Flüchtlinge:Umzug aus Afghanistan

Flüchtlinge: Dass die Flüchtlingsunterkunft in Unterhaching erweitert werden soll, korrespondiert nicht mit den ursprünglichen Planungen der Gemeinde.

Dass die Flüchtlingsunterkunft in Unterhaching erweitert werden soll, korrespondiert nicht mit den ursprünglichen Planungen der Gemeinde.

(Foto: Claus Schunk)

Unterhaching bereitet sich auf die Aufnahme von 116 weiteren Asylbewerbern vor - Grund ist der Abmarsch der Bundeswehr

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Asylbewerberunterkunft an der Hachinger Haid wird erweitert. In der bisherigen Einrichtung in Unterhaching, die 2016 errichtet wurde, sind aktuell 75 Geflüchtete untergebracht - deutlich zu wenige, findet die Regierung von Oberbayern und besteht darauf, dass die Gemeinde ihre Quote erfüllt. Das Landratsamt will daher in direkter Nachbarschaft zur bestehenden Unterkunft ein weiteres Gebäude in Modulbauweise errichten, in der weitere 116 Personen unterkommen können.

2738 Geflüchtete leben derzeit insgesamt im Landkreis München, "eigentlich müssten wir 1000 mehr unterbringen", sagte Sabine Kohler, Mitarbeiterin des Landratsamts, die die Pläne am Dienstagabend in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellt hat. Mit dem Truppenabzug aus Afghanistan würden weitere Asylbewerber kommen. "500 wurden uns zugewiesen, wir sind gezwungen, Wohnraum zu schaffen", sagte sie. Kleiner als jetzt vorgesehen könne die zweite Unterkunft in Unterhaching daher nicht werden. "Wir haben schon abgespeckt, eine weitere Reduzierung wird die Regierung nicht mitgehen", so Kohler.

Viel Handlungsspielraum hat die Gemeinde nicht. Denn an anderer Stelle bestehen kaum Möglichkeiten, eine Unterkunft zu errichten. Auch eine dezentrale Unterbringung ist all die Jahre kaum möglich gewesen. "Wir sind seit 2016 auf der Suche, aber die gibt es nicht", bestätigte die Mitarbeiterin des Landratsamts. Auch sei eine Betreuung einfacher, wenn die Leute in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht seien.

Das zusätzliche Gebäude auf dem Grundstück nahe der Kapellenstraßen soll allerdings anders strukturiert sein als die bestehende Unterkunft. Geplant sind größere Einheiten mit zwei bis vier Zimmern sowie eigenem Bad und Küche, um hier vor allem Familien unterzubringen. Die Grünen wiesen darauf hin, dass sie im Dezember im Kreistag eine solche Unterbringung gefordert hätten, vor allem für anerkannte Geflüchtete, etwa drei Familien und eine alleinerziehende Mutter mit je drei Kindern, die keine Wohnmöglichkeiten finden. Dies würde jetzt berücksichtigt.

Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) wies ausdrücklich darauf hin, dass es mit der jetzigen Unterkunft nie Probleme gab. In Hinblick auf die Erweiterung sagt er aber auch: "Es gab eine anderer Planung." Eigentlich wollte die Gemeinde auf dem Grundstück ein Areal für Gewerbe und ein Jugendzentrum entwickeln. Wohnen war hier nicht vorgesehen. Diese Pläne muss Unterhaching 15 Jahre auf Eis legen, so lange soll die Unterkunft bestehen bleibt. In der gleichen Sitzung hat sich der Ausschuss auf eine Vorkaufsrechtssatzung für diesen Bereich nördlich der Kapellenstraße verständigt. Panzer wäre eine Unterbringung der Geflüchteten im leer stehenden Gebäude des Musikkorps lieber gewesen, "aber der Bund stellt sich da quer"

© SZ vom 10.07.2021
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