Fußball-EM:Kampfsau für den Klimaschutz

Fußball-EM: Christian Ellerhold organisiert schon seit Jahren Tippspiele und hat die Initiative Klimaneutral 2035 gegründet. Jetzt bringt er beides zusammen.

Christian Ellerhold organisiert schon seit Jahren Tippspiele und hat die Initiative Klimaneutral 2035 gegründet. Jetzt bringt er beides zusammen.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Der Neubiberger Christian Ellerhold verbindet in einem Tippspiel Spaß am Fußball mit einem ernsten Anliegen

Von DAniela Bode, Neubiberg

Christian Ellerhold aus Neubiberg ist engagierter Klimaschützer. Er ist aber auch ein großer Fußballfan. Die beiden Interessen hat er dieses Jahr zusammengebracht: Im Rahmen eines selbst erstellten Tippspiels zur Europameisterschaft, die am Freitag beginnt, hat er auch eine Tipprunde "Klimaneutral 2035" eingerichtet. So heißt die Klimaschutz-Initiative, die er vor kurzem gegründet hat und deren Ziel es ist, dass Neubiberg 2035 klimaneutral ist. "Wir dachten uns, es muss ja nicht immer trockener Klimaschutz sein, man kann ruhig auch mal Spaß haben", sagt der 39-Jährige. Anmelden kann man sich unter www.klimaneutral2035.de noch bis 12. Juni.

Schon seit etwa zehn Jahren organisieren Ellerhold, der beim Chiphersteller Infineon im Bereich Cybersecurity arbeitet, und ein Freund Tippspiele zu Europa- und zu Weltmeisterschaften im privaten Rahmen und für Gruppen in der Arbeit. Zunächst verwaltete der Freund das Tippspiel über Excel, irgendwann programmierte Ellerhold, der früher als Softwareentwickler tätig war, es als Online-Version. Das Tipp-Spiel hält einige Besonderheiten bereit, "um mehr Spielspaß zu garantieren", wie Ellerhold sagt. Eine davon ist die sogenannte Kampfsaurangliste, eine Idee des Freundes. "Die, die nach der Vorrunde hoffnungslos abgeschlagen sind, können noch in der Kampfsauwertung gewinnen, indem sie möglichst viele Plätze bis zum Finale gut machen", sagt er. Das motiviere die Teilnehmer und verhindere, dass sie nach der Vorrunde aufhörten. Garniert wird das Ganze mit einem eigenen Logo - eine kämpferisch aussehende, gezeichnete Sau. Die Wertung hat dem Spiel seinen Namen gegeben: Kampfsautipper. Ein weiterer Gag des Spiels: Bei der Anmeldung kann man neben Englisch oder Französisch auch Dialekte wie "Boarisch" oder "Fränggisch" wählen. Von da an erfolgen alle Anweisungen in der gewählten Sprachfärbung: Dann heißt es etwa nicht "Zur Anmeldung", sondern "Zum Omeld'n". Auch diese Besonderheit kommt laut Ellerhold bei den Teilnehmern gut an. In einer Art Chat-Raum namens "Saustall" wird Ellerhold als Spielgruppenleiter die Tipps der Klimaneutral 2035-Tipprunde und die Spiele mit launigen Beiträgen kommentieren.

Apropos Teilnehmer: Bisher war das Interesse an den Tippspielen von Ellerhold und seinem Freund offensichtlich groß. 500 Personen hätten bei der Weltmeisterschaft 2018 mitgemacht, sagt der Neubiberger. Wie es dieses Jahr aussieht, wird sich zeigen. "Mitmachen kann jeder, ob Laie oder Experte", sagt Ellerhold. Auch um Erfolg zu haben, braucht man offensichtlich kein erfahrener Tippspieler zu sein. "Bei der WM spielte ein Vierjähriger mit", erzählt der Neubiberger. "Er tippte einfach immer 2:1 und setzte auf die Flagge, die ihm am besten gefiel", sagt er. Und gewann am Ende. Ebenso nehme immer wieder ein Zufallstipper teil. "Er lag regelmäßig unter den Top 10", sagt Ellerhold.

Mit Klimaschutz direkt hat freilich die Teilnahme an der Klimaneutral-Tipprunde nicht viel zu tun. Doch die Aufmerksamkeit ist so auf das Thema gelenkt. Zudem hat Ellerhold passende Sponsoren gefunden, die ein paar nachhaltige Preise zur Verfügung stellen. Denn Einsätze müssen die Teilnehmer nicht zahlen. So stellen beispielsweise ein Unverpackt-Laden und ein Fahrradgeschäft aus Neubiberg Gutscheine zur Verfügung. Außerdem kann man eine Energieberatung gewinnen. Teilnehmen kann zwar grundsätzlich jeder, die Preise erhalten allerdings nur Teilnehmer aus Neubiberg und Umgebung, die diese auch abholen können. Zudem kann man laut Ellerhold nur in einer Rangfolge gewinnen, also entweder in der Kampfsauwertung oder in der Hauptwertung. "Es sollen sich ja mehrere über einen Gewinn freuen können", sagt er.

Wem er selbst bei dieser EM die Favoritenrolle zuspricht? "Ich halte schon der deutschen Mannschaft die Daumen", sagt er. Doch das Schöne sei ja an einem Tippspiel: Dass man auch bei anderen Mannschaften mitfiebere, weil man ja getippt habe.

© SZ vom 10.06.2021
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