vertreter der Industrie. Dafür wurde ein Kongresszentrum mit einem modernen Audimax errichtet, Büroflächen, daneben ein großer Hotelkomplex mit Zimmern und Appartements für Kongressgäste und Wissenschaftler. Außerdem, so die Verheißungen, sollte „Galileo“ den bis dato eher tristen Campus beleben mit Annehmlichkeiten des Alltags wie Einkaufsmöglichkeiten, Lokalen und Cafés für Studierende und Mitarbeiter. Ein Waschsalon, ein Food Court, ein Supermarkt, vieles schien möglich.

Allein, von all dem Zweitgenannten ist noch kaum etwas umgesetzt. Immer noch nicht. Im dafür vorgesehenen Untergeschoss des „Galileo“ herrscht bis auf ein Fitnessstudio weiterhin gähnende Leere. Schon 2023 hatten Studierendenvertreter angemahnt, die in Aussicht gestellten Einkaufsmöglichkeiten endlich zu installieren. Schließlich hat die bayerische Staatsregierung das Baugrundstück in zentraler Lage mitten auf dem Campus den privaten Investoren in Erbpacht überlassen. Die Vereinbarung wurde erst 2021 bis ins Jahr 2090 verlängert. Gerechtfertigt wurde das Erbbauprojekt mit dem Zweck, dass das Galileo dringenden Bedarf der TU decken und „universitätsnahe Infrastruktur“ schaffen solle.

Dass sich die versprochene Infrastruktur bis heute offensichtlich nur auf das Fitnessstudio sowie einen Burger-Laden im Erdgeschoss des Komplexes beschränkt, kritisieren die Grünen im Landtag deutlich. „Es scheint der Staatsregierung einfach egal zu sein. Sie akzeptiert den Leerstand und zeigt keinerlei Initiative. Das ist superärgerlich“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Claudia Köhler. Die Abgeordnete aus Unterhaching verfolgt die Entwicklung des „Galileo“ seit Jahren und hat schon 2023 vom Wissenschaftsministerium und der TU gefordert, sie sollten den Investor dazu bringen, die leer stehenden Räumlichkeiten endlich mit Leben zu füllen.

Die „neue Mitte“ des Forschungscampus sollte der futuristische Bau werden, ein Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt und Umsetzende aus Forschung und Industrie.
Die „neue Mitte“ des Forschungscampus sollte der futuristische Bau werden, ein Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt und Umsetzende aus Forschung und Industrie. Robert Haas

Auf eine neue Anfrage Köhlers vom Mai dieses Jahres antwortet das Wissenschaftsministerium einsilbig, Vermietung, Verpachtung und Betrieb des Objekts lägen nicht in der unmittelbaren Verantwortung des Freistaats; da die Geschäftsinteressen des privaten Vermieters zu schützen seien, könne man auch keine Angaben zu möglichen Vertragsverhandlungen oder ähnlichem machen. „Ich finde das Verhalten der Staatsregierung schwach, den Studenten hilft eine leere Geisterstadt wie Galileo nicht“, kritisiert Köhler. „Es ist passiert wie so oft: Tafelsilber verscherbeln, damit man keine Mühe mehr damit hat, und dann Augen zu. Entsprechende Auflagen hat die Staatsregierung nicht in den Vertrag verhandelt“, ärgert sich die Landtagsabgeordnete.

Die TU gibt sich zerknirscht. „Wir sind natürlich nicht zufrieden mit der Situation im Untergeschoss des Galileo-Gebäudes. Im Interesse der Studierenden und Beschäftigten wünschen wir uns, dass die Versorgung des Campus Garching mit gastronomischen Angeboten und einem Lebensmitteleinzelhandel verbessert wird“, sagt Universitätssprecher Ulrich Meyer. Vermietung und Betrieb lägen aber nicht bei der TU, sondern bei dem privaten Investor, betont er. Mit diesem stehe die TU im regelmäßigen Austausch. Die Universität versuche, so Meyer, die Verantwortlichen bei der Suche nach geeigneten Mietern zu unterstützen. Allerdings, gibt Meyer zu bedenken, ist der Campus am Wochenende kaum besucht. Das macht die Lage für potenzielle Mieter – etwa Supermarktbetreiber – weniger attraktiv.

Es laufen derzeit wieder Gespräche mit potenziellen Betreibern

Aktuell gebe es jedoch nach dem Kenntnisstand der TU erneut Gespräche mit möglichen Betreibern für verschiedene Flächen. „Wir hoffen im Interesse aller Beteiligten, dass es bald positive Nachrichten gibt“, so Meyer. Diese Hoffnung bekräftigt auch Oliver Soini, Geschäftsführer des Investors Soini GmbH aus Salzburg. „Wir sind in guten Gesprächen mit der TU“, sagt Soini. Er hoffe, noch vor der Sommerpause gemeinsam eine Großkonzeptlösung für das Untergeschoss des „Galileo“ zu finden.

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