Feldkirchen Drei Aufzüge für den Bahnhof

Bisher ist die Unterführung am Feldkirchner Bahnhof nur über Treppen zu erreichen. Das soll sich ändern.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Feldkirchner Gemeinderäte ändern ihre Meinung. Statt über Rampen soll die Unterführung nun durch Lifts barrierefrei gestaltet werden. Grund ist eine Kostenkalkulation der Deutschen Bahn

Von Franziska Dürmeier, Feldkirchen

Eigentlich waren sich die Gemeinderäte sicher: Um barrierefrei in die Unterführung des Feldkirchner Bahnhofs zu gelangen, seien Rampen sinnvoller als Aufzüge. Es sei die dauerhafteste Lösung, hieß es noch in einer Gemeinderatssitzung im Januar. Doch nun kam die Kehrtwende: Es werden nun doch drei Aufzüge gebaut - und gar keine Rampe. Ursprünglich war eine Rampe nördlich und südlich der Unterführung im Gespräch sowie ein Aufzug zwischen Unterführung und Bahnsteig.

Auslöser für diesen Umschwung war ein Schreiben der Deutschen Bahn. Darin wurden die voraussichtlichen Kosten für die Rampen- und die Aufzugvariante aufgeführt. Mit 3,15 Millionen Euro ist die Aufzuglösung die kostengünstigere. Für die südliche Rampe würden 3 485 100 Euro, also 334 000 Euro mehr, anfallen. Und die Mehrkosten müsste schließlich die Gemeinde tragen. Denn die Bahn übernimmt im Rahmen eines bayernweiten Programms zur barrierefreien Erschließung der Bahnhöfe nur die jeweils preiswerteste Variante.

Die hohen Kosten für eine Rampe in Feldkirchen ergeben sich vor allem aus der Verlegung von Querfeldmasten, einer größeren Baugrube sowie dem Erhalt der Schwarzkiefer. Außerdem warnte die Bahn davor, dass aufgrund dieser Faktoren die Mehrkosten auch noch sprunghaft ansteigen könnten.

Zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte sich Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) deutlich für eine Rampe ausgesprochen. Auch mit dem Hintergrund, dass eine Rampe wohl eine bessere Verbindung der Siedlungen nördlich des Bahngleises mit dem Ortskern im Süden schaffen würde und man möglicherweise auch mit dem Fahrrad durchfahren könne. Doch er sah, wie bereits im Januar, noch weitere Gründe: Ein Aufzug sei oft kaputt, sagte er, und müsse oft gewartet werden. "Eine Rampe hat aus meiner Sicht den größten nachhaltigen Wert."

Auch in der Beschlussempfehlung des Tagesordnungspunktes war eine Übernahme der Mehrkosten vorgesehen. Doch bald wurden von verschiedenen Gemeinderäten Zweifel laut. "Wenn es 334 000 Euro extra kostet, habe ich ein Problem zuzustimmen", sagte Franz Golibrzuch von der Wählergruppe UWV. "Eine Rampe bedeutet einen Haufen Zusatzkosten, im Winter muss sie sauber gehalten werden - und die Rampe so zu bauen, wie geplant, darin sehe ich auch ein Problem." Auch sein Fraktionskollege Andreas Janson hatte Bedenken. Eine 85 bis 95 Meter lange Rampe sei für Rollstuhlfahrer ungeeignet, sagte er. Zudem frage er sich, was dann mit den Radständern passiere, ob diese dann an das Ende des Parkplatzes verlegt würden. Janson resümierte: "Die Aufzugvariante ist die einzig richtige."

"Wir nehmen uns, wenn die Rampe nicht gebaut wird, die Möglichkeit der Erschließung des Dornacher Feldes", warf Bürgermeister van der Weck ein. Doch dieses Argument überzeugte kaum. "Wir versuchen, einen behindertengerechten Zugang zu missbrauchen für den Durchstich und einen Fahrradtunnel", hielt Herbert Vanvolsem (CSU) dagegen. "Ich würde das nicht vermischen und auf die kostensichere Lösung gehen."

Einen richtigen Mehrwert einer Rampe erkannten die meisten Gemeinderäte im Laufe der Sitzung immer weniger. Gerade auch, weil viele für ältere Leute und Menschen mit Behinderung eine Gefahr sahen - etwa im Winter oder bei Regen, wenn es rutschig ist. Einige hielten auch den Kraftaufwand für Rollstuhlfahrer, eine so lange Rampe hochzufahren, für zu hoch. Die Mehrheit der Gemeinderäte stimmte letztlich für den Aufzug - und das nicht nur im Süden des Tunnels, den Bereich, den die Bahn finanziell trägt, sondern auch im Norden, wo noch der Durchstich erfolgen soll. Der Umbau des Bahnhofs in Feldkirchen ist für 2018 geplant.