Gandl Schlemmen im Feinkostladen

Bei schönem Wetter kann man daher prima vor dem Restaurant Gandl sitzen.

(Foto: Verena Schälter)

Das Umfeld im Lehel ist exklusiv, die Speisen lecker - und dennoch ist das Menü im Gandl nicht überteuert. Erst beim Wein hört die Zurückhaltung auf.

Von Tobias Dorfer

Was hat man schon Spaziergänge durch das Lehel gemacht. Immer wieder kommt man an diesem Restaurant am St.-Anna-Platz vorbei, nie geht man hinein. Ein typisches Vorbeilauf-Lokal. Bis jetzt. Okay, das Restaurant ist eines der Schickeren. Ein Lokal, an das ein Feinkostladen angegliedert ist, in dem teure Weine, exquisite Schokolade oder französischer Käse verkauft werden.

Feinkost und dann auch noch im Münchner Nobelstadtteil Lehel - das klingt alles ziemlich schick. Und teuer. Doch dann schauen wir auf die Speisekarte und sehen, dass ein Fünf-Gänge-Menü zum gar nicht überteuerten Preis von 43 Euro angeboten wird. Exquisiter ist da schon die Weinkarte. Mit einer Ausnahme beginnen die Preise bei knapp 30 Euro pro Flasche - für die mit "Rarität" gekennzeichneten Tropfen darf man auch gerne etwas mehr hinlegen. Ein Tignanello aus der Toskana (Jahrgang 2001) kostet pro Flasche 189 Euro - dafür genießt man dann 93 von 100 Parker-Punkten.

Nudeln aus dem Käselaib

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Bei so viel Weinauswahl brauchen wir Hilfe. Die Kellnerin findet sich in der Karte gut zurecht und macht ein Vorschläge. Schließlich entscheiden uns für einen Weißburgunder im Glas (6,50 Euro) und eine Flasche San Pellegrino, für die ebenfalls 6,50 Euro berechnet wird.

Es ist ein Abend mitten in der Woche, und das Lokal ist überraschend leer. Pärchen sitzen da, zwei Geschäftsleute teilen sich einen Tisch, eine schick gekleidete Frau sieht einen Karton mit kleinen italienischen Süßigkeiten und schaut entzückt. Der Raum ist gemütlich eingerichtet, an den Wänden sind Delikatessen aufgereiht. Im Gandl-Restaurant bekommt man das Ambiente eines gehobenen Feinkostladens gleich mitgeliefert.

Das einzige Manko an dem Platz, den wir allerdings selbst ausgewählt haben: Er ist zu nahe an der Eingangstür. Immer wenn Raucher hinausgehen oder neue Gäste hineinkommen, zieht ein eisiger Wind ins Lokal hinein. Da hilft auch der aufgestellte Heizstrahler recht wenig.

Dann doch lieber aufs Essen konzentrieren. Bis zum ersten Gang dauert es ein wenig, aber glücklicherweise hat die Kellnerin schon dreierlei Brotsorten und Butter auf den Tisch gestellt - und wird dies im Laufe des Abends auch weiterhin unaufgefordert tun. Wir starten mit zwei herrlich gebratenen Rehfiletspitzen, die an einem Pürée aus Petersilienwurzeln angerichtet sind. Verfeinert wird das Ganze mit karamellisierten Walnüssen. Raffiniert.