Fußball-Erfindung aus Oberhaching Der Sprinter mit der Eisbox

Willi Schneider experimentierte erst mit Thermosflaschen, bevor ihm die Idee mit der Box kam.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Wenn sich Fußballer vor Schmerzen auf dem Rasen krümmen, kommt weltweit eine Erfindung von Willi Schneider aus Deisenhofen zum Einsatz.

Von Andreas Sommer, Oberhaching

Eine kleine Kiste, meist rot und weiß, ist aus dem Sport kaum noch wegzudenken. Gerade im Fußball kennt man die Szenen: Während sich Spieler vor Schmerzen auf dem Boden krümmen, kommen Physiotherapeuten und Teamärzte mit der Eisbox im Arm auf den Platz gestürmt. Erfunden hat sie Willi Schneider, der in Oberhaching wohnt und nicht nur beim FC Deisenhofen Physiotherapeut war. Er massierte auch die Spieler des TSV 1860 und des FC Bayern München. In den Sechziger- und Siebzigerjahren arbeitete er dort mit Sportlern wie Franz Beckenbauer, Paul Breitner oder auch Hans-Georg Schwarzenbeck zusammen.

Die Eisbox gab es in diesen Tagen allerdings noch nicht. Schneider stand zum Zeitpunkt ihrer Erfindung Anfang der Achtzigerjahre im Dienst von Deisenhofen, als er einen Nachwuchslehrgang des DFB betreuen sollte. Schon lange fragte sich Schneider, der auf der Sebastian-Kneipp-Schule bereits Erfahrungen mit Kältebehandlungen gesammelt hatte, wie man es schaffen könnte, Verletzungen auf dem Sportplatz schnell zu kühlen.

Die zündende Idee kam dann, als er zwei Thermosflaschen bei sich im Keller sah. Er stellte sie auf den Tisch und sagte - so schildert er die Szene - zu den Flaschen: "Wenn ihr den Tee im Winter warm halten könnt, dann müsst ihr doch auch im Sommer das Eis kalt halten!" Also füllte er die Behälter mit Eiswürfeln und ließ sie einige Stunden stehen. Als er sie öffnete, war kein Tropfen flüssiges Wasser darin. Schneider wusste, damit könne er jetzt auf dem Fußballplatz die Schmerzen der Spieler behandeln. Mit dem Eis sei außerdem eine Diagnose leichter zu erstellen, weil die Verletzung nicht so sehr anschwillt.

Bei einem Lehrgang der 14 bis 16 Jahre alten Nachwuchstalente im Grünwalder Stadion, der Heimstätte der Sechzger, kam seine Idee erstmals zum Einsatz. Immer wenn sich einer der Jugendlichen eine Blessur zuzog, nahm Schneider aus der Flasche Eiswürfel und kühlte die betroffenen Stellen. Dietrich Weise, der den Lehrgang zusammen mit Karl-Heinz Heddergott leitete, wurde auf die eigentümliche Behandlung aufmerksam und fragte Schneider, was es damit auf sich habe. Heddergott, der dazukam meinte: "Nicht einmal beim DFB haben wir so etwas!"

Box ersetzt Thermosflasche

Zurück in Deisenhofen nutzte Schneider die neuartige Methode mit Erfolg weiter, allerdings waren die Thermosflaschen nicht besonders stabil. Von einem Freund bei einer Arzneimittelfirma ließ er sich deshalb eine Kühlbox aus Kunststoff bauen.

Andere Vereine waren bald an der Erfindung interessiert und Willi Schneider erklärte sowohl seinen Kollegen im Sport als auch beim Verband der Kneipp-Bademeister die Funktion der unscheinbaren Kiste. Schnell ersetzte diese dann auch bei anderen Clubs das bis dahin übliche Eis-Spray, das nicht nur unangenehm war, sondern sogar gefährlich werden konnte. Sprühte man zu lange auf einen Punkt, waren Erfrierungen der Haut häufig die Folge. Ganz zufrieden war Willi Schneider allerdings noch nicht.

Auch die Eiswürfel waren schlicht zu kalt, um sie lange auf eine lädierte Hautstelle legen zu können. So nahm er bald zwei Kühlboxen mit auf den Fußballplatz. Eine mit Eiswürfeln, die andere mit kaltem Wasser. Damit konnte er länger kühlen, ohne dass es schmerzhaft für den Betroffenen wurde.

Es dauerte nicht lange, da etablierte sich die Eisbox in allen Vereinen der Bundesliga und auch international. Bis heute ist die kleine Kiste fast bei jedem Fußballspiel in Gebrauch, aber selbstverständlich ebenso bei anderen Sportarten. Und Willi Schneider aus Oberhaching freut sich immer wieder, wenn er sieht, dass mit seiner Erfindung den verletzten Spielern geholfen werden kann.