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Fahrradfreundliche Kommune:Kirchheims reife Leistung

Bereisung auf zwei Reifen: Eine Expertenkommission bestätigt, dass Kirchheim fahrradfreundlich ist.

(Foto: Claus Schunk)

Kirchheim ist als fahrradfreundliche Kommune zertifiziert worden. Die Anstrengungen der Gemeinde, Anreize zu schaffen, um das Auto stehen zu lassen, beeindrucken die Jury.

Die Ausreden, sich in Kirchheim ins Auto statt aufs Fahrrad zu setzen, werden schwerer: Am Donnerstag bestätigte eine Expertenkommission, dass man sich in Kirchheim besonders bequem mit dem Rad fortbewegen kann und nahm die Gemeinde für die nächsten sieben Jahre in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) auf.

Kirchheim erhofft sich von diesem Netzwerk vor allem Tipps und Inspirationen, wie man den Ort für Radler noch komfortabler machen kann.

Bereits im Jahr 2015 begutachteten Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), des Bayerischen Verkehrsministeriums und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) die Straßen, Radwege und Beschilderung in Kirchheim. Damals gab das Gremium der Gemeinde Handlungsempfehlungen.

Diese seien vollständig umgesetzt worden, sagt Baurat Martin Singer aus dem Verkehrsministerium. Die Kommune erarbeitete ein Radverkehrskonzept, baute die Beschilderung aus, schuf eine weitere Fahrradstraße zum Heimstettener See und bezog auch bei den Plänen für die neue Ortsmitte den Radverkehr mit ein. Zum Beispiel entstehen dort eine Fahrradmagistrale durch den Ortspark und drei Brücken über die Staatsstraße für Fußgänger und Radfahrer. Positiv fielen der Kommission die kurzen Wege auf. "In Kirchheim ist alles mit dem Rad erreichbar", sagt Robert Burschik vom ADFC. "In der Kommune hat bereits ein Perspektivwechsel stattgefunden. Sie denkt bei der Verkehrsplanung zuerst an das Rad und nicht an das Auto." Er sei von Kirchheim schwer beeindruckt. "Es war die beste Leistung, die ich je hatte."

Viel Geld für den Radverkehr

Tatsächlich investiert Kirchheim außergewöhnlich viel Geld in den Radverkehr: 26 Euro gibt Kirchheim pro Kopf im Jahr nach den Worten von Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) für Radler aus. In München, das stellte ein Greenpeace-Studie 2018 fest, sind es gerade einmal 2,30 Euro pro Einwohner. Bis jetzt liegt der Anteil des Radverkehrs in Kirchheim bei fast einem Drittel. Ziel sei, so Böltl, bis 2030 auf die Hälfte zu kommen.

Verantwortlich, dass es mit der Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune klappte, ist im Kirchheimer Rathaus Beatrix Winkler. Sie arbeitete in der örtlichen Verkehrsbehörde in den vergangenen Jahren daran, das Radkonzept umzusetzen. "Mein Ziel ist, jetzt nicht stehen zu bleiben", sagt sie. Als Nächstes möchte sie die starken Verschwenkungen des Radwegs an der Münchner Straße und am Friedhof ausbessern. Am Friedhof wünsche sie sich außerdem hochwertigere Ständer, sagt Winkler.

Eine größere Herausforderung: Winkler will in Kirchheim eine weitere Fahrradstraße schaffen. In Frage komme dafür etwa die Dorfstraße. Dann müsste man dort aber wohl Parkplätze aufgeben. Weil es dort viele Läden gibt, die Stellplätze benötigen, sei das keine leichte Aufgabe. "Ich möchte jedenfalls nicht einfach nur neue Schilder aufbauen und sonst nichts verändern", sagt Winkler. Das große Lob der Jury motiviere sie, weiter zu machen, damit es in sieben Jahren, wenn das Gremium wieder kommt, ebenso gut ausfällt.

Neben der Gemeinde Kirchheim tragen im Landkreis München bereits Ismaning, Garching, Oberhaching und Planegg das Prädikat "Fahrradfreundliche Kommune". Sie sind in den vergangenen Jahren allesamt von der Arbeitsgemeinschaft zertifiziert worden. Ober- und Unterschleißheim arbeiten noch daran.