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Fasching:Einmal Prinzessin

Als Kinderprinzenpaar der Kirnarra haben Celina I. und Fabian I. einen ausgefüllten Terminkalender. Viel Zeit muss die Prinzessin für ihre Frisur und das Ankleiden einplanen. Ohne die Hilfe der Eltern wären die beiden aufgeschmissen.

Celina I. hat schon zahlreiche Auftritte hinter sich, aber es liegen noch viele vor ihr, wie ihre Hofdame beziehungsweise Mutter Sandra Zier von einer Liste abliest, die sie verwaltet so wie sie überhaupt für den reibungslosen Ablauf der Regierungzeit zuständig ist. Da waren die Proklamation der Kirchheimer Prinzenpaare schon am 11. November, der "Festliche Faschingsauftakt" am 5. Januar, übrigens auch der Tag der Krönung von Celina I. und Fabian I., beide elf Jahre alt, dem Kinderprinzenpaar der Kirchheimer Faschingsgesellschaft Kirnarra.

Im Terminkalender des Kinderprinzenpaares folgten sechs Kinderfaschingsbälle und der Große Galaball in der eigenen Faschingsgesellschaft sowie Auftritte bei befreundeten Gesellschaften etwa in Oberschleißheim, Karlsfeld und Dachau. Noch vor Celina und ihrem Prinzen liegen Kinderfaschingsbälle im eigenen Gäu, das Faschingstreiben im Räterzentrum in Heimstetten am Faschingsdienstag. An einem Tag fanden gleich sieben Auftritte an diversen Schulen statt. Abfahrt von zu Hause: 7Uhr. Im Prinzenauto? "Ja, das ist unser eigenes", sagt Sandra Zier.

Sollte man sich die junge Dame und ihren Prinzen da nicht schon ganz erschöpft vorstellen? Hat sie überhaupt noch Lust, sich schon wieder an einem Sonntagmorgen eine aufwendige Frisur machen und sich schminken zu lassen, auf ihren Prinzen zu warten, der sie abholt, und sich in ihr Kleid aus mehreren Schichten zu werfen, dann schon wieder denselben Prinzenwalzer zu tanzen und dieselbe kleine Ansprache zu halten: "Wir haben ein tolles Programm vorbereitet und hoffen, dass es euch gefällt." Hat sie noch Lust? Ja, sie hat! Celina I. hat sogar noch viel mehr Lust als Termine, sie findet nämlich: "Es ist schade, dass wir nicht jeden Tag mehrmals auftreten."

Vielleicht liegt das auch daran, dass Celina ebenso wie Fabian perfekt vorbereitet waren auf ihr Amt. Bei beiden war bereits das ältere Geschwister Prinzessin beziehungsweise Prinz. Den Trubel um die große Schwester und den großen Bruder wollten beide unbedingt auch einmal erleben. Auch konnten sie schon lange vor diesen Hauptrollen tanzen. Sowohl Celina als auch Fabian waren schon seit frühester Kindheit Mitglieder in den Kindertanzgruppen der Kirnarra. Den Walzer lernten sie daher auch sehr schnell.

Ja, es könnte schon sein, dass sie am Ende des Faschings ein wenig müde sein werden, geben Celina und Fabian zu. Ankunft im Tassilo in Aschheim, wo der heutige Kinderfasching steigt. Diese Müdigkeit ist aber offenbar noch ganz weit weg. Kein Wunder eigentlich, denn auch der Prinz hat seine private Hofdame.

Seine Mutter Bea Leyendecker erledigt alles Wichtige für ihn, koordiniert Termine, übernimmt Fahrdienst und hat noch eine ganz besondere Aufgabe: Sie passt aufs Zepter auf! Das hat sie, wo immer man sie trifft, vor sich auf einem Tablett liegen und niemand darf es auch nur berühren. Denn wenn es gestohlen wird - auch von den eigenen Gardemitgliedern - wird eine Auslöse in Form von Süßigkeiten fällig.

Genug geplänkelt am Rande des lautstarken Festes, gleich steht der Auftritt bevor. Noch schrillt die Stimme von Kinder-Animateurin Marina Krüger durchs Mikrofon, tönen aus den Lautsprechern erfrischende Liedtexte wie "Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt" oder der Ententanz.

Prinzessinnen, Polizisten, Feuerwehrmänner und viele andere Fantasiegestalten in sehr jungem Alter erzeugen an diesem Sonntagnachmittag im Tassilo in Aschheim einen Lärmpegel, der bei Erwachsenen die Ohren sausen lässt.

Dann kommt endlich der Auftritt, auf den nicht nur Celina und Fabian, sondern all die kleinen Mädchen und wenigen Jungen aus der Tanzgruppe schon aufgeregt gewartet haben. Zuerst ist die Garde dran, in dieser Saison unter dem Motto "Piraten". Perfekt einstudiert machen selbst die Allerkleinsten mit, Arme nach links, hüpfen nach rechts und zum Schluss stehen sie alle in einer komplizierten Schlusspose, von der man sich fragt, wie sie das hinbekommen haben.

Auftritt des Prinzenpaares, eine kleine Ansprache, ein Walzer mit kleinen, ein bisschen artistischen Einlagen. Das Bein der Prinzessin hoch und dabei drehen, später fliegt der lange Rock der Prinzessin weg. Dann war's das schon wieder und der Applaus verstummt, der Ententanz für die Kleinen wird wieder lauter. Viel zu kurz das alles, findet das junge Prinzenpaar. Es muss sich ja schließlich lohnen, dass die Prinzessin an diesem Morgen wieder früh im Bad stand.

Ein Zopf wurde quer über die Stirn geflochten und nach hinten gelegt, ein künstliches Haarteil als Pferdeschwanz befestigt, es folgten glitzernde orangefarbene Blümchen an Spängchen. Orange, weil das die Farbe dieser Faschingssaison ist und alle im Team, ob Garde oder Prinzen, etwas in Orange an sich tragen müssen. Dann Lidschatten, Wimperntusche, Lippenstift. Eine gute Stunde dauert allein die Ankleide- und Schminkprozedur schon, obwohl jeder Handgriff sitzt. Der Prinz dagegen, verrät Leyendecker, hat seinen Anzug schnell im Tassilo angezogen.

Dabei ist diese Frisur, die Celina jetzt trägt, schon die stark vereinfachte Version. "Anfangs hatten wir eine andere", sagt Sandra Zier. "Aber es hat zweieinhalb Stunden gedauert, sie zu machen." Daher habe man gemeinsam nach den ersten Auftritten beschlossen, sie zu vereinfachen.

Und ganz so weit geht die Liebe der Eltern dann doch nicht, die ja ohnehin auch so eine Heidenarbeit mit ihren königlichen Nachwuchs haben. "Ab September ist man gut beschäftigt", sagt Sandra Zier. So etwa haben Papa und Mama an vielen Abenden 250 bis 300 glitzernde Swarovskisteine auf das Prinzessinnenkleid geklebt. "Das sind Hotfix-Steine", sagt die Mama. "Die werden mit einer heißen Pinzette aufgeklebt." Geduld und eine ruhige Hand sind also schon mal notwendig.

Die Ziers, die erst durch ihre Kinder zur Kirnarra kamen, weil diese beim Kinderfasching so begeistert von den Auftritten waren, dass sie selbst mittanzen wollten, staunen ohnehin über die unglaublich viele Arbeit, die Ehrenamtliche in diesem Verein leisten. "Wer am Ende des Tages kaputt ist, sind die Erwachsenen", sagt Sandra Zier und lacht. "Die Kinder könnten immer weiter machen."