Hochburgen der Parteien:Grünes Oberhaching, schwarzes Brunnthal, rotes Kirchheim

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Viel Arbeit für die Wahlhelfer: Im Landkreis München lag die Wahlbeteiligung bei 72,4 Prozent. (Foto: Bernd Weißbrod/dpa)

Die Ergebnisse der Parteien unterscheiden sich in den einzelnen Gemeinden des Landkreises München zum Teil stark – ebenso wie die Wahlbeteiligung.

Von Sabine Wejsada, Landkreis München

Auch wenn Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kaum einen Termin in München-Land auslässt, um als oberster Freier Wähler im Freistaat mit seinen Parteifreunden zu posieren, lässt sich am Tag nach der Europawahl eines festhalten: Der Landkreis München ist kein Freie-Wähler-Land. Außer im bäuerlichen Aying und in der beschaulichen Gemeinde Straßlach-Dingharting, wo die Gruppierung auf 8,5 und 6,5 Prozent gekommen ist, schaffen Aiwangers Anhänger vielerorts nicht einmal, fünf Prozent der Wählerstimmen zu ergattern. In Grünwald sind es nicht einmal zwei Prozent.

Ganz so schlimm hat es die SPD im Münchner Vorort der Reichen und Schönen nicht getroffen, aber fast: Mit 5,8 Prozent der Wählerstimmen fahren die Sozialdemokraten, die vor allem im Landkreis-Norden noch mehrere Bürgermeister stellen, dort ihr schlechtestes Ergebnis ein. Wobei es in den anderen 28 Städten und Gemeinden für die SPD auch nicht recht viel besser gelaufen ist: In fast der Hälfte der Kommunen bleibt die Kanzler-Partei einstellig, die größte Zustimmung erreicht sie noch in Kirchheim mit 12,1 Prozent. Dabei hat die SPD landkreisweit im Vergleich zur Europawahl vor fünf Jahren sogar dazugewonnen – allerdings nur 0,1 Prozentpunkte.

Mit herben Verlusten gehen die Grünen aus dem aktuellen Urnengang: Gegenüber 2019, als sie in nahezu allen Kommunen in München-Land über die 20-Prozent-Marke sprang, ist die Partei um mehr als sieben Prozentpunkte in der Wählergunst gesunken. Dennoch bleiben die Grünen mit 16,7 Prozent zweitstärkste Kraft. In Oberhaching (20,4 Prozent), Neuried (20,2) sowie Gräfelfing und Hohenbrunn (jeweils 20,0) fahren sie robuste Ergebnisse ein. In Brunnthal dagegen haben nur 11,2 Prozent grün gewählt,genauso viele wie AfD. Dafür vertrauen dort 47 Prozent der CSU.

Die Christsozialen sind im Landkreis mit 38,4 Prozent Zustimmung die Gewinner der Europawahl, konnten sich gegenüber 2019 jedoch nur um 0,6 Prozentpunkte steigern. Deutlicher dazugewonnen hat die AfD, wenngleich der Zuwachs lange nicht so stark ausfiel wie in anderen Gegenden Deutschlands: Die Rechtsaußen-Partei steigerte ihr Landkreis-Ergebnis von 6,7 auf 8,2 Prozent. Die meisten Stimmen gab es mit 11,2 Prozent in Brunnthal, die wenigsten in Pullach (5,2).

Wie unterschiedlich die Wählerschaft im Landkreis München geprägt ist, lässt sich am Abschneiden der FDP ablesen: In Aying ist für die Partei mit 4,3 Prozent der Stimmen kaum etwas zu holen, in Pullach dagegen haben fast 15 Prozent der Wählerinnen und Wähler bei ihr das Kreuzchen gemacht, in Grünwald immerhin 12,9 Prozent.

Die Kleinpartei Volt wird genauso stark wie das BSW

Was die Wahlbeteiligung angeht, bleiben die Baierbrunnerinnen und Baierbrunner wie schon in den vergangenen Jahren Klassenprimus im Landkreis: 80,4 Prozent der Berechtigten haben sich dort an der Europawahl beteiligt. Nur 66,2 Prozent nutzten ihr Stimmrecht dagegen in Taufkirchen – der niedrigste Wert in München-Land.

Eine eher untergeordnete Rolle hat bei den Wählerinnen und Wählern im Landkreis das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gespielt, obschon es aus dem Stand drei Prozent der Stimmen holte. Fast verdreifacht hat sich die Zustimmung für die Europa-Partei Volt: 2019 holte die Kleinpartei 1,1 Prozent, am Sonntag sind es 3,2 Prozent gewesen.

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