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Verkehr:Der Landrat soll die Radler schützen

Alte B 471 Garching (Umgehungsstraße)

Auf der alten B 471 gibt es eigene Spuren für Autos und Radler.

(Foto: Florian Peljak)

Nach dem Umbau der alten B 471 in Garching fühlen sich Fahrradfahrer auf der engen Straße von Autofahrern bedrängt. Die Grünen wollen deshalb überprüfen lassen, ob die Verkehrssituation den rechtlichen Vorgaben entspricht.

Von Gudrun Passarge

Die Kritik am Umbau der alten B 471 in Garching wächst. Die Stadtratsfraktion der Grünen hat sich mit der Bitte an Landrat Christoph Göbel (CSU) gewandt, die umgebaute Straße rechtlich überprüfen zu lassen. Anlass ist die aus Sicht der Grünen unzureichend gelöste Sicherheit der Radfahrer. Betroffene hätten schon mitgeteilt, "dass sie sich nicht mehr trauen, die Straße zu benützen", heißt es in dem Schreiben an den Landrat. Die Grünen haben 2018 den Beschluss zum Umbau mitgetragen, "aber unter der Annahme, dass - nach Angaben der Verwaltung - das vorsichtige Vorbeifahren rechtlich und tatsächlich möglich sei", wie Fraktionschef Hans Peter Adolf auf Nachfrage betont. Auch Vertreter anderer Parteien plädieren für Nachbesserungen.

Die alte B 471, auch als Umgehungsstraße bezeichnet, war besonders breit. Autofahrer waren gewohnt, dort flott voranzukommen. Radfahrer dagegen durften auf dem Gehweg fahren, was wiederum Fußgänger verärgerte, die sich gefährdet sahen, um- oder angefahren zu werden. Das alles wollte der Stadtrat mit dem Umbau ändern. Das Tempo sollte rausgenommen und für Radfahrer sichere Schutzstreifen angelegt werden. Beide Fahrspuren haben eine Breite von 3,50 Metern, davon abgetrennt ist der Streifen für die Radler mit 1,25 Metern. In der Mitte ist teilweise ein Grünstreifen angelegt worden.

Die Grünen stört auch die Kreuzungssituation an der Münchner Straße.

(Foto: Privat)

Seit nun die Radler auf der Straße fahren müssen, hagelt es Kritik. Denn nach Angaben von Radfahrern und Anwohnern gibt es immer wieder Autofahrer, die dort nicht hinter einem Radler herzuckeln wollen, obwohl Tempo 50 erlaubt ist. Das müssten sie aber, denn der Platz reicht nicht aus, um den vorgeschriebenem Abstand von 1,50 Metern beim Vorbeifahren einzuhalten. Viele überholen trotzdem, was Radfahrer gefährdet.

Die Grünen weisen noch auf ein weiteres Problem hin. Auf der alten B 471 verkehren nicht nur Linienbusse, sondern auch die Schulbusse, die gerade in der Früh mit vielen radelnden Schülern auf der Straße zusammenträfen. Das habe "der planende Ingenieur wie auch die Stadtverwaltung" nicht bedacht, vermuten die Grünen. Deswegen werde es "zwangsläufig zu Konflikten kommen".

Die Straße ist so eng, dass Autos nicht überholen dürfen - von Bussen ganz zu schweigen

(Foto: Privat)

Auch die Kreuzungssituation an der Münchner Straße sei unbefriedigend gelöst. Die Grünen schätzen die aktuelle Situation als "äußerst bedenklich" ein und bitten zu prüfen, ob rechtliche Einwände gegen den Umbau bestehen und wie eine vernünftige Lösung aussehen könnte. Sie teilten jedenfalls nicht die Ansicht von Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), dass sich die Autofahrer schon daran gewöhnen würden hinterherzufahren.

Mittlerweile hat sich auch der Fahrradbeauftragte der Stadt, Rudi Naisar von der SPD, den Umbau angeschaut. Er persönlich fühle sich dort als Fahrradfahrer sicher, sagt er, und genau das sei auch das Ziel gewesen, neben dem Umstand, das Tempo der Autos zu drosseln. Doch Naisar weiß, dass sich viele Leute dort eben nicht sicher fühlen.

Vielleicht müsse man eine Kampagne starten, um den Autofahrern klarzumachen, dass sie dort nicht überholen dürfen, überlegt Naisar, der außerdem Tempo 30 fordert. Er könnte sich auch noch Verbesserungen vorstellen, gerade im Kreuzungsbereich, plädiert aber dafür, keine Schnellschüsse zu unternehmen. Im September würde der Fahrradbeauftragte gerne mit der Arbeitsgemeinschaft Rad darüber diskutieren. Dort sitzen Vertreter des ADFC, der Polizei, der Verwaltung und der Studenten zusammen. Den Königsweg sieht Naisar in einer Fahrradstraße.

Die hatte auch die CSU schon beantragt. Ihr Fraktionssprecher Jürgen Ascherl findet den aktuellen Zustand auf jeden Fall nicht ideal. "Wenn tatsächlich Probleme da sind, dann muss man nachbesern", sagt er und verweist auf die Stadtratssitzung im September. Bis dahin sollte auch das Ergebnis einer Verkehrszählung dort vorliegen.

© SZ vom 26.08.2020/wkr
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Weil neben den Radlern kein Platz zum Überholen ist, regt sich Kritik an der Verkehrsregelung auf der alten B 471 in Garching.

Von Gudrun Passarge

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