bedeckt München 13°

Garching:Radler wieder auf dem Gehweg

Alte B 471 Garching (Umgehungsstraße)

Wer aktuell auf der B471 alt in Garching mit dem Auto Radfahrer überholt, kann den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Meter nicht einhalten.

(Foto: Florian Peljak)

Der Gehweg neben B 471 alt ist wieder für Radler frei, weil die Bundesstraße zu eng zum Überholen ist

Von Patrik Stäbler, Garching

Die Stadt Garching hat es zuletzt gleich zweimal ins Fernsehen geschafft, allein der Anlass war kein freudiger. Denn bei München-TV und in der BR-Sendung "Quer" ging es nicht etwa um den imposanten Forschungscampus der Universitätsstadt oder deren Fußballer in der vierten Liga, sondern um die Umgehungsstraße B 471 alt. Diese wurde kürzlich umgebaut, und mit dem Ergebnis sind viele Garchinger unzufrieden. Deshalb hat der Stadtrat jetzt eine Rolle rückwärts hingelegt und beschlossen, dass Radfahrer dort künftig wieder den Gehweg benutzen dürfen. Es sollen aber auch weitere Maßnahmen geprüft werden, um die B 471 alt sowie deren Kreuzung zur Münchener Straße sicherer zu gestalten.

Rückblick: Um den Verkehr auf der bis zu 13 Meter breiten Umgehungsstraße zu verlangsamen und sie attraktiver für Fußgänger und Radfahrer zu machen, hatte der Stadtrat vor einem Jahr den Umbau beschlossen. In die Mitte kam ein bepflanzter Streifen, links und rechts davon je eine 3,75 Meter breite Fahrbahn inklusive einer 1,25 Meter breiten Spur für Radfahrer, die dafür den Gehweg nicht mehr benutzen dürfen. Noch vor Ende der Bauarbeiten sei im April die Straßenverkehrsordnung geändert worden, sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Es brauche nun einen Abstand von 1,50 Metern, um Radfahrer zu überholen - wofür auf der neuen B 471 alt kein Platz ist.

Nachdem die umgestaltete Straße im Juli eröffnet worden war, habe man versucht, die Situation mit einem Tempo-30-Limit sowie Hinweisschildern auf das Fahrrad-Überholverbot zu regeln, sagte der Rathauschef. Doch das änderte wenig an der heftigen öffentlichen Kritik, nicht zuletzt in den sozialen Medien. "Schildbürgerstreich" sei noch einer der harmlosen Vorwürfe gewesen, so Gruchmann. Er verteidigte indes die "rechtskonforme Umsetzung", die auch mit Polizei, ADFC und Landratsamt abgesprochen sei. Würde man diese nun zurücknehmen, "dann belohnen wir Leute, die sich bewusst fehl verhalten", sagte der Bürgermeister mit Blick auf Autofahrer, die Radler trotz des Verbots überholen. Anders sah es das Gros der Stadträte. "Die Verkehrsführung, wie sie jetzt ist, ist eine Katastrophe", kritisierte Salvatore Disanto. Seine CSU beantragte, den Gehweg unverzüglich wieder für Radfahrer zu öffnen. In einem nächsten Schritt solle dann auf der Nordseite der Straße ein Radweg gebaut werden - und zwar auf dem Grünstreifen zwischen Gehweg und Fahrbahn. Als "hanebüchen" bezeichnete Daniela Rieth (Grüne) die aktuelle Situation. Sie erinnerte an den Unfall einer 47-Jährigen, die vor wenigen Tagen auf der Umgehungsstraße gestürzt war, als sie ein Autofahrer trotz des Verbots überholte. Derweil sagte Hans-Peter Adolf (Grüne) über den Stadtratsbeschluss vor einem Jahr: "Wenn man Fehler macht, ist das menschlich. Wenn man ihn nicht korrigiert, ist das zynisch. Und zynisch ist, dass wir hier Fahrradfahrer als Schutzschilder hernehmen, um eine Geschwindigkeitsbegrenzung bei Autofahrern zu erreichen." Seine Grünen schlugen eine erneuten Umbau der Straße vor, sodass ein Radweg im Norden und die Fahrstraße im Süden verläuft.

Florian Baierl von den Unabhängigen Garchingern warnte indes davor, vorschnell einen Umbau zu beschließen. Vielmehr solle man als kurzfristige Lösung den Gehweg wieder für Radfahrer freigeben - vor allem wegen der Schulkinder. Sie hätten Angst, wenn sie auf dem Fahrradstreifen unterwegs seien, sagte Albert Biersack (CSU). "Und wenn Kinder Angst haben, einen Schulweg auf dem Rad zu fahren, dann haben wir was falsch gemacht." Bis auf Joachim Krause (SPD) stimmten letztlich alle im Gremium dafür, auf dem Gehweg wieder das Schild "Radfahrer frei" anzubringen. Sollte der Stadtrat aber einen abermaligen Umbau beschließen, so Gruchmann, dann plädiere er für eine Variante, bei der die bisherigen Kosten von gut 300 000 Euro "nicht komplett in den Sand gesetzt sind".

© SZ vom 26.09.2020

Feldkirchen
:Knappe Mehrheit kippt Radweg

Gemeinderat verwirft Pläne des Bauausschusses für Verbindung zur Messestadt

Von Anna Maria Salmen

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite