„Schüler müsste man hier sein“ - dieser Wunsch fiel nicht selten bei der offiziellen Vorstellung des neuen supermodernen Gebäudes für das Feodor-Lynen-Gymnasium in Planegg. Jetzt wurde es eröffnet und der Besucher kann nachvollziehen, warum alle ein bisschen neidisch auf diejenigen sind, die hier lernen dürfen. Denn was in diesem dreistöckigen, quaderförmigen vollkommen aus Holz gebauten Block alles an Ausstattung in den zwölf Klassenzimmern steckt, ist bemerkenswert. Tafeln jedenfalls gibt es keine.
Stattdessen befinden sich am Kopf der Räume 86 Zoll große Touchboard-Wände mit der neuesten Windows-Version, ausgestattet für superschnelles Internet und alle unterrichtsrelevanten Arbeiten, einschließlich einer möglichen Komplettvernetzung von Schüler-Laptops- oder Handys. Von Handyverbot spricht hier niemand. Schuldirektor Matthias Spohrer ist genauso begeistert wie Christin Muhr vom Hauptamt aus dem Rathaus, die die zweieinhalbjährigen Bauarbeiten für den Zweckverband Gymnasium Würmtal ständig im Auge gehabt hat und jetzt sagt: „Am Anfang war ich doch ein bisschen skeptisch“ angesichts der Pläne der Münchner Architekten Hirner und Riehl. Man sah auch eine Gefahr von Vandalismus an den glatten Holzwänden, die keinen Zentimeter Wand freilassen und einfach nur schön aussehen. Man habe sich auch überzeugen lassen von der Philosophie der Architekten, dass „Holz stressreduzierend wirken kann“.
Dem habe sich schließlich auch das Landratsamt München angeschlossen und einer durchgehenden Holzkonstruktion den Vorzug gegeben. Verwendet wurde lang abgelagertes Fichtenholz, das immer noch einen intensiven, aber erfrischenden Geruch verbreitet. Den Schülern, die hier schon seit einigen Wochen unterrichtet werden, macht das nichts aus, sagt der Direktor. 14 Millionen Euro hat der Zweckverband Gymnasium in die Hand genommen, um den versteckt im nördlichen Teil des Schulgeländes liegenden Neubau zu errichten. Notwendig war er vor allem geworden, weil die Schülerzahlen im Feodor-Lynen-Gymnasium ständig steigen: Im kommenden Schuljahr wird mit mehr als 1100 Schülerinnen und Schüler aus den Würmtalgemeinden gerechnet – eine Rekordzahl.

Auf sie warten nicht nur modernste Lernmittel, sondern auch eine sehenswerte und vor allem sinnvolle Zweck-Architektur, die teilweise futuristisch wirkt: Technik,-Lager- und Archivräume, mehrere Lehrerzimmer, dazu Duschen, ein Ruheraum und ein Raum für medizinische Betreuung. Die Oberstufenbetreuer haben ein eigenes Büro und selbstverständlich gibt es einen eigenen Computerraum, ein Schulzimmer lässt sich über mobile Trennwände erschließen. Für Hörbehinderte gibt es sogenannte Hörakustik-Schleifen, die elektrische Energie kommt aus der eigenen, vom Regionalwerk Würmtal installierten Photovoltaik-Anlage. Die Außenfassade im Erdgeschoss wurde mit Werkstoffplatten versehen, die leicht von möglichen Graffiti-Gemälden zu reinigen sind, das gesamte Baumaterial ist recycelbar. Alles wirkt solide und geschmackvoll, keine grellen Farbtöne stören. Und der Blick aus den meisten Fenstern geht direkt in die Natur.
„Jetzt fehlen nur noch die guten Noten“, sagte ein Gemeinderat verschmitzt, „die äußeren Voraussetzungen sind geschaffen.“ Das findet auch Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU): „Das alles kann sich wirklich sehen lassen.“ Planegg habe nun mit diesem Neubau und der gerade abgeschlossenen Komplettsanierung der alten Volksschule – ebenso für 14 Millionen Euro – zwei „wirkliche Schmuckstücke, auf die wir stolz sein können“.

