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Fernwärme:Lehrstunde für die Uni vom Physiker

Die Technische Universität München ist mit ihrem Campus Garching einer der größten Energieverbraucher im Münchner Norden.

(Foto: privat)

Erwin Knapek vom Bundesverband Geothermie fordert die TU München zur Energiewende am Campus Garching auf

"Forschung, wirtschaftliches Handeln und Klimaschutz der TU München müssen bei der Energieversorgung in Einklang gebracht werden", sagt Erwin Knapek, Physiker und Präsident des Bundesverbands Geothermie. Konkret bezieht Knapek dies auf die Wärmeversorgung am Standort Garching. Die Universität solle bei der Energieversorgung der eigenen Gebäude stärker auf den ökologischen Fußabdruck achten und vermehrt geothermische Fernwärme nutzen. Zuvor hatte die TU München das Angebot der Energie-Wende-Garching (EWG) abgelehnt, sich an das Geothermie-Fernwärmenetz anschließen zu lassen. Die Universität ziehe auch beim Ausbau des Campus Garching ein altes Gasheizkraftwerk der örtlichen Geothermie vor.

Die Technische Universität München (TUM) ist mit ihrem Campus Garching einer der größten Energieverbraucher im Münchner Norden. Sie möchte aber ihr altes Gaskraftwerk eher stärker nutzen als die Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen. TUM-Vertreter Florian Loibl wird im Münchner Merkur mit den Worten zitiert: "Je intensiver das Gas-Kraftwerk ausgelastet ist, desto besser ist sein Wirkungsgrad." Ein Anschluss an die Geothermie sei derzeit kein Thema, erklärte der persönliche Referent von TUM-Kanzler Albert Berger dem Garchinger Gemeinderat.

"Die grundsätzlich ablehnende Haltung des TUM-Vertreters ist vollkommen unverständlich, zumal sich gerade die TUM mit der Geothermie-Allianz Bayern für eine stärkere Geothermienutzung stark macht", kritisiert BVG-Präsident Knapek. Die Stadt Garching biete der TUM eine einfache Option, die eigene Wärmeversorgung zukünftig mit geothermischer Fernwärme umweltfreundlich zu gestalten, so Knapek weiter. Er sieht noch weitere Vorteile für die Universität: "Die TU München verfolgt bei Forschung und Lehre zukunftsweisende Ideen. Durch eine enge Kooperation mit der EWG ergeben sich gute Möglichkeiten, neue Versorgungskonzepte direkt auf dem Campus zu erproben und zu entwickeln."

Beispiele für solche Kooperationen gibt es laut Knapek eine Reihe, unter anderem das Internationale Geothermiezentrum der Hochschule Bochum. Sie habe sich das Ziel gesetzt, durch die Zusammenarbeit der Akteure aus Kommune, Energieversorger und Hochschule die Abschaltung des dortigen Blockheizkraftwerks zu ermöglichen. "Das sollten wir in München doch auch hinbekommen."

Die Stadt Garching und die Eon-Tochter Bayernwerk AG entwickeln seit 2007 eine umweltfreundliche Energieversorgung durch sogenannte Tiefe Geothermie. Sie gründeten die gemeinsame Gesellschaft Energie-Wende-Garching GmbH & Co. KG. Seit 2010 werden die Bürger sukzessive an das neue Wärmenetz angeschlossen. Auch größere Abnehmer zählen zu den Kunden, unter anderem General Electric in unmittelbarer Nachbarschaft des TUM-Campus. Durch den Einsatz regenerativer Wärme aus Geothermie konnten im vergangenen Jahr laut Bundesverband Geothermie etwa 6450 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zur Erzeugung aus der Verbrennung von Gas eingespart werden.

© SZ vom 12.08.2017 / SZ

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