Kinder-Uni in Garching Faszination Drohne

Florian Holzapfel von der TU München erklärt seinen jungen Studenten, wie die Steuerung von unbemannten Flugzeugen funktioniert.

(Foto: Robert Haas)

Florian Holzapfel vom Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der TU München erklärt Kindern wie Ingenieure es schaffen, unbemannte Maschinen fliegen zu lassen - und was Drohnen mit Suppe zu tun haben.

Von Magdalena Mock, Garching

Ein Flugzeug ohne Pilot kann doch gar nicht fliegen, oder? Doch, kann es: Professor Florian Holzapfel vom Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der Technischen Universität (TU) München erklärte den jungen Studenten der Kinder-Uni München in seiner Vorlesung, wie Ingenieure es schaffen, unbemannte Flugzeuge fliegen zu lassen, wie Drohnen die Welt von Morgen verändern und wie sie uns im täglichen Leben begleiten.

Auf dem Boden vor der Präsentationsleinwand steht eine eindrucksvolle Drohne Typ Quantum VRT. Assistenten des Dozenten kümmern sich um die letzten technischen Vorbereitungen, die ersten Kinder haben bereits Platz genommen im Hörsaal an der Boltzmannstraße auf dem Campus Garching. Das interessierte Gemurmel weicht erwartungsvoller Stille, als Holzapfel von der TU München sein Mikro zurechtrückt und vor seine jungen Zuhörer tritt. Der Hörsaal ist mittlerweile gefüllt, es kann losgehen.

Die Acht- bis Zwölfjährigen machen sich eifrig Notizen

Die Vorlesung ist anschaulich und unterhaltsam gestaltet mit Video-Vorführungen und Quiz-Fragen, eine Mitmach-Vorlesung eben, ganz so wie sie für Kinder geeignet ist. Und das Engagement ist riesig. Die Acht- bis Zwölfjährigen sind wissbegierig und interessiert, manche machen sich eifrig Notizen. Auf die Frage, "Könnt ihr das alles verstehen?", folgt ein einstimmiges lang gezogenes "Ja!"

In seinem Vortrag trifft Holzapfel kindgerecht den Peter-Lustig-Ton: "Klingt komisch, is aber so." Selbst trockene Themen, wie die Vorstellung der einzelnen Quadrocopter DJI, Autel Robotics, Lily und Quantum VTR , bekommen dadurch Faszination. Besonders beliebt bei den Buben und Mädchen sind die Live-Vorführungen der einzelnen Drohnen. Laut surrend fliegen sie am Rand des Hörsaals auf und ab. Eine Live-Video-Übertragung des Publikums, gefilmt von einem mit Kamera ausgestatteten Quadrocopter, ruft große Heiterkeit hervor. Ausgelassen winken die Kinder ihrer Projektion auf der Leinwand zu.

Nach der Vorstellung der bereits existierenden Drohnentypen geht es flott weiter im Programm. Was kann man mit einem unbemannten Flugzeug alles machen? "Zum Beispiel könnte man über den Gartenzaun schauen, was der Nachbar so zu Abend isst", witzelt Holzapfel und erhält dafür verhaltenes Gekicher. Aber natürlich fänden Drohnen neben solch lustigen und natürlich verbotenen Anwendungen im Freizeitsektor auch ernsthafte Verwendung, etwa in Land- und Forstwirtschaft, bei der Inspektion von Industrieanlagen und der Untersuchung von Katastrophengebieten.

Die Drohne als fliegender Ober

Oder wie wäre es zum Beispiel damit, im Restaurant die Suppe an den Tisch geflogen zu bekommen? Auch das gibt es schon, vorausgesetzt man wohnt in Singapur. Den Einsatz von unbemannten Flugzeugen in Bundeswehr und Kriegsgebieten streift Holzapfel, hält das Thema jedoch bewusst klein und bekommt prompt kritische Nachfragen: "Könnte man die Drohnen denn auch im Militär einsetzen, so wie Tornado-Kampfflugzeuge?", möchte ein kleiner Junge im blau-gestreiften Pullover wissen. Holzapfel fängt die Situation galant auf: "In Deutschland haben wir bis jetzt nur kleine Drohnen. Das reicht erst mal."

Es folgt der technische Teil der Vorlesung: Wie funktioniert ein Quadrocopter? Aufmerksam folgen die Kinder den Worten des Professors über Auftrieb, Steuerung und Regelung. "Viele Dinge machen von allein nicht das, was wir wollen. Wir brauchen entweder einen Menschen, oder, wenn keiner drin sitzt, einen Computer, der das macht."

Die Kinder-Uni macht Dozenten und Studierenden Spaß

Die komplizierten Inhalte aufzubereiten, sei gar nicht so leicht gewesen, sagt Assistent Chong Wang nach Ende der Vorlesung: "Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir das, was wir hier tun, auch Kindern vermitteln können." Die Gedankenarbeit hat sich jedenfalls gelohnt: Die Veranstaltung ist ein voller Erfolg, die kleinen Studenten sind begeistert, sie klopfen auf die Tische und pfeifen. Holzapfel, der im Anschluss mit Fragen bestürmt und um Autogramme gebeten wird, ist sehr zufrieden. "Sakrisch gefreut" habe er sich über die Wissbegierde und Aufgewecktheit der Kinder. "Das bin ich von meinen Studenten gar nicht gewöhnt", sagt Holzapfel und grinst.

Während die Fragen nicht abreißen, stehen die ersten Eltern schon wartend in der Tür des Hörsaals. Ein Mädchen mit roter Pudelmütze erzählt ihrer Mutter aufgeregt: "Es war klasse! Ich will zur nächsten Vorlesung auch kommen!" Stolz hält es sein Studienbuch unter dem Arm. Ob das Mädchen später studieren wolle? "Ja, unbedingt!" Dann kann die Zukunft ja kommen.

Weitere Vorlesungen der Kinder-Uni am 15. Januar und 5. Februar. Anmeldung unter www.kinderuni-muenchen.de oder Telefon: 089/38 89 91 39.