bedeckt München 16°

Garching:Eine Siedlung und viele offene Fragen

Der Verkehr auf dem Hüterweg wird weiter zunehmen: Schon bisher gibt es Sorgen um die Sicherheit von Fußgängern und Radlern.

(Foto: Catherina Hess)

Die Stadt vertagt die Entscheidung über das Quartier am Bürgerpark auf Oktober. Dort sollen ein Kinderhaus und 42 Wohnungen entstehen. Klärungsbedarf besteht bei Verkehrssicherheit und umweltfreundlicher Energieversorgung

Von Gudrun Passarge, Garching

Das "Wohnen am Bürgerpark" am Garchinger Hüterweg fällt dichter aus als ursprünglich gedacht. 2018 noch hatten sich die Stadträte mit ersten Entwürfen beschäftigt, die eine Geschossflächenzahl von 4809 Quadratmetern vorsahen, jetzt legte die Verwaltung dem Bauausschuss einen Plan mit einer Geschossfläche von 5737 Quadratmetern vor. Insgesamt sollen 42 Wohnungen in sechs Mehrfamilienhäusern und neun Reihenhäuser entstehen. Hinzu kommt ein Kinderhaus der Stadt, wiederum mit Wohnungen für das Betreuungspersonal im Obergeschoss. Diskutiert wurde allerdings nicht nur über die Dichte des Baugebiets, sondern auch über die Erschließung, die einige Stadträte hinterfragten. Die endgültige Abstimmung wurde auf Oktober verschoben.

Das Baugebiet liegt direkt neben dem Bürgerpark. Man habe "ausgiebig mit dem Investor verhandelt", verkündete Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), der das Ergebnis als "guten Kompromiss" bezeichnete. Natürlich falle dieser Plan dichter aus als der erste, aber das sei eben den aktuellen Grundstücks- und Baupreisen zuzuschreiben. Dafür betonte der Bürgermeister, dass für das Kinderhaus nun ein Grundstück im Südosten ausgewählt wurde.

Ursprünglich war es im Südwesten eingeplant, doch das sei direkt neben der Tiefgarageneinfahrt am Hüterweg gelegen, was für die Kinder hätte gefährlich werden können. Außerdem betonte er, dass die neue Planung ein autofreies Quartier vorsehe. Sämtliche 108 Stellplätze seien in der Tiefgarage untergebracht. Auch die Behindertenstellplätze. Um die Wohnungen barrierefrei erreichen zu können, sollen Aufzüge von der Tiefgarage aus nach oben führen.

Auf einen Spielplatz in der Siedlung soll verzichtet werden, dafür wolle man eine Spielplatzablöse vom Investor, sagte die stellvertretende Bauamtsleiterin Annette Knott. Mit diesem Geld könnten Spielplätze in der Umgebung ertüchtigt werden. Auch für das Kinderhaus gelte, dass die Kinder im Bürgerpark spielen könnten, wobei Knott sagte, sie gehe davon aus, dass dieses Haus als Hort genutzt werde.

In der Diskussion wiesen die Stadträte zwar auf die Flächenmehrung hin, fast 1000 Quadratmeter, "wir sind da sehr großzügig", merkte Alfons Kraft (Bürger für Garching) an. Wichtiger war ihnen aber die Frage der Erschließung. Bastian Dombret (FDP) etwa wollte wissen, ob der Hüterweg nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden könne. Das sei möglich, wenn mehr Radler auf der Straße unterwegs seien als Autofahrer, antwortete Gruchmann. Kraft allerdings stellte fest, dass der Entwurf, so wie die Verwaltung ihn präsentierte, aus verkehrstechnischer Sicht nicht funktionieren werde. Er vermisste konkrete Aussagen, wie die Autos fahren sollen, wobei der Umgriff bis zum Augustiner an der Freisinger Landstraße gefasst sein sollte.

Kraft forderte, einen Verkehrsplaner einzuschalten, der sagt, wie es laufen soll, "sonst mache ich da nicht mit". Zu viele Fragen seien noch nicht beantwortet. Walter Kratzl (Grüne) zweifelte an, dass dort eine Fahrradstraße entstehen könne; er forderte auf jeden Fall einen Gehweg. Der sei vorhanden, sagte Knott, aber nur an der Nordseite des Hüterwegs.

Generelle Kritik äußerte auch Harald Grünwald (Unabhängige Garchinger), der von einer schwachen Leistung der Verwaltung sprach. Den Bürgermeister forderte er auf, er müsse mal "den eigenen Stall ausmisten". Grünwald vermisste etwa Hinweise auf Dachbegrünung und Photovoltaikanlagen. Seine Kollegin Michaela Theis wies zudem darauf hin, dass es schon heute gefährlich sei für Radfahrer, wenn am Hüterweg ein Auto vorbeifahre. Und Felicia Kocher (Grüne) wollte, dass die Stadträte sich vorher überlegen, wie die Menschen sicher von A nach B gelangten, außerdem solle die Stadt fordern, dass Photovoltaik auf den Dächern ist.

Wegen der vielen Nachfragen beschloss der Bürgermeister, nur den Aufstellungsbeschluss zu fassen und die Entscheidung im Stadtrat auf den Oktober zu verschieben. Gegen die Stimmen der beiden Grünen und der beiden Unabhängigen Garchinger wurde der Beschlussvorschlag schlussendlich angenommen.

© SZ vom 24.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite