Süddeutsche Zeitung

Fangesänge:Zwei Lehrer komponieren eine Hymne für den FC Bayern

Die Neubiberger Rasso Leicher und Peter Müller haben ein FC-Bayern-Lied geschrieben. Im Internet stoßen sie damit auf Begeisterung - der Münchner Fußballverein reagiert dagegen reserviert.

Zwei Wochen ist es her, da war Rasso Leicher mit zwei fünften Klassen im Bus auf dem Weg zum Schwimmunterricht. Auf einmal fingen alle an zu singen - das Lied, sein Lied. "Da hat man gemerkt, welche Emotionen es freisetzt", sagt der Lehrer für Sport und Deutsch am Gymnasium Neubiberg.

Man merkt ihm an, wie stolz er darauf ist, dass jener Song, den er gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Müller geschrieben hat, auch bei den eigenen Schülern gut ankommt. "Hey Bayern München" heißt die Fanhymne, die seit knapp zwei Monaten im Internet für Furore sorgt. "24 Munich" nennt sich das Pädagogen-Duo. "Das soll ausgesprochen two for Munich, also zwei für München heißen", erklärt Leicher.

Seit die beiden das Lied mit dem eingängigen Refrain vor dem Champions-League-Spiel der Münchner bei Tottenham Hotspur Anfang Oktober in der Fan-Arena München an der Arnulfstraße live gesungen haben und das vom Neubiberger Schülersprecher Timke Klinker geschnittene Video ins Netz gestellt wurde, feiern die Fans das Stück über alle Maßen.

So mancher sieht darin bereits einen potenziellen Stadionhit, womöglich sogar den Nachfolger von "Stern des Südens". Zu einem leicht zu grölenden Refrain haben die beiden Lehrer schmissige Textstrophen mit aktuellen Bezügen geschrieben: "Arjen Robben, Ribéry - die zwei Jungs vergess' ich nie", heißt es da. Oder: "Wir wissen alle, dass Siegen schön ist - danke für immer, Uli Hoeneß."

Und die Anhänger nehmen das emotionale Stück dankbar an: Auf der Facebook-Seite des Merchandising-Stores Fanpoint München und auf Youtube überschlagen sie sich förmlich vor Lob: "Mega toller Song!!! Der muss in die Arena!!!", schreibt einer. "Die schönste Hymne, die ich jemals für unseren Verein gehört habe, es wäre ein Traum, dieses Lied vor den Heimspielen im Stadion zu hören", ein anderer. "Toll ist, dass wir sogar positive Rückmeldungen von Leuten bekommen, die mit Fußball nichts am Hut haben oder Fans anderer Vereine sind", sagt Leicher.

Die beiden Hobbymusiker dagegen sind von Kindesbeinen an Bayern-Fans. Leicher, der in Waldperlach aufgewachsen ist und auch heute wieder dort wohnt, hatte es bei seinem ersten Stadionbesuch im Frühjahr 1981 total erwischt: "Ein 7:2-Sieg gegen Frankfurt, Breitner hat drei Tore geschossen, Rummenigge zwei. Ich war total überwältigt."

Zum Champions-League-Finale 2013 in London ist er dann mit seinem 40 Jahre alten Oldtimer-Laster gefahren. Müller, der aus Egmating im Landkreis Ebersberg stammt und Lehrer für Sport und katholische Religion ist, hatte als Kind ein FCB-Stoffwappen, das seine Mutter immer wieder auf die jeweils aktuellen T-Shirts nähen musste. "Und als wir 2001 gegen Valencia die Champions League gewonnen haben, war das mein persönliches Highlight."

Die Idee, gemeinsam Musik zu machen, hatten die beiden vor drei Jahren: Damals absolvierte Leicher, 49, einen Auslandsschuldienst in Namibia. Kumpel Peter, 35, besuchte ihn und als sie in der südafrikanischen Wüste am Lagerfeuer saßen und musizierten, vereinbarten sie ihr gemeinsames Projekt.

"Erst wollten wir irgendwas zur Wiesn machen, weil uns immer ärgert, dass es seit der Spider Murphy Gang keine Songs mehr gibt, die Münchner Themen behandeln", sagt Peter Müller. Er hatte ein ganzes Repertoire an fertigen Titeln in der Schublade, einer davon passte dann ziemlich gut zur Atmosphäre beim Fußball.

Vorbild ist ein Song aus Liverpool

"Wir haben uns da an Jamie Webster orientiert, der für den FC Liverpool eine ähnliche Hymne gemacht hat", sagt Leicher. Mittlerweile wird Websters Song "Allez Allez Allez!" während der Spiele an der Anfield Road immer wieder von den Fans intoniert; als das Klopp-Team im Frühjahr 2019 zum Champions-League-Achtelfinale in München gastierte, traten Webster und seine musikalischen Mitstreiter im Vorfeld des Spiels im Backstage an der Friedenheimer Brücke vor 2000 begeisterten Schlachtenbummlern auf. "Da herrscht mittlerweile mehr Begeisterung als bei 'You'll Never Walk Alone'", so Leicher.

Genau das wollen sie mit "Hey Bayern München" auch schaffen. Der erste Testlauf sei vergangenes Jahr im Skilager mit Siebtklässlern gewesen - "fast 100 Schüler und Lehrer sind damals voll mitgegangen", so Müller, "sogar ein Kollege, der eigentlich Sechziger ist."

Mittlerweile waren die beiden auch bereits in einem Tonstudio in Taufkirchen, haben den Titel professionell produzieren lassen und ihn unter anderem beim Streamingdienst Spotify eingestellt. "Es war schon ein magisches Gefühl, als wir den Song zum ersten Mal auf CD im Auto angehört haben. Das hat uns total geflasht", sagt Rasso Leicher.

Die Resonanz des FC Bayern ist bislang allerdings eher zurückhaltend. Eine erste Kontaktaufnahme endete mit einer Absage: "Sie haben geschrieben, dass sie lieber bei ihrem Konzept bleiben wollen", erzählt Peter Müller. Dennoch gibt das Duo keineswegs auf: "Bei der Jahreshauptversammlung war ständig von Werten die Rede und davon, dass wir einerseits Weltklub, aber eben auch heimatverbunden sein wollen", sagt Leicher. "Und unser Song wirkt vor 200 Leuten genauso, als ob man ihn mit der ganzen Südkurve singt."

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SZ vom 07.12.2019
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