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Vier Tipps für die Ferien:Die Welt daheim

Viele Familien im Landkreis werden in den Pfingstferien zuhause bleiben. Das muss kein Nachteil sein. Wer sonst das Weite sucht, kann auch in der Nähe fündig werden. Und manchmal reicht zum Reisen auch der Kopf

Fußballcamp, verschoben. Reise ans Meer nach Italien geht noch nicht wie gewohnt. Freunde treffen ja, aber nur einen aus einem anderen Haushalt. In diesen Pfingstferien läuft wegen der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie einiges anders als sonst. Viele Familien werden die Zeit wohl zuhause verbringen. Damit einem nicht die Ideen ausgehen, gibt die Süddeutsche Zeitung ein paar Tipps, welche besonderen kleinen Projekte man sich vornehmen kann.

Zensurfrei komponieren

Hans Selmeier, Gitarren u Gesangslehrer an der Rosmarie-Theobald-Musikschule Ottobrunn

Ermuntert seine Schüler, ohne Scheu vor falschen Farben zu komponieren: Gitarrenlehrer Hans Selmeier.

(Foto: Privat)

Schon lange spukt einem da diese Melodie im Kopf herum. Es braucht nur noch einen coolen Text dazu. Für Kinder und Jugendliche, die so oder so ähnlich schon einmal gedacht haben, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, sich an einen eigenen Song zu wagen. Gleich vorneweg: Sorgen zu machen, dass man das nicht kann, braucht man sich nicht. Zumindest wenn man auf Hans Selmeier hört. Er muss es wissen. Er unterrichtet seit 1996 Gesang und Gitarre an der Rosmarie-Theobald-Musikschule in Ottobrunn. Er sagt: "Mutig drauf los!"

Ob man erst die Melodie komponiert oder sich erst den Text ausdenkt, ist unerheblich. "Das ist persönlichkeits- und stilabhängig", sagt er. Es gebe eher Typen, die instrumental herangingen, die ein Grundmuster brauchten. Im Funk und im Hardrock sei das beispielsweise so. Man singe über das Instrumentale dann drüber. "Im Pop ist es andersherum", sagt Selmeier. Da steht erst der Text und wird dann begleitet. Die einfachste Variante sei im Pop oder Folk, mit drei oder vier Akkorden zu begleiten und sich erst später eine Melodie zu überlegen. "Beide Herangehensweisen machen Sinn", sagt der Gitarrenlehrer.

Wenn man Selmeier zuhört, wird eines schnell klar: Alles ist erlaubt, die Zensur im Kopf muss man ausschalten. Wem nicht gleich der zündende Einfall kommt, kann an seine musikalischen Vorbilder denken, denn "Inspiration braucht jeder", sagt Selmeier. Also wer etwa gerne Songs von Ed Sheeran hört, könnte seinen ersten Song ähnlich klingend gestalten. "Es sollte immer eine Mischung sein aus: Ich spiel' was nach und ich probier' selber rum", sagt der Gitarrenlehrer. Was, wenn man einmal nicht weiterkommt? Wenn man am liebsten alles hinwerfen würde? Selmeier rät dann zu einer Pause: "Je höher die Mauer wird, desto mehr macht es Sinn, es wegzulegen." Er versucht seinen Schülern - er hatte schon viele, die eigene Songs komponierten - in so einer Situation immer Mut zu machen, ihnen zu sagen: sei kreativ, es gibt keine Regeln. Selmeier hat einen schönen Vergleich parat: "Beim Malen gibt es auch keine falschen Farben."

In barocke Zeiten reisen

Kutschengala Schloss Schleißheim

Weder die Gondeln noch die Menschen müssen Trauer tragen: Wer Schloss Schleißheim vor der Haustür hat, braucht nicht nach Venedig.

(Foto: Florian Peljak)

Wenn die Reise in die Ferne schon nicht so ohne Weiteres möglich ist, warum nicht in eine andere Zeit eintauchen? Eine schöne Gelegenheit dazu bietet die Schlossanlage Schleißheim. Hier können Familien barockes Flair mit all seinem Überfluss schnuppern. Augen auf und Fantasie walten lassen, dann klappt es bestimmt.

Gerade zwischen Altem und Neuem Schloss angekommen, geht der Besucher seitlich ums Neue Schloss und erblickt die prachtvolle Parkanlage mit all den Blumen und dem Kanalsystem. Er taucht mitten in der Barockzeit auf. "Es ist eine sehr klare Mittelachse, man kann bis zum Schloss Lustheim sehen", sagt Isabelle Herbst, die über die Volkshochschule Oberschleißheim Familienführungen in der Schlossanlage anbietet und Co-Leiterin der Volkshochschule ist. Solche Achsen sind typisch fürs Barockzeitalter, in dem das Motto lautete: Hauptsache pompös.

Vom Park ein Blick auf das mehr als 300 Meter lange Neue Schloss mit all seinen Schnörkeln lässt den Besucher den Hang zum Überladenen von Auftraggeber Kurfürst Max II. Emanuel erahnen, der den Bau als Sommerresidenz plante, weil er hoffte, einmal Kaiser zu werden. "Man kann sich gut vorstellen, wie die Menschen damals im Park flanierten und feierten. Diese prunkvollen Schlösser wurden damals eigentlich nur zum Partymachen gebaut", sagt Herbst. Als Geheimtipp weist sie auch bei ihren Führungen gern auf ein Holzmodell der Schlossanlage hin, das einen guten Überblick verschafft. Es findet sich im Neuen Schloss hinter dem Gardesaal. Auch das Neue Schloss Schleißheim und Schloss Lustheim haben seit 30. Mai wieder ihre Pforten geöffnet.

Um sich auch in die Mode der damaligen Zeit einzufühlen, ist der Besucher schon an der passenden Stelle. Anders als heute eher schlichte Farben, trug man damals besonders gerne "Gold, Silber, Weiß, Blau und Rot", sagt Herbst. Diese Farben dominieren auch das Bild Max Emanuels der kleinen Ahnengalerie im Gardesaal. Als Haarpracht waren graue Lockenperücken en vogue, wie sie Max Emanuel auf dem Gemälde ebenfalls trug. Während heute Haarspray die Frisur fixiert, setzte man damals auf Naturmaterialien. "Man gab feines Mehl in die Haare, zum Toupieren verwendete man Schweineschmalz", erzählt Herbst. Um den unangenehmen Geruch zu übertünchen, auch den fauliger Zähne, griff man laut der Schlossexpertin oft zu Moschus, ein ziemlich schwerer Duft.

Das ist freilich nur ein kleiner Ausschnitt vom Leben am Schloss. "Es gibt viele Geschichten zu erzählen", sagt Herbst. Eine kleine Reise in die andere Zeit lohnt sich also allemal.

Dem Teichrohrsänger lauschen

In Oberhaching gibt es schöne Gelegenheiten, der heimischen Flora und Fauna auf die Spur zu kommen.

(Foto: Open Street Map)

Für kleine Entdecker und Naturbeobachter ist gerade eine gute Zeit. Blumen blühen, manche Tiere haben Junge. Etwa auf einer kleinen Tour in Oberhaching kann man gerade einiges beobachten, wie Eike Hagenguth vom Ortsverein des Bundes Naturschutz zu erzählen weiß. Wenn man Glück hat, sieht man sogar den seltenen Teichrohrsänger. Aber der Reihe nach.

Als Startpunkt empfiehlt der Naturschützer den Augartenweiher unterhalb der Metzgerei Hofberger. Hier kann man sich eine Weile aufhalten. "Eventuell ist ein Teichhuhn zu sehen", sagt Hagenguth. Ein schwarzer Vogel mit rotem Schnabel. Wer sich hier auch tummelt, sind Stieglitze, Rotkehlchen, Zaunkönige. Gelegentlich entdecke man Baumläufer, kleine Vögel aus der Familie der Sperlinge, die gerne ruckartig die Bäume nach oben laufen.

Geht man weiter nach Norden, gelangt man zum Talangerweiher. "Hier lauscht man ins Schilf rein, vielleicht hört man den Teichrohrsänger", sagt Hagenguth. Wie man ihn erkennt? "Er singt sehr leise, aber pausenlos." Zum Erkennen der Vogelstimmen könnte der junge Entdecker eine der zahlreichen Apps fürs Handy nutzen, die online zu finden sind, beispielsweise vom Naturschutzbund. Ist ein Tschak-Laut zu hören, wird es das Teichhuhn sein, vielleicht sogar mit Küken. "Es gibt einen scharfen Ruf von sich, ist aber nicht so ruffreudig wie Gänse, die miteinander palavern", erzählt Hagenguth wie gewohnt fast liebevoll von den Tieren.

Weiter geht es an der Kirche St. Stephan vorbei. Auf dem Turm nistet der Turmfalke, vielleicht bekommt man sogar die Jungen zu Gesicht. Nach Osten über die Kohlstattsiedlung und dann nach Süden Richtung Hangkante. "Dort blüht einiges", sagt Hagenguth. Natternkopf, Klatschmohn an den Rändern der Wiesen. Weiter nach Süden erreicht man den Wildbienenstand, der seit vorigem Jahr besteht. Es tummeln sich schon einige Tiere dort. Solitärbienen, Miniwespenarten. "Sie stechen alle nicht, weil sie keine Brut zu verteidigen haben", informiert der Oberhachinger. Im Umgriff findet sich Gehölz, in dem manchmal der Sumpfrohrsänger singt, leise plaudernd.

Fast ist der kleine, etwa zwei Kilometer lange Rundweg durch heimische Flora und Fauna geschafft. Über den Schrannenweg nach Süden, bei der Querstraße nach rechts und vor dem vorderen Gleißental über den Pfad wieder Richtung Norden gelangt man erneut zum Ausgangspunkt am Augartenweiher. Wer weiß, vielleicht sind dort mittlerweile noch andere Vögel als zu Beginn der Tour zu sehen.

Traumfänger basteln

Waldgeister, gebastelt von Kindern vom Evangelischen Kinderhaus in Ottobrunn

Waldgeister, gebastelt von Kindern vom Evangelischen Kinderhaus in Ottobrunn.

(Foto: Privat)

Steine bemalen, selbst eine Meerjungfrauen-Tasche nähen, einen Zoo für die Holztiere bauen - irgendwann gehen selbst den kreativsten Kindern und Eltern die Ideen aus. In diesen Wochen, in denen sich alle so viel zu Hause aufhalten, ist das kein Wunder. Wie gut, dass es Experten wie Erzieherin Marion Stracke vom evangelischen Kinderhaus in Ottobrunn gibt, die sich beruflich schon viele Bastelprojekte überlegt hat. Ihr Vorschlag für ein Objekt, das man nicht alle Tage gestaltet, das aber recht einfach zu machen ist: "Waldgeister. Wenn man sie ins Blumenbeet steckt, sind sie auch ein netter Willkommensgruß." Das Gute ist: Viele Materialien, die man benötigt, dürfte man zuhause haben. Das wichtigste Teil könnte man bei einem Spaziergang im Wald zusammensammeln. "Man braucht Stöcke in verschiedenen Größen, am besten mit Astgabeln links und rechts, das sind dann die Arme", sagt Stracke. Idee ist, diese nun schön zu gestalten und Figuren daraus zu machen. "Man kann Gesichter drauf malen und Wackelaugen mit Heißkleber anbringen", erklärt Stracke. Mit alten Stoffresten und Wolle kann man die Stöcke umwickeln, sie mit Perlen verzieren, sodass ganz individuelle Waldgeister entstehen. "Unseren Kindern hat das immer viel Spaß gemacht", sagt die Erzieherin.

Ein weiterer Vorteil des Bastelvorschlags: "Er eignet sich für jüngere und ältere Mädchen und Jungen ", so Stracke. Das ist ja oft das Knifflige: Die Bedürfnisse unterschiedlich alter Kinder abzudecken. Wer beim Stöcke sammeln gleich noch einen langen, biegsamen Ast einpackt, kann zusätzlich einen Traumfänger basteln: Ast zu einem Kreis biegen, mit Wolle umwickeln und Wolle wie zu einem Spinnennetz kreuz und quer legen, Federn dran hängen - fertig. Nach indianischer Vorstellung soll der Traumfänger den Schlaf verbessern. In diesen unruhigen Zeiten keine schlechte Idee.

Benötigte Materialien: Äste, Heißkleber, Stoffe, Wackelaugen, Wolle, Perlen, ausrangierte Knöpfe, Acrylfarbe et cetera.

© SZ vom 02.06.2020

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