Freizeit:Magnet für die Bikerszene

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Dirtline Parcours in München, 2012

Es gibt große Anlagen, die Dirtbikern einiges abverlangen, so etwa an der Goteboldstraße in Allach.

(Foto: Stephan Rumpf)

In Gräfelfing entsteht für 400 000 Euro ein Dirtpark mit Rampen und Schanzen

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Die Gemeinde Gräfelfing könnte bald zum Magnet für Mountainbike-Sportler werden. Die Gemeinde plant, auf einem rund 3750 Quadratmeter großen Areal am Rande des Gewerbegebiets im Lochhamer Schlag einen Dirtpark anzulegen. Der Fahrrad-Parcours mit Rampen, Schanzen, Hügeln und Hindernissen soll ein Übungsplatz für Fahrradakrobaten aller Altersgruppen werden. Die Gemeinde lässt sich das Sportgelände rund 400 000 Euro kosten. Der Preis ließ einige Gemeinderäte schlucken. Dennoch beauftragte der Ausschuss für soziale Angelegenheiten, Schul-, Kultur- und Sportfragen kürzlich die Feinplanung.

Ursprünglich ging es bei der Idee, einen Dirtpark zu schaffen, um die Nutzung von ein paar Erdhügeln - zusammengetragene Überbleibsel diverser umliegender Baustellen - auf einem Grundstück hinter der Firma Philipp Morris im Lochhamer Schlag. Den Antrag dafür hatten die Grünen/Unabhängige Liste gestellt. Jetzt ist eine professionelle Sportanlage geplant mit drei Fahrlinien verschiedener Schwierigkeitsgrade, mit Rampen und Absprüngen und einer sogenannten Tableline, auf der kleinere Hügel zu überfahren sind, um Fahrtechnik zu trainieren. Außerdem ist ein 100 Meter langer Pumptrack vorgesehen, ein Rundkurs, auf dem Anfänger üben können. Die geplante Anlage ist für alles geeignet, "was zwei Räder hat", sagte Specht. Kleinkinder könnten mit einem Laufrad bereits über die Hügel fahren, Geübtere über die Hügel springen.

Hervorgegangen ist die Streckenführung und die Hindernis-Ausstattung aus einem Workshop mit Jugendlichen, an dem das Fachbüro Radquartier teilnahm, das jetzt die Planung vorlegte und den Parcours auch bauen wird. Radquartier-Geschäftsführer Robin Specht erläuterte in der Sitzung den großen Vorteil einer professionellen Anlage: Sie ist TÜV-zertifiziert, lässt eine Nutzung für Altersgruppen von drei bis 83 Jahren zu und entspricht dem Sicherheitsstandard eines Kleinkinderspielplatzes. Thomas Heidenreich (CSU) trieb vor allem die Haftungsfrage um, er hegte Zweifel, ob auf die Gemeinde nicht doch Forderungen bei Unfällen zukommen könnten. Natürlich könnten Unfälle geschehen, sagte Specht, aber die seien dann auf das Fahrkönnen zurückzuführen, nicht auf die Konstruktion der Anlage. Das versichere das TÜV-Siegel, damit sei die Gemeinde von einer Haftung befreit. Haftungsrechtlich sei es riskanter, eine Bikenanlage im Wald zu dulden.

Die vorhandenen Erdhügel sollen für den Bau verwendet werden. Sie werden mit Schichten von Schotter verdichtet und damit stabil. Insgesamt werden 3400 Tonnen Material verbaut. Angesichts der Kosten schreie er nicht "Hurra", meinte Günter Roll (Bürgerverein Gräfelfing-Lochham/BVGL), dennoch stehe er dem Projekt nicht negativ gegenüber. Auf die Frage von Bürgermeister Peter Köstler (CSU) - "Gibt es das auch ein bisschen kleiner?" - hatte Specht eine klare Antwort: Die Größe der Gräfelfinger Anlage sei bereits am unteren Ende der Skala des Möglichen angesiedelt. Die Größe der Biker-Community sei nicht zu unterschätzen. Specht zeigte Bilder von Dirtparks, unter anderem in Aschheim, die am Wochenende Hunderte von Fahrern und Zuschauern anziehen. Auch eine Errichtung der Anlage in Bauabschnitten sei nicht zu empfehlen, wie Martin Feldner (Grüne/Unabhängige Liste) vorschlug. "Es muss ein Gesamtbild geben für die Akzeptanz der Anlage", meinte Specht.

Die Anlage wird als wartungsarm beschrieben und kann bei Bedarf an einen anderen Standort verlegt werden - zumindest die Rampen, die Erdhügel müssten neu kreiert werden. Für kleinere Pflegemaßnahmen sind die Nutzer zuständig, sagte Specht. Da die Jugendlichen in die Planung einbezogen seien, fühlten sie sich verantwortlich für die Anlage, sei seine Erfahrung. Köstler machte seine Haltung zu dem Projekt deutlich: "Ich stehe dem positiv gegenüber, wir wollen gerne in die Richtung weitergehen." Das Gremium schloss sich an.

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