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Ferien daheim: Flugwerft Oberschleißheim:Beim Starfighter in der gläsernen Werkstatt

Flugwerft Oberschleißheim, Gläserne Werkstatt, wo Flugzeuge restauriert werden

Der Otto-Doppeldecker ist gerade in der "Gläsernen Werkstatt" zu Gast.

(Foto: Florian Peljak)

Doppeldecker, Düsenjäger, Raketen: In der Flugwerft Oberschleißheim werden historische Exponate restauriert. Besucher dürfen bei jedem Arbeitsschritt dabei sein - und manchmal sogar mitfliegen.

Von Gregor Bauernfeind

"Hier stinkt's ja!" Auf dem Weg zur großen Ausstellungshalle in der Flugwerft Schleißheim wundern sich viele Besucher. Hier, mitten im Museum, geht es zu wie in einer Werkstatt.

Hier wird lackiert und geschweißt, geschmiert und geschreinert. Fünf Meter unter der Besuchergalerie steht dann meist Reinhard Mücke. Er ist Leiter der "Gläsernen Werkstatt". Dort restaurieren Mücke und seine sechs Mitarbeiter die Flugzeuge der Luft- und Raumfahrtsammlung des Deutschen Museums - und lassen sich von den Museumsbesuchern über die Schultern blicken.

Bevor die "Gläserne Werkstatt" vor 25 Jahren eingerichtet wurde, habe man die Ausbesserungsarbeiten vor den Besuchern versteckt, erzählt Mücke. Ganz im Sinne von Oskar von Miller, der das Deutsche Museum 1903 als Bildungseinrichtung und nicht als bloßes Museum gegründet habe, sei man dann den umgekehrten Weg gegangen: Besuchern die ausgestellten Fluggeräte nicht nur ansehen zu lassen, sondern ihnen Einblicke geben hinter die Kulissen der Museumsarbeit und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, erklärt Mücke das Prinzip. Warum auch verstecken? "Schließlich machen wir hier Geschichte", sagt der Werkstattleiter.

In Schleißheim werden Fluggeräte vom Otto-Doppeldecker bis zum Starfighter F 104 aus dem Haupthaus auf der Museumsinsel und aus der Außenstelle in Oberschleißheim gereinigt, restauriert und konserviert. Manche Exponate sind seit über 30 Jahren im Museum. "Feuchtigkeit erzeugt Korrosion, Gummi wird porös, Leder reißt", erklärt Mücke. "Vor allem die unzähligen Besucherhände haben Spuren hinterlassen." Schlosser, Maler, Bildhauer, Mechaniker arbeiten dort, so gut wie alle Arbeiten können sie ohne Hilfe von außen erledigen. "Wenn möglich, restaurieren wir so, wie wenn das Exponat tatsächlich noch fliegen könnte", sagt Mücke.

Dabei wird darauf geachtet, dem Stil der Zeit des Exponats treu zu bleiben. "Wir verbauen historische Einzelteile. Dazu gehört auch, dass wir keine modernen Schrauben verwenden", sagt Mücke. Die Arbeit sei sehr abwechslungsreich. "Es ist immer was Anderes, wir hatten noch nie etwas zweimal", sagt er. "Ein lebenslanger Lernprozess." Dass man bei der Arbeit ständig beobachtet wird, sieht er "rundum positiv". "Die Besucher interessieren sich dadurch noch mehr", sagt er. "Und der direkte Austausch ist angenehm für die Mitarbeiter."

Die Ausstellungsstücke sind flugtauglich

Die meisten von ihnen sind über ihr Interesse an der Fliegerei dazugekommen. Viele Mitarbeiter sind Modellflieger, zwei haben selbst einen Segelflugschein. "Begeistert von der Thematik sind wir alle", sagt Mücke, der eigentlich gelernter Automechaniker ist. Obwohl er immer schon von Flugzeugen fasziniert gewesen sei, hätte er sich einen Beruf in der Luftfahrt nie vorstellen können. Ihrer Leidenschaft können die Mitarbeiter nun in der "Gläsernen Werkstatt" nachgehen. Und das ohne die unangenehme Schichtarbeit, die in der Luftfahrtsbranche üblich ist. Auch selber Mitfliegen ist möglich, drei der siebzig ausgestellten Flugzeuge sind noch flugtauglich. Und die Flugwerft liegt direkt am Flugplatz Schleißheim, dem ältesten noch aktiven in Deutschland.

Die Arbeit geht Mücke und seinen Mitarbeitern so schnell jedenfalls nicht aus. Weil auf der Museumsinsel umgebaut wird und die Luftfahrtabteilung bis 2019 modernisiert werden soll, gehen nach und nach sämtliche Exponate in die Werkstatt nach Schleißheim, einige davon, zum Beispiel eine Messerschmidt Bf 109 E, der erste Düsenjäger Me 262 oder die Raketen betriebene Me 163, werden dort auch vorübergehend ausgestellt. "Das macht 4000 Einzelstücke, die wir mindestens einmal in die Hand nehmen müssen", sagt Mücke.

Flugwerft Oberschleißheim, Gläserne Werkstatt, wo Flugzeuge restauriert werden

"Wir verbauen historische Einzelteile, sagt Reinhard Mücke, der Werkstattleiter. Hinter ihm: ein VJ 101 Senkrechtstarter.

(Foto: Florian Peljak)
© SZ vom 20.04.2017/belo

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