Erol Sander "Ich liebe die Abwechslung"

Miss Marple nervt. Ständig mischt sie sich ein: Inspektor Craddock (Erol Sander) liefert sich mit der alten Dame mit dem besonderen Gespür für Kriminalfälle (Veronika Faber) einen Schlagabtausch mit viel Humor.

(Foto: Goran Nitschke)

Der Schauspieler gibt als Inspektor Craddock den Partner der genialen Miss Marple. Bei der Premiere des Stücks von Agatha Christie im Bürgerhaus Unterschleißheim muss er neue Qualitäten beweisen

Interview von Udo Watter, Unterschleißheim/Aschheim

Man darf davon ausgehen, dass Frauenschwarm Erol Sander, dessen wohl bekannteste Rolle die des Kommissars Özakin ("Mordkommission Istanbul") ist, auch als Kriminalbeamter alter britischer Schule Bella figura macht. Der deutsche Schauspieler mit türkischen Wurzeln spielt in einer neuen Theaterproduktion "Ein Fall für Miss Marple - ein Mord wird angekündigt" Inspektor Craddock. Premiere ist am Freitag, 24. November im Bürgerhaus Unterschleißheim. Die SZ sprach mit Sander.

SZ: Wer an die berühmten Miss-Marple-Verfilmungen mit Margareth Rutherford aus den Sechzigern denkt, wird den von Charles Bingwell verkörperten Inspektor Craddock nicht gerade als charismatischen Mann mit großem kriminalistischen Scharfsinn in Erinnerung haben - ohne Miss Marple wäre er bei der Aufklärung der Fälle aufgeschmissen. Wie ist denn Ihre Figur in dem aktuellen Theaterstück angelegt?

Erol Sander: Wir orientieren uns mehr am Buch - die Verfilmung von "Ein Mord wird angekündigt" ist ja ohnehin nicht so bekannt - und da ist er nicht naiv, sondern ein intelligenter, witziger Kriminalbeamter. Ich nehme als Craddock auf der Bühne ein größere Rolle im Plot ein und bin vielfach involviert.

Gut, Mr. Craddock ist clever und souverän genug, Miss Marple in die Ermittlungen einzubeziehen, aber so ganz spannungsfrei ist die Beziehung zur schrägen alten Lady ja nicht. Dreht Sie ihm nicht öfter eine Nase?

Natürlich nervt sie ihn manchmal, sie mischt sich ständig ein. Veronika Faber, die die Miss Marple spielt, und ich - wir liefern uns immer wieder einen Schlagabtausch. Für uns ist es vor allem aber auch wichtig, viel Humor in die Handlung mit reinzubringen.

Ist das von Jörg Herwegh inszenierte Stück eine Krimikomödie?

Es ist ein typisches Agatha-Christie-Werk: Kompliziert und raffiniert. Der Zuschauer muss immer mitdenken, es ist nicht leicht herauszufinden, wer der Mörder war. Aber es hat natürlich auch viel Humor. Humor, der subtil und in Form britischen Understatements daherkommt. Und das ist für uns Schauspieler die entscheidende Herausforderung: in der Sprache, in der Gestik präzise zu sein, das richtige Tempo, den richtigen Zug zu haben, um das zu transportieren.

Große Komödienerfahrung haben Sie ja nicht.

Doch schon, aber es ist immer wieder eine neue Herausforderung, genau das mag ich. Ich bin kein klassisch ausgebildeter Schauspieler, habe aber in den Jahren beim Drehen und auf der Bühne viel dazugelernt, was die Technik, das Sprechen betrifft.

Außerdem scheinen Sie immer vielseitiger zu werden. Neben TV-Paraderollen wie Kommissar oder romantischer Liebhaber sieht man Sie auch im Theater und auf der Festspielbühne, als Winnetou, als Papst oder König Etzel. Sie spielen in Opern mit und inszenieren Lesungen.

Ich liebe die Abwechslung, die Vielseitigkeit, ob in einer romatischen Rolle oder als Kommissar, auf der Bühne vor dem Publikum als König oder eben einer anderen Rolle bis hin zur Oper. Ich mag auch Theater und den direkten Kontakt zum Publikum - wenn du unmittelbar die Resonanz spürst. Und seit vier, fünf Jahren suche ich mir verstärkt Rollen mit mehr Tiefgang aus.

Ihr bekanntester Part ist Kommissar Mehmet Özakın in "Mordkommission Istanbul". Gedreht wurde die Serie zuletzt aber wegen Terrorgefahr in Thailand. Kehren Sie irgendwann nach Istanbul zurück?

Dazu kann ich nicht viel sagen, es war eine Entscheidung, die der Sender und die Produktion gemeinsam getroffen haben. Ich denke, dass wir aber bald wieder in Istanbul drehen.

Ihre Geburtsstadt Istanbul gibt eine schöne Kulisse für Krimis ab. Wäre Ihre Heimatstadt München, in der Sie aufgewachsen sind und viele Jahre gelebt haben, auch ein guter Ort, oder ist sie dafür fast ein bisschen zu sauber?

Zunächst einmal liebe ich München. Es ist eine wunderschöne Stadt. Und es gibt hier schon auch mystische Ecken, die geeignet wären als Kulissen für einen düsteren Krimi. Man muss sie nur finden.

Zum Abschluss eine ganz andere Frage: Weil Ihren Geburtsnamen Urçun Salihoğlu niemand aussprechen konnte, haben Sie sich den Künstlernamen Erol Sander zugelegt. Angeblich wurden sie dabei inspiriert von Errol Flynn und Jill Sander. Warum denn ausgerechnet Jill Sander?

Die Geschichte stimmt nicht, das hat irgendwann mal Harald Schmidt behauptet. Erol habe ich mich genannt wegen des Bezugs zu meinem Geburtsland, es ist ein typischer türkischer Vorname. Und Sander, weil das ein guter internationaler Name ist, den man Deutsch, Englisch und Französisch leicht aussprechen kann.