Erneuerbare Energien:Wunderwaffe Wasserstoff

Erneuerbare Energien: Tobias Brunner setzt auf den Wasserstoffantrieb.

Tobias Brunner setzt auf den Wasserstoffantrieb.

(Foto: Claus Schunk)

Hynergy-Geschäftsführer Tobias Christoph Brunner hebt bei einer Veranstaltung des CSU-Arbeitskreises Umwelt in Brunnthal die Vorzüge der Brennstoffzellentechnik gegenüber Elektrofahrzeugen hervor

Von Angela Boschert, Brunnthal

"Dem Landkreis München ist das Projekt Wasserstoff wirklich sehr wichtig, und ich weiß eigentlich den ganzen Kreistag hinter mir", sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung des Arbeitskreises Umwelt seiner Partei in Brunnthal. Die Grundfrage sei, wie man den CO₂-Ausstoß begrenzen könne, und da liege die Hoffnung in der Wasserstofftechnologie. Für das jüngste Projekt, ein Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff mit 500 Megawatt Elektrolyseur im Landkreis Landshut, haben Bund und Land jüngst 130 Millionen Euro an Fördergeld bewilligt. Die Einrichtung soll sich auch der Frage widmen, wie möglichst grüner Wasserstoff regional produziert und verteilt werden kann, um ihn für regional verkehrende Busse einzusetzen. Im Landkreis München werden die Unternehmen Geldhauser und Ettenhuber von Oktober 2022 an einige MVV-Linien mit Wasserstoffbussen bedienen.

So traf man sich bei der Firma in Brunnthal am passenden Ort. Nur CSU-Bundestagskandidat Florian Hahn hatte den Geschäftssitz der Hynergy GmbH in Grasbrunn in sein Navi eingegeben und kam zu spät. Ein Versehen im Wahlkampfstress, denn Hauptpunkt der Veranstaltung war der Vortag von Hynergy-Geschäftsführer Tobias Brunner über "die wichtige Rolle des grünen Wasserstoffs in der Transformation von Energie und Verkehr". Hahn konnte immerhin in seinem Grußwort noch betonen, sein Ziel sei es, dass Deutschland bei der Wasserstofftechnologie eine globale Vorreiterrolle behaupte. Die CSU glaube weiterhin an Mobilität als Schlüssel für eine Gesellschaft, die auf Wohlstand und Wachstum angewiesen ist. "Eine Reduktion von Mobilität hilft uns ökonomisch nicht", so Hahn.

Der Maschinenbauingenieur Brunner erläuterte die energiepolitische, die klimapolitische und die industriepolitische Bedeutung von grünem Wasserstoff und seine Chancen für den Verkehr mit Blick auf HyBayern, wie sich das Wasserstoff-Verbundprojekt der Landkreise München, Ebersberg und Landshut nennt. Wasserstoff wird durch Elektrolyse, also die Spaltung von Wasser hergestellt. Wird dafür ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt, handelt es sich um grünen Wasserstoff. Generell wird die Menge des produzierten Stroms auf die Bedarfsspitzen ausgerichtet. Brunner zeigte an Stromberechnungen, dass für 2050 in Deutschland ein saisonaler Stromüberschuss von über 80 Terawattstunden-Kapazität, das sind mehr als 80 Milliarden Kilowattstunden, anfällt, wobei er von einhundert Prozent erneuerbaren Energien - also Strom aus Wasser- und Windkraft sowie Biomasse und Photovoltaik - ausgeht. Dieser Stromüberschuss kann nur zu einem sehr kleinen Teil mit Batterien oder in Pumpspeicherkraftwerken bevorratet werden. Aber man könne, ja müsse ihn zur Bildung von Wasserstoff einsetzen, der leicht und in großen Mengen in Gastanks zu speichern ist, so Brunner. Moderne Elektrolysegeräte würden sich bei Stromüberschuss ein- und bei zunehmendem Strombedarf im Netz abschalten.

Ohne grünen Wasserstoff werde keine Klima-, Verkehrs- und Industriewende möglich sein. Aber "die Wunderwaffe für schnellen Wandel ist eine Kombination aus grünem Wasserstoff und alternativen Energien", sagte Brunner. So seien im Verkehrssektor, wo am meisten Treibhausgase reduziert werden müssten, Elektro-Pkw in Kombination mit von grünem Wasserstoff betriebenen Bussen und Lkw am wirksamsten. Ein Wasserstoff-Lkw fahre zudem mit Wasserstoff aus Nordafrika effizienter als der Elektro-Lkw mit Strom aus Bayern, weil die Transportkosten niedriger seien als die Herstellungskosten hiesigen Wasserstoffs. Der Bau von Komponenten für Wasserstofffahrzeuge in Deutschland sei aber wirtschaftlich sinnvoll, zumal so Arbeitsplätze entstünden. Batterien und Motoren für Elektrofahrzeuge würden dagegen bislang vorwiegend im Ausland hergestellt. Bis Wasserstoff in der Industrie wirtschaftlich eingesetzt werden könne, dauere es zwar noch, aber die Brennstoffzellentechnik und der Wasserstoff selbst würden zunehmend billiger, versprach Brunner.

© SZ vom 10.09.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB