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70 Jahre SPD Garching:Als die Partei aus Amons Schatten trat

SPD-Wimpel

Roter Wimpel, rotes Rathaus: Die SPD hat über Jahrzehnte in Garching mit prägenden Figuren die Politik bestimmt.

(Foto: dpa)

Eine Ausstellung zeichnet die 70-jährige Geschichte der Garchinger Sozialdemokraten nach. Bevor sie selbst zur prägenden Kraft wurden, unterstützten sie den einstigen nationalsozialistischen Ortsbauernführer als Bürgermeister.

Die Anfänge waren eher bescheiden. Gerade mal sieben Leute setzten sich 1946 zusammen, um einen SPD-Ortsverein in Garching zu gründen. Heute stellt die SPD den Bürgermeister, und das nicht zum ersten Mal.

Helmut Karl etwa war eine der prägenden Figuren der Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre in der Geschichte Garchings. So trägt die Ausstellung zum Thema 70 Jahre SPD-Geschichte in Garching zu Recht den Titel: "Vom roten Verein zur gestaltenden Kraft".

Konzipiert hat die Ausstellung die heutige Ortsvereinsvorsitzende Ulrike Haerendel in Zusammenarbeit mit Sara Hoffmann-Cumani (Gestaltung). Unterstützt wurden sie unter anderem vom Ortschronisten Michael Müller, von Götz Braun und Herbert Becke. Auf sechs Plakaten zeigt die Ausstellung, wie sich der Ortsverein von den sieben wackeren Mannen bis zum heutigen Tag entwickelt hat und welchen Einfluss die Partei auf die Entwicklung der Universitätsstadt hatte. Das fängt damit an, dass die SPD aus "nicht mehr nachvollziehbaren Gründen" den ehemaligen nationalsozialistischen Ortsbauernführer Josef Amon als Bürgermeister unterstützt hat, wie es in der Ausstellung heißt. Amon, der als Parteifreier antrat, sei "von den Sozis an die Macht gebracht worden, insofern haben sie schon etwas mitzureden gehabt", berichtet Haerendel.

Das politische Talent Helmut Karl

Auch das "politische Talent" Helmut Karl arbeitete als Geschäftsleiter der Verwaltung eng mit Bürgermeister Amon zusammen. "Er ist in Amons Schatten groß geworden", sagt Haerendel. Und Amon habe Karl auch ermutigt, seine Karriere mit der SPD zu machen. In die Amtszeit Karls, Bürgermeister von 1972 bis 2002, fallen so wichtige Veränderungen wie der Bau des Ortszentrums samt Bürgerhaus. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Haerendel. Das Bürgerhaus habe sich zum "Herz des Ortes" entwickelt.

Ihrer Zeit voraus war die SPD in der Schulpolitik. Sie nahm in den Siebzigerjahren Hessen mit seiner Ganztagsschule als Vorbild für das Werner-Heisenberg-Gymnasium. "Aber es hat nicht die richtige Unterstützung bekommen", erzählt Haerendel. Der Freistaat stellte nicht genügend Geld und Personal zur Verfügung. Haerendel, damals selbst Schülerin am WHG, erinnert sich noch an die Wissenschaftler aus den Instituten, die dort unterrichtet hätten, weil Lehrer fehlten. Aber auch die Eltern hatten Vorbehalte. "Da hat sich der Geist doch sehr gewandelt", stellt sie fest.

Die Entwicklung zur Universitätsstadt

Die kleine Ausstellung nimmt einen mit auf eine Zeitreise. Der Betrachter erfährt etwas vom Widerstand gegen den Bundeswehr-Schießplatz in der Nähe des Garchinger Sees und über die Entwicklung hin zur Universitätsstadt mit U-Bahn-Anschluss. Er erfährt etwas über die Personen im Ortsverein, Besuch von Prominenten wie Willy Brandt, Otto Schily oder Franz Maget und auch über heutige Ziele, überschrieben mit "Wachstum und Bewahrung der Lebensqualität". Mehr Wohnraum schaffen ist so ein Stichwort. Die Entwicklung der Kommunikationszone, in der ein neuer Stadtteil entstehen soll, kommt da gerade recht.

Die Ausstellung "70 Jahre SPD-Geschichte in Garching" wird am Freitag, 2. Dezember, um 18 Uhr im Franz-Marc-Zimmer des Bürgerhauses eröffnet. Zu sehen ist sie noch am Samstag und Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr, und am Montag und Dienstag jeweils von 17 bis 20 Uhr.