Forschungszentrum :Garchinger Erhellung

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Das neue Forschungsgebäude des Max-Planck-Instituts für Physik in Garching wartet mit einem fast schwebend anmutenden Treppenhaus auf. Womöglich bringt es auch manch Gedanken zum Schweben. (Foto: Catherina Hess)

Das Max-Planck-Institut für Physik ist nach 65 Jahren aus München in den Campus am Stadtrand umgezogen. Zur Einweihungsfeier kommen neben Ministerpräsident Markus Söder auch der Physik-Nobelpreisträger David Gross und Fabiola Gianotti, die Generaldirektorin des Cern.

Von Udo Watter, Garching

Lichtdurchflutete Gänge und ein transparentes Raumgefühl sind gute Voraussetzungen, um auch den Geist zu erhellen. Ob in den Seminarräumen, Teeküchen, Sitzecken, auf der schönen Dachterrasse oder im Café „Heisenberg“ – das neue Forschungsgebäude des Max-Planck-Instituts für Physik (MPP) am Garchinger Campus entfaltet eine architektonisch großzügige Offenheit, die viel Platz für informelle Treffen bietet und zum gemeinsamen Denken einlädt.

Gedacht wurde schon viel und folgenreich in der Geschichte des 1917 gegründeten Instituts, dessen erster Direktor Albert Einstein war und dessen Leitung von 1942 bis 1970 Werner Heisenberg innehatte. Planck, Einstein, Heisenberg: große Namen, und dazu kommen noch viele andere Mitarbeiter im Dunstkreis der Max-Planck-Institute, die in der Welt der Physik, aber auch darüber hinaus, Bedeutendes hinterlassen haben – bis heute.

„Es ist auch ein Stück spannende Menschheitsgeschichte“, sagte Patrick Cramer, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), bei der großen Einweihungsfeier am Donnerstag. Zu der waren neben ihm weitere Ehrengäste wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume (beide CSU) erschienen, aber auch angesehene Wissenschaftler wie der US-Physik-Nobelpreisträger David Gross und Fabiola Gianotti, die Generaldirektorin des europäischen Kernforschungszentrums Cern bei Genf.

„Es kommt zusammen, was zusammen gehört“, sagte Cramer mit Blick auf den neuen Standort in Garching, wo man jetzt in Nachbarschaft von weiteren Max-Planck-Instituten wie dem für Plasma-Physik oder Extraterrestrische Physik umgeben ist – und natürlich Einrichtungen der TU und der LMU. „Für uns ist das ein großer Tag“, sagte Dieter Lüst, geschäftsführender Direktor des MPP. Er betonte, wie gut es sich anfühle, hier zu forschen und zu arbeiten, lobte das „hervorragende Gebäude“ und die „super modernen Labors“.

Auf der Suche nach Dunkler Materie

In der Tat ist neben dem Bürotrakt ein wesentlicher Teil des vom Münchner Architekturbüro Brechensbauer, Weinhart und Partner entworfenen Forschungsgebäudes der Labortrakt: Hier leisten die Mitarbeiter etwa Erhellendes auf der Suche nach der Dunklen Materie oder erforschen Methoden, um Teilchen auf hohe Energien zu beschleunigen. Weiter gibt es in der hinteren Gebäudehälfte einen Werkstattbereich mit Montageraum und Lagerräumen.

Eines der neuen Labore im Erdgeschoss des Max-Planck-Instituts für Physik. (Foto: Catherina Hess)

Der Umzug des MPP, das nach Berlin (damals noch Teil der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft), Göttingen und München (von 1958 an) nun in Garching seine neue Heimat hat, war auch deshalb vollzogen worden, weil das alte, am Föhringer Ring gelegene und von Sep Ruf erbaute Gebäude nicht mehr den heute üblichen Standards für ein experimentell arbeitendes Forschungsinstitut entsprach. Und wegen des Denkmalschutzes wären Umbauten nur schwer möglich gewesen.

Begonnen hatten die Bauarbeiten am Campus im Jahr 2018, umgezogen ist man bereits im vergangenen Herbst. Bauherrin des Projekts ist die Max-Planck-Gesellschaft, finanziert wurde der Neubau von der Wissenschaftskonferenz (verantwortet von Bund und Ländern). Die Kosten dafür beliefen sich auf 72,8 Millionen Euro.

Schlüssel zu Wissen und Erkenntnis: Dieter Lüst, der Geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik, freut sich über die neue Heimat in Garching. (Foto: Catherina Hess)

Dieter Lüst betonte die durch die neue Umgebung forcierten „Synergien in der Forschung“ und sprach von erhofften Effekten bei vielen Forschungsprojekten, etwa am Cern, bei der „Erforschung von Schwarzen Löchern, auf dem Gebiet der Laserphysik oder der Entwicklung von neuen Beschleunigern durch hochenergetische Plasmafelder“. Markus Söder war die Freude über das neue, auch optisch ansprechende Schmuckstück am Garchinger Campus anzumerken. Der Ministerpräsident, bekennender Science-Fiction-Fan („Ich habe schon hundert Lichtschwerter geschenkt bekommen“) hielt eine launige Rede, in der er nicht nur die „Dunkle Materie“ mit der ihm als Politiker nicht ganz unvertrauten „dunklen Seite der Macht“ augenzwinkernd kombinierte, sondern ließ auch durchblicken, wie sehr er die Forschungsarbeit der Max-Planck-Institute schätze: „Das alles soll unsere Welt erklären und besser machen. Die Max-Planck-Gesellschaft gehört zu den weltweit besten Institutionen für Grundlagenforschung.“

Bald wird es München bei Garching heißen

Söder betonte auch die „tief demokratische Bedeutung“ von freier Wissenschaft. „Freiheit ist die Grundlage für Grundlagenforschung.“ Nach viel Lob für die MPG („das Edelste, was es gibt in der Wissenschaft“), gab’s dann auch Eigenlob: „Wir in Bayern glauben fest an die Zukunft: Mit der Hightech Agenda investieren wir allein 5,5 Milliarden Euro in Wissenschaft und Technik. Das ist das größte Forschungsprogramm Deutschlands und lockt Wissenschaftler aus der ganzen Welt an.“

Markus Blume hielt sich ebenfalls nicht mit Komplimenten zurück, sprach von der MPG als „Nobelpreisträgerschmiede“ und davon, dass es hier auch eine „Feierstunde für den Fortschritt“ sei. Er zitierte Max Planck selbst: „Dem Anwenden muss Erkennen vorausgehen“. Und verwies auf Laser, moderne Navigation oder Quanten-Computer, deren Praxistauglichkeit auf theoretische Forschungsarbeit zurückgehe. Zudem dürfte Blume den ebenfalls anwesenden Garchinger Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) mit der Prophezeiung erfreut haben, bald werde es – mit Blick auf den neuerlichen Zuzug einer wichtigen Forschungsinstitution – nicht mehr Garching bei München, sondern München bei Garching heißen.

Prominenz aus der Wissenschaft: die Generaldirektorin des Cern, Fabiola Gianotti, und Physik-Nobelpreisträger David Gross von der UC Santa Barbara. (Foto: Catherina Hess)

Fabiola Gianotti und David Gross gaben anschließend noch Einblicke in die Forschungsarbeit am Cern (inklusive des Anteils des MPP) einerseits sowie in die Zukunft der (Astro-)Teilchenphysik und der Kosmologie andererseits. Fundamentale Fragen wurden da angeschnitten, um Ursprung und Ende des Universums ging es, die Tatsache, dass aus physikalischer Sicht ein Vakuum nicht leer sei. Der 83-jährige Gross zitierte das für das MPP so passende Bonmot: „Investigate the smallest to explore the largest.“ (Untersuche das Kleinste, um das Größte zu erforschen.) – kommentiert mit leuchtenden Augen: „Was für ein schöner Satz.“ Den die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen künftig am MPP in Garching beherzigen werden.

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