Garching Die TU versteckt das Atom-Ei

(Foto: SZ-Grafik)

Ein neues Wissenschafts- und Werkstattgebäude würde den Blick auf das Garchinger Wahrzeichen verstellen. Der Bauausschuss stimmt zu. Nur die Grünen sind dagegen - aus Gründen des Denkmalschutzes.

Von Benjamin Köster, Garching

Einen freien Blick auf das Atom-Ei, wie es das Stadtwappen zeigt, werden die Garchinger in Zukunft nicht mehr haben. Der Wissenschaftscampus Garching wächst weiter und der Bau des geplanten Wissenschafts- und Werkstattgebäudes hätte zur Folge, dass auch aus westlicher Richtung nur noch die Spitze des markanten Eis zu sehen ist. Die letzte freie Sichtachse auf den stillgelegten Forschungsreaktor München I wäre damit verbaut.

Das Atom-Ei ist nicht ein, es ist das Wahrzeichen von Garching. Der im Jahr 1957 in Betrieb genommene Forschungsreaktor mit der charakteristischen 30 Meter hohen Kuppel, die wie ein Ei aussieht, war der erste Nuklearreaktor in Deutschland und machte das damals noch recht unbekannte Garching auf der Landkarte der deutschen Wissenschaft sichtbar.

Seit 1967 ziert die markante Anlage das Wappen

Seit 1967 ziert das Ei das Wappen der Kommune. Zu Beginn ganz einsam stehend inmitten von Ackerflächen, bildet der stillgelegte Forschungsreaktor heute den Mittelpunkt des Garchinger Wissenschaftsparks mit seinen Tausenden Studierende und Forschern.

"Ich finde es schon schade, dass die TU den Blick auf unser Wahrzeichen verbaut", sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Dienstagabend. Geplant ist ein Neubau von zwei viergeschossigen Gebäuden mit jeweils einem kleineren zusätzlichen Technikgeschoss auf der Westseite des Atom-Eis. Zu hoch, wie die Garchinger Grünen finden.

"Ein Geschoss weniger hätte es auch getan"

Ein Geschoss weniger hätte es auch getan, meinte zum Beispiel Fraktionschef Hans-Peter Adolf. "Dann würde man zumindest noch etwas mehr vom Atom-Ei sehen." Seine Fraktionskollegin Ingrid Wundrak hingegen rief den Denkmalschutz auf den Plan. Das seit der Stilllegung des Reaktors im Jahr 2000 denkmalgeschützte Gebäude könne nicht einfach zugebaut werden, fand die Grünen-Stadträtin.

Allerdings spielt die Sichtbarkeit im bayerischen Denkmalschutzgesetz keine Rolle. Lediglich das Baudenkmal an sich darf nicht verändert werden. Eine Erlaubnis wäre nur notwendig, sollte sich der Neubau auf den Bestand oder das konkrete Erscheinungsbild des Garchinger Atom-Eis auswirken. Für Bauamtsleiter Klaus Zettl ist die Debatte fehl am Platz.

Baumatsleiter Klaus Zettl versteht die Aufregung nicht

Durch den Beschluss zum Bau der "Neuen Mitte" (Galileo) sei der Blockade der Sichtachse ohnehin bereits einmal zugestimmt worden, sagte er. Die Frage, ob das geplante Wissenschafts- und Werkstattgebäude die Sicht versperre, stelle sich also überhaupt nicht. Kleinere Unstimmigkeiten verursachte außerdem die Ankündigung, dass für den Neubau insgesamt 71 Parkplätze angelegt werden müssen, was zum weiteren Verlust von Freiflächen führt, wie Harald Grünwald von den Unabhängigen Garchingern feststellte. "Warum wird hier keine Tiefgarage eingeplant?", wollte er wissen.

Am Ende stimmte der Bauausschuss der Beschlussvorlage bei zwei Gegenstimmen der Grünen zu. Viel hätte der Garchinger Stadtrat ohnehin nicht ausrichten können - das staatliche Bauamt hätte den Neubau auch bei einer Ablehnung der Stadt vorantreiben dürfen.