„Ich war immer ein politischer Mensch, aber dass ich einmal irgendwann Bürgermeister in Bayern werde, hätte ich nicht gedacht“, sagt Thomas Lemke und lacht. An den Gedanken wird sich der 51-Jährige gewöhnen müssen, denn seit Sonntag steht fest: Lemke wird ab 1. Mai Dietmar Gruchmann (SPD) als Bürgermeister von Garching bei München beerben.
Dass der CSU-Kandidat, der in Garching bislang noch nie ein politisches Mandat innehatte, den Amtsinhaber aussticht und damit eine jahrzehntelange SPD-Ära im Garchinger Rathaus beendet, darauf hätten vor einem Jahr wohl nur wenige gewettet. Doch nach einem engagierten Wahlkampf gab in der Stichwahl eine Mehrheit Lemke den Vorzug. Er freue sich sehr über den Vertrauensbeweis der Wähler, sagt Lemke drei Tage nach der Entscheidung. Doch er habe auch Respekt vor der neuen Aufgabe.
Als Hildesheimer musste Lemke bei manchem Garchinger Urgewächs wohl erst das typische Misstrauen gegen alle Zugereisten ausräumen; doch das scheint ihm nachhaltig gelungen zu sein. Seit 2024 ist er Vorsitzender des CSU-Ortsverbands, im vergangenen Sommer nominierte ihn die Garchinger CSU einstimmig als ihren Bürgermeisterkandidaten. Schließlich kann Lemke glaubhaft versichern, dass Garching seine Heimat ist: Seit 18 Jahren lebt der gebürtige Niedersachse bereits mit seiner Familie in der Universitätsstadt, seine Frau stammt aus Garching und ist dort über Generationen verwurzelt.
Auch in der CSU ist Lemke schon seit Langem heimisch. Von 2014 bis 2018 war er Landesgeschäftsführer der Mittelstands-Union, seither arbeitet er als Bezirksgeschäftsführer für die oberbayerische CSU unter Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Dementsprechend gut vernetzt ist Lemke in der Partei. Und auch wenn er bislang vor allem für die Kommunikation nach innen zuständig war: Das Vermitteln zwischen verschiedenen politischen Ebenen und Akteuren mit ihren je eigenen Agenden, Bedürfnissen und Zwängen dürfte eine Erfahrung sein, die ihm auch als Bürgermeister zugutekommen wird.
Das politische Engagement hat Lemke schon früh mitbekommen. Sein Vater war in Hildesheim Mitglied der CDU. Lemke selbst trat mit 16 Jahren zunächst der ÖDP bei. „Die Bewahrung der Schöpfung war mir immer wichtig“, sagt der Katholik. Dort aber wurde er nicht heimisch, trat wieder aus. Während seines Studiums der Politikwissenschaft und Geschichte, zunächst auch Jura, in Göttingen und später Jena, wurde er CDU-Mitglied. Das passte für ihn besser. „Ich habe schon eine gewisse christliche Motivation“, sagt Lemke. Bei einem Seminar des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), dem den Unionsparteien nahestehenden, christlich-konservativen Studentenverband, lernte Lemke seine spätere Ehefrau Stephanie kennen. Die Garchingerin studierte Theologie in München.
Die erste berufliche Station für Lemke war jedoch Berlin, wo er nach dem Studium im Adenauerhaus zunächst als Praktikant, später als Referent unter anderem im Bundestagswahlkampf 2002 für die CDU mitarbeitete. 2004 wechselte Lemke auf die Landesebene und wurde Referent für Bildung, Wissenschaft und Kunst sowie Sozialthemen für die CDU-Fraktion im hessischen Landtag. „Politische Abläufe sind mir also durchaus bekannt“, sagt der 51-Jährige.
2008 verlangte das Privatleben eine Entscheidung – wo sollte der dauerhafte Lebensmittelpunkt für ihn, mittlerweile seine Ehefrau Stephanie und die gemeinsamen Kinder liegen? Die Wahl fiel auf Garching. Lemke fand in der alten Heimat seiner Frau eine neue private, und bei der CSU eine neue politische Heimat. Ihre drei Töchter und ein Sohn sind inzwischen zwischen 17 und 23 Jahre alt.
Erste Amtshandlung ist das Maibaumaufstellen in Hochbrück
Als Bürgermeister will Lemke auf Kommunikation setzen. „Ich möchte für alle ein offenes Ohr haben“, sagt er. Das könnte auch bedeuten, dass er mal eine Bürgermeistersprechstunde samstags am Maibaum abhält. Mit allen Funktionsbereichen der Stadt hat er sich vorgenommen, in den nächsten Wochen und Monaten Kontakt aufzunehmen, von Kindergärten über die Verwaltung und den Bauhof bis zum Seniorenheim und den Vereinen. Daneben stehen auch die Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen der Nachbarkommunen auf seinem Aufgabenzettel.
Auch mit dem Stadtrat will Lemke eng zusammenarbeiten. Dabei setzt er auf den Rat seines Vorgängers. „Es wird nicht gleich alles umgestürzt werden, ich schaue mir das erstmal an“, versichert er. Ideen zur Verbesserung aber hat er, so will er etwa Projekte effizienter steuern und die Finanzplanung der Stadt auf den Prüfstand stellen. Sein Einstiegstermin als neuer Bürgermeister dürfte es Lemke leicht machen, sich an die Position ganz vorn zu gewöhnen: Am 1. Mai darf er als erste Amtshandlung den neuen Maibaum im Ortsteil Hochbrück mit aufstellen.


