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Feldkirchen:"Fast nur negative Auswirkungen"

Feldkirchner Kommunalpolitiker unisono gegen Verlegung der S 2

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

Die Pläne, die Messe in Riem an die S-Bahnlinie S 2 anzubinden, stoßen in Feldkirchen weiterhin auf Widerstand. Um über das Vorhaben zu informieren und die erwarteten Auswirkungen auf die Gemeinde deutlich zu machen, haben Feldkirchner Kommunalpolitiker am Wochenende einen Brief an alle Haushalte im Ort verteilt, unterzeichnet von Vertretern aller Fraktionen des Gemeinderats, fünf Anwohnern der Bahnlinie, einer Vertreterin der Feldkirchner Umweltgruppe sowie einem Verkehrsgeografen.

Vor einigen Wochen hatten Vertreter des S-Bahn-Bündnisses Ost, das sich für das Vorhaben einsetzt, dem Feldkirchner Gemeinderat den aktuellen Stand der Planungen vorgestellt. Demnach sollen die Gleise der bisherigen Strecke am Ortsrand von Feldkirchen verschwenkt werden. In mehreren Metern Höhe soll die neue Trasse in Ständerbauweise durch die Landschaft in Richtung Messe führen, wo die Züge an einem Hochbahnhof in der Paul-Henri-Spaak-Straße halten sollen. Die Feldkirchner Kommunalpolitiker hatten bereits nach der Vorstellung der Pläne massiven Widerstand angekündigt - schließlich würde der Schwenk über Feldkirchner Flur führen und gut zwei Hektar der Gemeindefläche abschneiden.

"Für Feldkirchen ergeben sich fast nur negative Auswirkungen", sind die Unterzeichner des Briefs überzeugt. Jegliche Entwicklungsmöglichkeit nach Westen würde zunichte gemacht, landwirtschaftliche Flächen würden zerschnitten und sensible Naturflächen und Biotope sowie der regionalen Grünzug beeinträchtigt.

Für die Anwohner erwarten die Gegner des Schwenks eine hohe Lärmbelästigung durch die in der Höhe fahrenden S-Bahnen. Kurz hinter der Ortschaft sollen die Züge auf bis zu 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Damit verbunden sind laut Informationsbrief massive Lärmschutzmaßnahmen, die nötig würden, um die Belastung abzuschwächen: Es handele sich um bis zu sechs Meter hohe Wände, die nachhaltig die Landschaft und die Wohnqualität südlich und nördlich der Bahntrasse zerstören würden, wie es in dem Brief heißt.

Der Vorteil, mit dem das S-Bahn-Bündnis Ost für den Schwenk zur Messe wirbt - ein 15-Minuten-Takt - gleicht für die Unterzeichner des Briefs die erwarteten negativen Folgen nicht aus. Denn der Abstand im Fahrplan zwischen den S-Bahnen verringere sich zwar um fünf Minuten, dafür verlängere sich aber die Fahrtzeit nach München um drei bis vier Minuten. Eine Taktverdichtung ließe sich ohne den Schwenk schneller und einfacher realisieren.

© SZ vom 10.03.2021
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