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Feldkirchen:Stress zum Abschied

Feldkirchen, Postfiliale wechselt nach 15 Jahren Betreiber,  Tom und Monica Halkema

Die letzten Wochen in der Feldkirchener Postagentur waren für Tom und Monica Halkema coronabedingt wie "Weihnachten hoch drei".

(Foto: Angelika Bardehle)

Monica und Tom Halkema geben die Postagentur in Feldkirchen nach fast 15 Jahren ab

Beinahe 15 Jahre lang haben Monica und Tom Halkema die Feldkirchner Postagentur geführt. Nun haben sie ihren Laden an die Brüder Chesrau und Milad Rasuli übergeben. Zum Abschluss gab es für das Ehepaar angesichts der Corona-Pandemie mehr zu tun als je zuvor. Wochenlang waren die Läden geschlossen, dementsprechend ließen sich mehr Menschen Kleidung, Bücher oder Elektrogeräte mit der Post nach Hause schicken. Gerade die Wochen um Ostern seien für die Mitarbeiter der Postagentur wie "Weihnachten hoch drei", erzählt Monica Halkema lachend. Der Stress jedoch habe ihr noch nie etwas ausgemacht, im Gegenteil: "Besser, es rührt sich was, als wenn ich den ganzen Tag allein im Laden warte."

Dass sie vor 15 Jahren die Feldkirchner Postagentur übernahmen, kam mehr oder weniger durch Zufall zustande, erzählt die 63-Jährige: Beide hatten zuvor in der Industrieautomatisierung gearbeitet, Tom Halkema in der Technik, seine Frau in der Administration. Der Sohn des Ehepaars führte damals in den Räumlichkeiten in der Kirchenstraße ein eigenes Geschäft, das er gerade aufgeben wollte. Nahezu gleichzeitig plante auch die Post, ihre nahegelegene Filiale zu schließen. Die Halkemas übernahmen die Agentur, verlegten sie in den ehemaligen Laden ihres Sohns und eröffneten sie im Juni 2006. Aus der Feldkirchner Post wurde ein Familienbetrieb, auch die beiden Söhne arbeiteten im Geschäft mit. Übernehmen wollen sie die Agentur nun jedoch nicht, und so geht der Laden an einen neuen Betreiber über.

"Recht wehmütig" blickt Monica Halkema auf ihren Abschied aus Feldkirchen. "Für dich ist das so", scherzt ihr Mann Tom, "ich bin froh, dass ich hier weg komme". Nein, fügt der 69-Jährige hinzu, die Menschen werden ihm schon fehlen. "Ich glaube, wir kennen hier in Feldkirchen fast mehr Leute als in Holzkirchen, wo wir wohnen." Der persönliche Kontakt zu den Kunden sei ihnen immer wichtig gewesen, erzählen die Halkemas. Oft saß Tom Halkema mit seinem Hund auf einer Bank vor der Postagentur und wechselte einige Worte mit den Passanten. "Viele haben mir schon gesagt, dass sie dieses Bild von mir und dem Hund vor dem Laden vermissen werden", sagt er. Seine Frau fügt hinzu: "Ich habe noch nie so viel Wertschätzung und Freundlichkeit erfahren wie hier in Feldkirchen." Als das Ehepaar an seinem letzten Vormittag in Feldkirchen vor der Postagentur steht, laufen ununterbrochen Passanten durch die Kirchenstraße. Viele heben grüßend die Hand, rufen den Betreibern Abschiedsworte zu. Die meisten davon kennt Monica Halkema persönlich. "Ihr seid die Besten, ehrlich", sagt eine Frau beim Verlassen des Ladens. Eine weitere Kundin bringt einen Blumenstrauß, sichtlich gerührt verabschiedet sie sich vom ihrer Ansicht nach "besten Postamt in ganz Deutschland".

Ein Familienbetrieb bleibt die Post in Feldkirchen auch unter den neuen Betreibern. Chesrau und Milad Rasuli aus Riem haben die Filiale bereits wieder geöffnet. "Die Menschen hier haben Verständnis dafür, dass manche Dinge bei uns noch etwas länger dauern als bei unseren Vorgängern", sagt Milad Rasuli. Denn aufgrund der aktuellen Situation konnten die Brüder die Schulung der Post, die alle neuen Inhaber vor der Übernahme ihrer Filiale durchlaufen, noch nicht absolvieren. "Aber die Familie Halkema war so lieb und hat uns noch eingearbeitet", erzählt Milad Rasuli. "Es gibt zwar ein paar Kleinigkeiten, die wir noch lernen müssen, aber das schaffen wir auch noch."

© SZ vom 03.06.2020

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