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Friseur-Salon Bash-Club:Styling-Tipps für die Kumpels

So war das auch beim Wild Edi in Ramerdorf vor 32 Jahren. Ralph Kästle war damals acht Jahre alt - und der Friseur Wild bot ihm einen Whiskey und eine Zigarre an. "Der hat mir in den jungen Jahren das Gefühl vermittelt, ein Stück weit erwachsen zu sein. Auch wenn er mir beides natürlich dann doch nicht gegeben hat." Er war beeindruckt, von Mann und Beruf. Das erste, was er dann frisierte, war sein Mofa, "um schneller zu den Mädels zu kommen".

Später, als er den Wehrdienst verweigert hatte, weil er sich seine lange Surfer-Mähne nicht abschneiden wollte, war seine Frisur mit das wichtigste in seinem Leben. Kästle gab den Kumpels Stylingtipps und beschloss mit 17, Friseur zu werden. Er lernte in einem damals in München sehr angesagten Laden, dem von Neil Aubrey. Hier hatte er als erste Kundin Gianna Nannini auf dem Stuhl. "Die hat mich gefragt: ,Bist du schwul?', und ich sage: Nein, ich bin der einzige Hetero hier im Laden." Die Frage habe ihn so genervt, dass er der Sängerin anschließend deutlich fester als nötig die Haare gewaschen hat. Sein nächster Kunde war Michael Käfer, sie blieben in Kontakt. Terence Trent D'Arby, Prince oder Janet Jackson waren zu Gast, "die kannte Aubrey alle aus London, wo er vorher gearbeitet hat".

Kästle lernte, während die Kollegen Udo Walz und Gerhard Meir seinen Beruf in Deutschland langsam gesellschaftsfähig machten. Robert Weinzierl, schmale Figur und Frisur, ist mit seinem Kunden fertig und setzt sich zu Kästle in die marokkanischen Kissen - weiche Polster, seichte Musik. "Und, Bertl?", fragt Kästle, und Bertl pfeift. Es ist eine Kostprobe der Zweimann-Show, bei der sich die beiden gegenseitig ansticheln.

Die beiden nennen es: sich "batteln" - ob auf der Computer-Konsole X-Box, bei der Zahl der Tattoos oder mit Sprüchen. Am besten geht das natürlich beim Thema Fußball. Kästle ist ein Blauer, Weinzierl ein Roter. Als Weinzierl einmal im Urlaub war vor einem Bayernspiel, hat Kästle den Roten die Haare geschnitten. "Er hat ihnen allen die Löffel so leicht ausgeschnitten." Und zwar so dezent, dass es nur einer gemerkt hat: Robert, der perplex vor dem Fernseher saß und seinen Partner wütend anrief.

Bis sie so weit waren wie heute, mit berühmten Kunden, die sich auf 600 Quadratmetern entspannen und frisieren lassen, dauerte es 15 Jahre. Die beiden fingen mit 23 Quadratmetern an, fast ohne Kunden. Ralph sah Robert - der hatte sich 1995 gerade selbständig gemacht - in dessen winzigen Salon, wie der mit einer Zigarette im Mund einem Kunden die Haare schnitt. "Da wusste ich, mit dem will ich zusammenarbeiten."

Die beiden wurden ein Team und gingen abends ins "Barfly", zur Akquise. Dort stellten sie sich in den Vorraum der Damentoilette und gaben den Frauen auf dem Weg zum Klo einen Spruch mit - haben sie darauf reagiert, wurden sie in den Salon eingeladen. Es funktionierte. Ralph war dank Michael Käfer zudem Stammgast im P1, und irgendwann fand auch der erste Fußballer zu den beiden. Es war der Amateurspieler Frank Gerster. Der zweite war Lothar Matthäus, dann kamen alle. Auch Dieter Bohlen - zwar kein Fußballer, aber durchaus ein Mann mit Kicker-Frisur.

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