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Evangelische Kirche:Schnee wie in der Bibel

Oberhaching, evang. Kirche zum Guten Hirten, Yusuph Mbago, neuer Pfarrer,

Pfarrer Mbago schreibt seine Predigten auf Suaheli und übersetzt sie anschließend selbst ins Deutsche.

(Foto: Angelika Bardehle)

Im Zuge eines Austauschprogramms wirkt der evangelische Pfarrer Yusuph Mbago aus Tansania in Oberhaching. Für den 39-Jährigen ist das eine große Umstellung

Beinahe 7000 Kilometer liegen zwischen Oberhaching und dem kleinen Dorf Ikwete im Süden Tansanias. Doch seit mehr als 30 Jahren verbindet die beiden Orte schon eine Partnerschaft der evangelischen Kirche. Diese Beziehung wird nun noch weiter gestärkt, denn in Oberhaching ist seit Kurzem ein neuer evangelischer Pfarrer im Einsatz: Yusuph Mbago wurde in Njombe geboren, nicht weit entfernt von Ikwete.

Der 39-Jährige ist bereits vor einem Jahr mit seiner Frau Tupulike Mahenge und seinen kleinen Töchtern Agape und Rebekka nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat hat er Theologie studiert, seit dem Jahr 2011 arbeitete er als Pastor. Der zuständige Bischof wählte ihn für ein Programm der evangelischen Organisation "Mission Eine Welt" aus, das tansanische Seelsorger für insgesamt fünf Jahre nach Deutschland schickt. "Das war eine große Überraschung", sagt Mbago. Er habe sofort seine Frau gefragt, ob sie einverstanden sei. "Zuerst war sie nicht begeistert von der Idee, aber schon nach einer Woche hat sie zugestimmt." Und die Familie bereut die Entscheidung nicht. "Es gefällt uns allen sehr gut in Deutschland", erzählt der Pfarrer. Das liege unter anderem auch daran, dass die Menschen so hilfsbereit seien. Seine Nachbarn beispielsweise hätten sofort Unterstützung angeboten: "Sie sagten, wenn es irgendein Problem gebe, könnten wir sie jederzeit um Hilfe bitten." Auch bei seinem Einführungsgottesdienst wurde Mbago herzlich empfangen. Nicht nur Oberhaching pflegt eine Patenschaft mit einer tansanischen Gemeinde, im ganzen Landkreis finden sich ähnliche Verbindungen: zum Beispiel in Ottobrunn und Höhenkirchen. Einige der Patenschaftsgruppen waren bei dem Gottesdienst anwesend und überreichten der Familie Mbago Geschenke. "Es fühlte sich fast an, als wären wir in Tansania", erzählt der Seelsorger lachend.

Aber eben nur fast, denn zwischen den beiden Ländern gibt es zahlreiche Unterschiede. Um sich ein wenig mit Deutschland vertraut zu machen, besuchte Mbago gleich zu Beginn seines Aufenthalts einen Orientierungskurs, in dem er die deutsche Geschichte, die Politik, die Bräuche und das Essen kennenlernte. Letzteres bereite ihm keine Probleme, den traditionellen bayrischen Schweinsbraten esse er beispielsweise gerne. Im Vergleich zu den kulinarischen Spezialitäten seiner Heimat sei das deutsche Essen eher deftig: "In Tansania isst man viel Reis oder Mais. Schweinefleisch gibt es auch, viel wichtiger ist aber Hühnerfleisch, das bei fast jedem Fest auf den Tisch kommt", erklärt Mbago. Eine weitere Umstellung ist für ihn das Klima. Zwar könne es in Tansania auch kalt sein, aber Schnee und Eis seien neu für ihn. "Davon habe ich bisher nur in der Bibel gelesen", sagt er lachend.

Das erste Jahr seines Aufenthalts nutzte Mbago vor allem, um Deutsch zu lernen, denn die Sprache ist für ihn die größte Herausforderung an seinem neuen Wirkungsort. Viele tansanische Pfarrer lernen bereits in der Heimat Deutsch, sobald sie für das Programm ausgewählt werden. "Aber für mich war es komplett neu, daher ist es sehr schwer zu lernen", erklärt Mbago, "doch jetzt ist es schon viel besser als am Anfang." Vor allem, wenn jemand Bairisch spreche, gebe es momentan noch Verständigungsprobleme. Dazu kommt auch, dass vor allem ältere Menschen in Deutschland oft kein Englisch verstehen, mit ihnen war eine Unterhaltung anfangs kaum möglich. Mittlerweile predigt Mbago aber auf Deutsch. Dafür benötige er viel Vorbereitung: "Ich schreibe den Text zuerst auf Suaheli, der Nationalsprache Tansanias, übersetze ihn dann selbst und lasse ihn von jemandem korrigieren", sagt der Pfarrer. Zuhause spricht Familie Mbago meistens Suaheli. "Aber meine beiden Töchter vergessen ihre Muttersprache fast schon", erzählt er. Sie sprechen im Kindergarten viel Deutsch, lernen die fremde Sprache schnell. Ab und zu komme es dann auch vor, dass sie plötzlich einzelne Wörter nur noch auf Deutsch sagen.

Die Familie ist für Mbago sehr wichtig. "Ich habe meine Frau und meine Kinder bei mir, also gibt es kaum noch etwas, das ich aus meiner Heimat vermissen kann." Nur seine Eltern und Verwandten fehlen ihm manchmal. "Wir besuchen sie ab und zu oder telefonieren mit ihnen, aber der Kontakt wird leider immer weniger", erzählt er. Denn Mbago ist ein viel beschäftigter Mann. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer in Oberhaching arbeitet er überregional bei "Mission Eine Welt". Da bleibt nicht viel Zeit, beispielsweise die Umgebung zu erkunden. "Ich habe München bisher noch nicht besichtigen können, das möchte ich aber auf jeden Fall bald nachholen", sagt Mbago.

Vor allem aber möchte er gemeinsam mit dem regulären Oberhachinger Pfarrer Karsten Schaller einmal ein Heimspiel des FC Bayern besuchen. "Ich interessiere mich sehr für Fußball, spiele sogar selbst manchmal. In meiner Heimat habe ich einen tansanischen Verein unterstützt, hier in Deutschland verfolge ich vor allem die Spiele von Bayern München."