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Filmprojekt:Depressionen bei Jugendlichen

Taufkirchen, Alexander Spöri seine Filmcrew nominiert für Tassilo-Preis

Die Crew aus Luca Zug, Leon Golz, Alexander Spöri, Paul Schweller, Vitus Rabe und Julian Heiß (von links) bekam den Tassilo-Preis.

(Foto: Angelika Bardehle)

In ihrem vierten Film setzt sich die preisgekrönte Schülergruppe "Moviejam Studios" mit dem Thema Depressionen bei Jugendlichen auseinander. Die Dokumentation soll Ende des Jahres fertig werden.

Anna verbringt ihre Zeit stundenlang am Handy, schaut sich Bilder auf Facebook und Instagram an. Christian ist homosexuell, aber er schämt sich dafür. Er beginnt, Drogen zunehmen. Und Sabine hat mir ihren Eltern Probleme. Anna, Christian und Sabine haben etwas gemeinsam: Sie leiden an einer Depression. Ihre Geschichten wollen die Schüler Alexander Spöri, Colin Maidment, Luca Zug, Leon Golz und Paul Schweller aus Taufkirchen in ihrem neuen Film "Grau ist keine Farbe" zeigen.

Es ist bereits der vierte Film, den die Jugendlichen unter dem Namen "Moviejam Studios" zusammen drehen. Alle beschäftigen sich mit schwierigen Themen: dem Olympiaattentat 1972, der bayerischen Bildungspolitik und dem Amoklauf im Olympiaeinkaufszentrum vor zwei Jahren. Die Süddeutsche Zeitung verlieh den Jugendlichen dafür den Tassilo-Kulturpreis, drei verschiedene Festivals zeigten den Film bis jetzt und Medien aus ganz Deutschland von der Lokalzeitung bis zum "Heute-Journal" berichteten darüber.

Für den neuen Film haben die Schüler unter anderem Peter Lehndorfer interviewt, er ist Vizepräsident der Bundes- und der Bayerischen Psychotherapeutenkammer.

(Foto: Moviejam)

"Eigentlich", sagt Alexander Spöri, "wollten wir bei dem neuen Film etwas weniger Energie reinstecken". Die Schüler gehen in die elfte Klasse, nächstes Jahr machen sie Abitur. Doch dann begannen sie, sich immer mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und inzwischen sei klar: "Es wird der aufwendigste Film, den wir je gemacht haben." Fünf Monate lang recherchieren sie bereits dafür. Sie sprachen mit Angehörigen, Betroffenen, Psychologen und Experten - unter anderem mit Peter Falkai, dem Direktor der Münchner Uniklinik an der Nußbaumstraße. In den nächsten Monaten werden die Schüler noch weitere Interviews führen. Erst Ende des Jahres soll der Film Premiere haben.

Die Stimmung abbilden

Ein großer Teil der Arbeit sei Hintergrundrecherche. Sie wollten bei diesem Thema besonders gut vorbereitet sein, sagt Alexander Spöri. "Alles, was wir über die Krankheit wussten, waren Klischees." Das hat sich inzwischen geändert. Durch die Dreharbeiten erfuhren die Filmemacher von immer mehr Jugendlichen aus ihrem Freundeskreis, die unter einer Depression leiden. Und auch viele der Schauspieler, die bei dem Film mitspielen, sind betroffen. Doch gerade Depressionen bei jungen Leuten seien noch zu wenig erforscht, sagt Spöri, obwohl die Zahlen steigen. Die meisten Experten würden die Krankheit immer bloß im Zusammenhang mit zu viel Stress am Arbeitsplatz sehen. "Die Jugend wird dabei vergessen."

Wie bei ihren vorherigen Filmen ist auch dieser eine Mischung aus Dokumentation und nachgespielten Szenen. Diesmal aber wollen die Jugendlichen weniger Experten sprechen lassen und mehr die Stimmung abbilden, in denen sich die Depressiven befinden. "Natürlich ist es schwer, eine Depression zu zeigen", sagt Luca Zug. Sie wollen deshalb viel mit Effekten arbeiten und den Zuschauer in eine eigene Welt führen. Einen ersten Eindruck, wie das aussieht, bekommt man durch den Trailer: Ein Mädchen sitzt im Biergarten und trinkt Wein, um sie herum sind viele junge, fröhliche Menschen. In ihrem Kopf sieht dieser Moment aber anders aus: Sie sitzt alleine im Regen.

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Gedreht ist der Trailer eindrucksvoll - dass es sich um eine Arbeit von Schülern handelt, sieht man nicht. Er spielt mit Schärfe und Unschärfe. Die Farben sind matt. Es werden Details in Großaufnahme gezeigt und einzelne Sequenzen in Slow-Motion. Das alles wirkt modern. Nicht besonders gut funktioniert dazu der Text, den Psychiater Peter Falkai aus dem Off spricht. Um den Inhalt zu verstehen, muss man sich den Trailer ein paar mal ansehen.

Gleich zu Beginn sagt er: "Veni, vidi, vici. Ich kam, sah und siegte. Das ist einfach. Viel schwieriger ist es, Menschen zu begleiten, die eine schwere Krankheit haben, die ich nur modulieren kann." Das Stichwort Depression fällt erst ganz am Ende des Trailers. Sonst sieht man leere Tablettenpackungen, das Mädchen Wein trinken und man fragt sich: Um was geht der Film eigentlich? Tablettensucht? Alkohol?

Gleichzeitig sind die Geschichten, die sich die Jugendlichen ausgesucht haben, dramatisch: Ein handysüchtiges Mädchen, ein drogenabhängiger Junge und ein Mädchen aus einem verkorksten Elternhaus. Besteht da nicht die Gefahr, sich zu verzetteln? "Uns ist klar, dass nicht jeder, der eine Depression hat, solche großen Probleme haben muss, und dass sie auch nicht unbedingt der Auslöser für die Krankheit sein müssen", sagt Luca Zug. Auch Veranlagung spiele eine Rolle. "Wir wollen einfach die ganze Dramatik der Krankheit zeigen."

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