1111 Jahre ist es her, dass Garching bei München erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Wohin aber steuert der 18 000-Einwohner-Ort nördlich von München, der durch den Standort des TU-Forschungscampus als Universitätsstadt weithin bekannt ist? Diese Frage beantworten gleich sechs Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bei der Kommunalwahl am 8. März um den Bürgermeistersessel im Rathaus bewerben, auf ihre Weise. Beim Podium am Dienstagabend wurde deutlich: Das Rennen könnte dieses Mal eng werden.
Die Debatte, zu der der Verein „Lebendiges Garching“ eingeladen hatte, bewies, wie groß das Interesse an der Wahl in der Stadt ist: Etwa 500 Bürgerinnen und Bürger waren in den Bürgersaal gekommen, um sich persönlich ein Bild von den sechs Kandidierenden zu machen – eine bemerkenswert große Anzahl und ein Nachweis für großen Einsatzwillen auf beiden Seiten, wie die Moderatorin Mira Barthelmann, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, betonte.
In der unterhaltsam geführten Runde wurde rasch deutlich, dass sich die Kandidierenden bei den zentralen Herausforderungen für Garching weitgehend einig sind. An oberster Stelle sucht die Stadt wie so viele Kommunen in der Region München nach probaten Mitteln, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten. Dabei will Garching unter anderem auf genossenschaftliches Bauen setzen. Unter anderem mit der Baugenossenschaft „Gemeinsam in Garching“, die FDP-Kandidat Bastian Dombret mitgegründet hat. Mit seinem Vorschlag, eine eigene städtische Wohnbaugesellschaft zu installieren, fand Christian Nolte (Unabhängige Garchinger) hingegen wenig Zuspruch auf dem Podium. Werner Landmann (Grüne) sprach sich dafür aus, vorhandenen Wohnraum effizienter zu nutzen, etwa durch ein neues kommunales Programm für Wohnungstausch zwischen Senioren und jungen Familien.


Als es um die Finanzen ging, nutzte CSU‑Kandidat Thomas Lemke, der als Einziger bislang nicht dem Stadtrat angehört, die sonst wenig konfrontative Runde für einen Angriff auf Amtsinhaber Dietmar Gruchmann (SPD). Er warf diesem vor, dass die Stadt nach derzeitiger Planung ihre Rücklagen in wenigen Jahren aufgebraucht haben werde; dann drohe die Aufnahme von Schulden. Dies wies Gruchmann zurück. Er betonte, Garching stehe dank guter politischer Arbeit der vergangenen Jahre – insbesondere der Stärkung des Gewerbegebiets Hochbrück – finanziell solide da und verfüge heute über große Wirtschaftskraft: Unter allen 2056 bayerischen Städten und Gemeinden stehe die Stadt auf Platz 29.
FDP-Kandidat und Stadtrat Dombret sah angesichts der städtischen Finanzen ebenfalls „keinen Grund zur Panikmache“. Gleichwohl forderten besonders Lemke und Simone Schmidt, Kandidatin der „Bürger für Garching“, bei großen Bauprojekten ein Controlling einzuführen, um ausufernde Kostensteigerungen wie jüngst bei der Sanierung des Stadions am See oder des neuen Feuerwehrhauses zu verhindern. Nolte pochte auf eine langfristige Masterplanung.


Schmidt präsentierte sich als einzige Frau und mit 45 Jahren jüngste in der Reihe der Kandidierenden nahbar und reformeifrig. Die Gymnasiallehrerin, die 2024 in den Stadtrat nachrückte, fiel neben CSU-Kandidat Lemke am meisten mit Kritik an der Arbeit der jetzigen Verwaltung und ihrem Rathauschef auf. Vor allem die Kommunikation zwischen Verwaltung und Stadtrat wie auch zwischen Verwaltung und den Bürgern wolle sie verbessern, sollte sie Bürgermeisterin werden, erklärte Schmidt.
Insgesamt zeigte die Debatte: Bürgermeister Gruchmann dürfte dieses Jahr um sein Amt kämpfen müssen. Seit zwölf Jahren ist der SPD-Politiker Bürgermeister, vor sechs Jahren musste er bei damals ebenfalls fünf Gegenkandidaten in die Stichwahl, in der er sich dann aber deutlich mit 60 Prozent der Stimmen gegen den CSU-Kandidaten Jürgen Ascherl durchsetzte. Der mittlerweile 64-Jährige möchte nach eigenen Worten gern weitere sechs Jahre seine Erfahrung zur Gestaltung der Stadt einbringen, auch um „viele weitere einstimmige Ergebnisse im Stadtrat“ zu erzielen, wie er in der Diskussionsrunde mit Blick auf den jüngst verabschiedeten Haushaltsplan sagte.
Ein überaus engagiertes Publikum stellte noch etwa 40 Fragen an die Kandidierenden. Die hatten somit weitere Gelegenheiten, einen Überblick über die verschiedenen Programme zu geben. Wer auf eine intensive Diskussion gehofft hatte, wurde hingegen enttäuscht.

