Advent für Anfänger:Der Himmel der Astronomin

Advent für Anfänger: Julia Bodensteiner arbeitet bei der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching.

Julia Bodensteiner arbeitet bei der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching.

(Foto: Robert Haas)

Julia Bodensteiner ist seit ihrer Kindheit fasziniert von Sternen - und das nicht nur in der Weihnachtszeit.

Von Anna-Maria Salmen, Garching

Für ihre Doktorarbeit hat Julia Bodensteiner vor einigen Jahren ganz alleine zehn Tage auf einem Berg auf der Kanaren-Insel La Palma verbracht. In der abgeschiedenen Sternwarte war es völlig ruhig, um die Astronomin herum versank eine atemberaubende Berglandschaft in der Dunkelheit. Über ihr erstreckte sich ein Sternenhimmel, von dem man rund um München nur träumen kann.

Zu sehr ist der Himmel nahe der Stadt getrübt vom Licht, das die vielen Häuser und Straßenlaternen nachts ausstrahlen. Sterne sieht man hier in der Adventszeit vor allem als Straßenbeleuchtung und an Christbäumen. Die Tradition, zu Weihnachten leuchtende Sterne aufzuhängen, entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Damit wollten die Menschen an den Stern von Bethlehem erinnern, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Jesu geführt haben soll.

Bodensteiner sieht die Sterne mit anderen Augen. Die Faszination packte die heute 30-Jährige bereits, als sie als junges Mädchen mit ihrer Familie immer wieder beim Zelten in den Sternenhimmel blickte. Aus der kindlichen Begeisterung ist eine wissenschaftliche Leidenschaft geworden: Bodensteiner studierte Physik an der TU München, spezialisierte sich auf Astronomie und arbeitet heute bei der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching.

Dass Sterne eine solche Faszination auf Menschen ausüben, hat für Bodensteiner viele Gründe. Ein Sternenhimmel sei natürlich schön anzuschauen, gleichzeitig seien die Gestirne schon immer ein Mysterium gewesen, geheimnisvolle Objekte, die man sich früher kaum erklären konnte. In alten Zeiten entwickelte man daher Vorstellungen, die heute kurios erscheinen: In der Antike etwa glaubte man, die Milchstraße sei entstanden, weil die griechische Göttin Hera beim Stillen ihre Muttermilch über den Himmel verspritzt habe.

Heute weiß man es besser: "Ein Stern ist ein großer Ball aus Gas", erläutert Bodensteiner. Das Leuchten entstehe durch die hohen Temperaturen, die bei einer Kernfusion im Inneren entstehen. Auch wenn die Forschung immer mehr Klarheit in den Nachthimmel bringt, blieben doch stets offene Fragen übrig, sagt die Astronomin. "Wenn man eine beantwortet, kommen fünf neue dazu."

Faszinierend sind für Bodensteiner auch die Dimensionen, mit denen sie als Astronomin täglich zu tun hat. Alleine in der Milchstraße gibt es mehrere Milliarden Sterne. Sie sind so weit entfernt, dass ihr Funkeln Tausende Jahre brauchen kann, bis es bei uns am Nachthimmel zu sehen ist. Der Stern, der der Erde am nächsten ist - nach der Sonne, denn die ist astronomisch betrachtet ebenfalls einer - heißt Proxima Centauri und ist gut vier Lichtjahre weit weg. "Alles, was wir heute an Licht von diesem Stern bekommen, wurde dementsprechend vor vier Jahren ausgesendet", sagt Bodensteiner.

Astronomen schauen also immer in die Vergangenheit, und zwar oft weiter, als es Historiker tun: Sterne können Millionen Jahre existieren. "Da merkt man immer wieder, wie klein man eigentlich ist."

In dieser Kolumne erklären bis zum Heiligabend täglich Profis Bräuche und Traditionen der Advents- und Weihnachtszeit.

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