Essenspakete:Nächstenliebe geht durch den Magen

Ottobrunn, Elisabeth Stangl-Reichert von der AWO kommt bei der Übergabe von Lebensmittelkisten ins Gespräch

Elisabeth Stangl-Reichert von der Arbeiterwohlfahrt kommt bei der Übergabe der Lebensmittelkisten ins Gespräch mit den Empfängern.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Awo-Nachbarschaftshilfe beliefert bedürftige Senioren in Neubiberg, Ottobrunn und Hohenbrunn monatlich mit einer Lebensmittelkiste. Weil die Förderung ausläuft, soll die Aktion mit Spenden weitergeführt werden

Von Daniela Bode, Ottobrunn

"Mmh, da habt ihr aber schöne Sachen reingetan", sagt die Seniorin aus Ottobrunn. Gerade hat ihr Elisabeth Stangl-Reichert, stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Ottobrunn-Hohenbrunn (Awo), eine Kiste mit Lebensmitteln vorbeigebracht. Karotten, eine Birne, Lauch, Kartoffeln, Schokolade, Tee. Es finden sich einige Leckereien in der grünen Plastikbox. "Das ist so toll, das freut mich unendlich", sagt die Seniorin. Sie ist eine von etwa 70 bedürftigen älteren Menschen und Familien aus Ottobrunn, Neubiberg und Hohenbrunn, die von einer Lebensmittelaktion der Awo-Nachbarschaftshilfe profitieren. Ende Oktober läuft die Förderung für das Projekt "Lebensmittel und Unterstützung von Herzen" allerdings aus. Die Awo-Nachbarschaftshilfe würde die Aktion aber gerne mit Hilfe von Spenden fortführen.

Die Nachbarschaftshilfe ist ein langjähriges Projekt des Awo-Ortsverbands. Wegen der Corona-Pandemie ist die Situation für manche Bedürftige, zu denen die Nachbarschaftshelfer Kontakt hatten, besonders schwierig geworden. Manche gehören zur Risikogruppe und trauten sich nicht mehr einkaufen zu gehen. Es kamen auch Menschen auf die Einrichtung zu, die vorher noch keinen Kontakt zu ihr hatten, denen nun das Geld ausging, um sich Lebensmittel zu kaufen. Die Nachbarschaftshilfe wollte helfen und beantragte bei der "Aktion Mensch" eine Förderung für Sofortmaßnahmen zur Beschaffung von Lebensmitteln und erhielt die Zusage. "Es war ein Glücksfall, dass wir die Förderung bekommen haben", sagt Stangl-Reichert. Konkret erhielt die Nachbarschaftshilfe eine Summe von etwa 18 000 Euro. Damit konnte von Mai bis Oktober einmal im Monat je eine Kiste mit hochwertigen Lebensmitteln für Menschen wie die Ottobrunner Seniorin besorgt werden konnte, die alleine lebt und nicht viel Geld hat.

Die Kisten werden von der Isarland-Ökokiste in Taufkirchen befüllt, von dort gibt es Obst und Gemüse. Zusätzlich bestücken die Ehrenamtlichen der Awo-Nachbarschaftshilfe sie mit individuellen Dingen, über die sich die Begünstigten besonders freuen. "Mal ist ein Kaffee dabei oder etwas Süßes für die Kinder", sagt Stangl-Reichert. In der September-Kiste fanden sich passend zur Oktoberfest-Zeit Mandeln und ein Lebkuchen-Herz.

Bei dem Projekt geht es längst nicht nur um die Lebensmittel. "Uns ist es wichtig, ein offenes Ohr zu haben, eine Beziehung aufzubauen und Hilfe anzubieten", sagt Stangl-Reichert. Auch über Hilfsangebote der Awo-Nachbarschaftshilfe zu informieren, von denen die Personen vielleicht noch nichts wissen. Deshalb kommt in der Regel jeden Monat der gleiche Lebensmittelpate und bringt das Essenspaket.

Das schafft irgendwann ein Vertrauensverhältnis. Das hat Stangl-Reichert selbst erlebt, die normalerweise ein paar alleinstehende Senioren und eine Familie mit mehreren Kindern in Neubiberg mit einer Lebensmittelkiste versorgt und bei der Seniorin in Ottobrunn nun einmal eingesprungen ist. Stangl-Reichert berichtet, dass ein älterer Mann, den sie immer besuchte, anfangs auf die Frage, wie es ihm gehe, immer gesagt habe: "Muss." Irgendwann erzählte er ihr ein wenig von seiner Lebensgeschichte, auch von den zwei Kindern, die weit weg leben. "Es ist schön, wenn sich eine Beziehung aufbaut", sagt Stangl-Reichert. Auch die Seniorin aus Ottobrunn genießt den Kontakt. "Das Gespräch, das ist immer das Schönste. Da ist der ganze Tag ausgefüllt", sagt sie.

Ende Oktober bekommen die rund 70 Senioren und Familien nun ihre letzte Lebensmittelkiste, die von dem Fördergeld bezahlt wurde. Die Nachbarschaftshilfe würde sich nun über Spenden für eine Fortsetzung des Projekts freuen. Mit 15 Euro lässt sich eine Box für Alleinstehende befüllen, mit 25 Euro eine für Familien. "Wir würden im November gerne noch einen Besuch ermöglichen", sagt Stangl-Reichert. Im Dezember gibt es ohnehin die bewährte Aktion "Weihnachten in der Schachtel" der Awo-Nachbarschaftshilfe, bei der bedürftige Familien eine Kiste mit Leckereien und kleinen Geschenken zu Weihnachten bekommen. Doch auch für die Zeit von Januar an ist die Einrichtung laut Stangl-Reichert noch am Überlegen, wie das Lebensmittelprojekt fortgeführt werden kann.

Die Seniorin aus Ottobrunn würde sich sicher freuen, wenn es klappt. Bei einem Telefonat zwei Stunden nach der Übergabe des Lebensmittelpakets hat sie Birne und Orange schon gegessen. "Ich bin ein großer Obst- und Gemüsefan", sagt sie. Und die Kartoffeln köcheln schon im Topf. Wie sie sagt, isst sie sonst meist Pasta. "Die Kartoffeln sind eine schöne Abwechslung", sagt sie.

Wer spenden möchte, kann sich an die Awo wenden, per E-Mail an info@awo-nbh.de oder unter der Telefonnummer 089/99 01 66 96.

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