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Garchinger Windrad:Gegenwind aus Dietersheim

Winter in Niedersachsen

An der Grenze zur Gemeinde Eching will die Stadt Garching ein bis zu 250 Meter hohes Windrad errichten.

(Foto: dpa)

Die Nachbarn aus dem Echinger Ortsteil sind nicht glücklich mit den Plänen der Stadt Garching, an der Gemeindegrenze ein Windrad zu errichten. Sie sammeln Unterschriften und fordern, stärker am Prozess beteiligt zu werden.

Von Irmengard Gnau, Garching

Dass solch ein Bauprojekt ohne Widerstand ablaufen würde, hat wohl niemand erwartet: Vor zwei Wochen hatte der Garchinger Stadtrat mit großer Mehrheit den Bebauungsplan für ein Windrad im Norden des Ortes auf den Weg gebracht, nun melden sich die Nachbarn erzürnt zu Wort. Anwohner des Echinger Ortsteils Dietersheim fühlen sich von den Garchinger Plänen überrumpelt. Auch Echings Bürgermeister Sebastian Thaler (parteifrei) will den Standort noch einmal zur Diskussion stellen.

Knapp 550 Dietersheimer fordern auf einer Unterschriftliste, welche die Gemeinderätinnen Heike Krauß (CSU) und Lena Haußmann (Grüne) vergangenen Dienstag an Echings Bürgermeister Thaler übergeben haben, mehr Informationen und Mitspracherecht bei der Planung. Insbesondere die Größe des Windrads stößt den Nachbarn auf. Nach ersten Plänen des potenziellen Investors und Betreibers, der Ostwind Erneuerbare Energien GmbH mit Sitz in Regensburg, soll die Anlage bei einer Nabenhöhe von etwa 165 Metern bis zu 250 Meter in die Luft ragen und von 2024 an etwa 4000 Haushalte mit Ökostrom versorgen. Da Garching für das Windrad einen Bebauungsplan aufstellt, darf die Kommune rechtlich die in Bayern durch die 10H-Regel festgelegten Abstände zur nächsten Wohnbebauung unterschreiten. Das Garchinger Windrad stünde knapp eineinhalb Kilometer vom Dietersheimer Ortsrand und etwa 1,1 Kilometer Luftlinie vom Garchinger Stadtrand entfernt.

Dass regional erzeugte Windkraft ein wünschenswertes Ziel ist, darin sind sich grundsätzlich alle einig, auch die Kritiker. Ob die Anlage allerdings auf dem angepeilten Acker zwischen der Autobahn A 9 und der ehemaligen B 11 stehen muss, daran entzündet sich nun der Streit. Selbst Bürgermeister Thaler, der sich als großer Befürworter der Windkraft präsentiert und 2019 in einem Appell bayerischer Bürgermeister an die Staatsregierung unter anderem die Abschaffung der umstrittenen 10H-Regelung gefordert hatte, äußert sich nun kritisch. Der Standort "erscheine diskussionswürdig", schreibt er in einer Pressemitteilung und auf seiner Homepage. Die bereits in Planung befindliche Ortsentwicklung Dietersheims in Richtung Südwesten, die Umgehungsstraße wie auch die Ausweitung des TU-Campus dürften durch den Bau nicht eingeschränkt werden. "In der Region" gebe es deutlich besser geeignete Standorte.

Garching sieht durch seine Pläne weder die Entwicklung der TU noch die Westumfahrung Dietersheims gefährdet, zumal das Windrad zunächst nur für 20 Jahre ab Inbetriebnahme laufen soll. Der Stadtrat hat den Standort schon 2009 in seinem Flächennutzungsplan nach eingehender Prüfung als Sondergebiet für Windkraft festgelegt. Dass man nun weitere Schritte einleitet, sei daher nur die Fortführung längst gefasster Pläne, hieß es zuletzt in der Stadtratsdebatte. Gleichwohl kritisiert CSU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ascherl die Reihenfolge des Vorgehens: "Ich hätte mir gewünscht, dass man schon vor dem Start eines so großen Projekts die Bürger informiert und befragt." Diese Form der Bürgerbeteiligung sei aufwendig, schaffe am Ende aber mehr Akzeptanz. Nun, da das Bebauungsplanverfahren schon auf dem Weg sei, "haben wir als Kommunalpolitiker die Aufgabe, bei den Bürgern Überzeugungsarbeit zu leisten".

Als nächstes wird die Verträglichkeit der Windkraftpläne mit dem Natur- und Artenschutz geprüft. Die Echinger dürften das Ergebnis besonders kritisch unter die Lupe nehmen.

© SZ vom 30.01.2021/lb
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