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Feldkirchen:Strategie ohne Sinn

Umstrittender Kahlschlag: Der Asiatische Laubholzbockkäfer ärgert die Menschen im Münchner Raum.

(Foto: Christian Endt)

Feldkirchen kritisiert Fällungen wegen des Laubholzbocks und hofft auf Münchner Hilfe

Im Riemer Wäldchen und im Gewerbegebiet der Messestadt Riem stehen nach den neuesten Hinweisen auf einen Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) zahlreiche Baumfällungen bevor. Dass es erneut zu dieser radikalen Maßnahme kommt, frustriert den Feldkirchner Gemeinderat ganz besonders: Dort wurden in der Vergangenheit nach ähnlichen Funden Hunderte Bäume gefällt, allein auf dem Gemeindefriedhof waren es 80. Die Lokalpolitiker bezweifeln ebenso wie der Bund Naturschutz in Bayern die Strategie und konfrontierten in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend Elke Zahner-Meike von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mit ihrer Skepsis.

"Warum verändert man nicht langsam die Taktik?", fragte Verena Claudi (SPD). "Fällungen sind für mich keine Option mehr, weil man merkt, dass der Käfer nicht auszurotten ist. Wir müssen mit dem Käfer leben", so die Gemeinderätin. Ähnlich äußerte sich Thomas Zimmermann von der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV). In Feldkirchen gehe durch die Fällungen Lebensqualität verloren. Zahner-Meike bat um Verständnis: Es sei wichtig, dann zu reagieren, solange die Ausbreitung des Käfers noch nicht so weit vorangeschritten sei. Man gebe Schulungen, stehe im Austausch mit Kollegen aus der internationalen Forschung und lerne ständig dazu. Dennoch gebe es derzeit keine bessere Bekämpfungsmaßnahme als Fällungen. Insektizide seien keine Option; sie sind nur in Nordamerika zugelassen. Und Pheromonfallen, die beim Monitoring verwendet werden, eigneten sich nicht, eine ganze Käferpopulation einzufangen. Auch sei es noch nicht möglich, befallene Bäume sicher zu erkennen: "Man weiß nicht, wo genau der Käfer sitzt."

Große Sorgen bereitet dem Gemeinderat in Feldkirchen zudem eine mögliche Verbreitung durch Handelspaletten aus Asien und den Verkauf von potenziellen Wirtsbäumen wie Fächer-Ahorn bei Discountern. Klaus Pitterle vom Umweltamt empfahl, die Paletten gar nicht erst einzuführen oder sie zu vernichten. "Für uns als betroffene Gemeinde ist das unbefriedigend, man fängt am falschen Ende an", sagte er. Zahner-Meike gab zu, dass es bisher versäumt wurde, Discounter darauf anzusprechen, dass dies aber nachgeholt werde. Baumärkte und Gartenvereine seien allerdings informiert worden. "Im Endeffekt ist es Fluch und Segen der Globalisierung", sagte sie vor dem Gremium.

Zweiter Bürgermeister Andreas Janson vermisst die Unterstützung der Stadt München. "Wir kämpfen hier seit dreieinhalb Jahren gegen die Fällungen", sagte der UWV-Politiker. Eine Feldkirchner Bürgerinitiative habe damals alle Stellen angeschrieben und es habe keinen interessiert. "Jetzt stellt die Stadt München plötzlich Fragen. Das ist eine Frechheit gegenüber uns Feldkirchnern", klagte er im Gemeinderat.