bedeckt München 24°

Garching:Der Coup auf dem Parkplatz

So oder ähnlich könnte das neue Gebäude für die Volkshochschule an der Garchinger Telschowstraße einmal aussehen.

(Foto: BSS Architekten)

Die Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim plant an der Telschowstraße in Garching ein Haus für die Nachbarschaftshilfe und die Volkshochschule. Beide leiden seit längerem unter Raumnot

Von Gudrun Passarge

Ein lang gehegter Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Die Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim plant auf dem Parkplatz an der Telschowstraße ein größeres Haus zu bauen. Darin könnte die Volkshochschule (VHS) genauso unterkommen wie das vom Stadtrat gewünschte Familienzentrum, das die Nachbarschaftshilfe betreiben könnte. Es wäre sogar noch Platz für andere sozialen Vereine oder Institutionen. Der geschäftsführende Vorstand der Baugenossenschaft, Roland Graf, beschreibt das Haus als "soziales Kompetenzzentrum in der Stadtmitte", als ein "Haus für alle Garchinger. Diese Pläne haben mich sofort begeistert". Möglicher Baubeginn könnte schon im Frühjahr 2021 sein.

Die VHS sucht seit längerem ein neues Domizil, weil sie aus dem Haus an der Bürgermeister-Wagner-Straße lange herausgewachsen ist. Das alte Haus habe zwar seinen Charme, betont der Leiter der Volkshochschule Nord, Lothar Stetz, aber es sei eben in die Jahre gekommen und eine Sanierung sehr teuer, zudem ist es nicht barrierefrei. Der Stadtrat war sich auch einig, dass die VHS ein neues Haus bekommen sollte, immer wieder gab es Pläne und Ideen, wo es realisiert werden könnte. Dabei wurde das Problem für die VHS immer drängender, wie Stetz erläutert. Zumal nach einem Wasserschaden im vergangenen Jahr im Gymnastikraum ausgerechnet zwei größere Räume für die Kurse ausfielen. Gerade in Corona-Zeiten, jetzt, da es ums Abstandhalten geht, sei das für die VHS ein Problem - wobei Stetz es unverständlich findet, dass bisher noch niemand von einer Wiedereröffnung der Volkshochschulen gesprochen habe, wogegen Restaurants schon bald wieder aufmachen sollen und auch Kinder wieder die Schule besuchen werden.

Doch momentan wird Stetz zufolge immerhin einer der gesperrten Räume hergerichtet, beim andern laufe die Planung. Schon zuvor hatte sich die VHS behelfen müssen und beispielsweise für größere Veranstaltungen etwa Kooperationen mit der Stadtbücherei gesucht oder das Römerhoftheater diente als Veranstaltungsort. Mal- oder Kreativkurse wurden in Garching gar nicht mehr angeboten.

Doch das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Wie Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) mitteilt, soll die Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim das Grundstück an der Telschowstraße im Erbbaurecht bekommen. Sie baut das neue Sozialzentrum plus VHS und die Stadt könnte es für die nächsten 30 Jahre mieten, mit der Option auf ein vorzeitiges Rückkaufsrecht, wie Gruchmann sagt. Auf dem ehemaligen Parkplatz soll nicht nur das Familienzentrum untergebracht werden, wo die ebenfalls von Platznöten geplagte Nachbarschaftshilfe all ihre Räuhätte, außer der Kleiderkammer, sondern eben auch die VHS. Es könnte ein Tagescafé entstehen und auch für andere Institutionen wie die Arbeiterwohlfahrt oder den VdK wäre noch Platz, sagt Gruchmann. Es gehe darum, Synergien zu nutzen.

Davon spricht auch Lothar Stetz. "Das neue Haus ist eine deutliche Verbesserung, es ist eine Perspektive, die mich freut." Es sei aber nicht nur ein neues Haus, sondern gleich ein neues Konzept. So sei etwa vorgesehen, die Räume untereinander zu teilen. "Wir haben unterschiedliche Nutzungszeiten", sagt Stetz, die VHS könnte manche Räume also eher abends belegen, während sich am Tag beispielsweise eine Kindergruppe dort trifft. Auch vom Bauträger ist Stetz angetan "sie hören sehr genau zu, was wir brauchen".

Roland Graf hat exakte Vorstellungen, wie das Haus einmal aussehen soll. "Wir würden es gerne in Hybridbauweise errichten", also mit einem Stahlbetonkern "und so viel wie möglich mit Holz drumherum". Allerdings müssen vorher noch viele Details, auch brandschutzrechtliche geklärt werden. Mit einem Zeitplan tut sich Graf wegen der Corona-Krise schwer, da dauere doch manches etwas länger als gewohnt, sagt er. Die Baugenossenschaft hätte gerne noch in diesem Jahr angefangen zu bauen, Graf geht aber davon aus, dass es vor nächstem Frühjahr nichts wird, und das sei schon ehrgeizig, "aber dieser Termin wird von uns angestrebt".

Momentan ist das Gebäude mit den Türmen noch in der Vorplanung, dann geht es in die Entwurfsplanung und anschließend kommt das Genehmigungsverfahren. Der Bürgermeister hofft, dass das neue Haus in drei Jahren stehen wird. Das wäre nicht nur eine gute Nachricht für die VHS, sondern so wie Graf sagt, für alle Garchinger.

© SZ vom 16.05.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB