Süddeutsche Zeitung

Erneuerbare Energien:Neue Pläne für Geothermie-Projekt

Der Nachbarlandkreis Ebersberg belebt die Idee einer Erdwärmebohrung bei Vaterstetten wieder. Ob auch der ursprüngliche Partner Grasbrunn dabei sein wird, ist allerdings offen

Von Wieland Bögel und Lars Brunckhorst, Vaterstetten/Grasbrunn

Das 2013 gescheiterte Geothermieprojekt der Gemeinden Grasbrunn, Vaterstetten und Zorneding könnte wieder aufleben - ob Grasbrunn dann allerdings noch dabei ist, ist fraglich. Der Eberberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) berichtete am Dienstag von Plänen für eine Fernwärmeleitung für die Kommunen seines Landkreises entlang der B 304 beziehungsweise der S-Bahnstrecke. Gespeist werden soll das Wärmeprojekt aus einer Geothermiebohrung, vermutlich in Vaterstetten. Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) zeigte sich am Mittwoch auf Nachfrage überrascht.

Rund um Vaterstetten beziehungsweise rund 3000 Meter darunter gibt es heißes Tiefenwasser, die Temperatur liegt laut früheren Gutachten um die 95 Grad Celsius. Das ist zwar nicht heiß genug, um damit Strom zu erzeugen, aber um Häuser zu heizen. Im Jahr 2006 sicherten sich die Gemeinden Vaterstetten und Grasbrunn die Bohrrechte für heißes Wasser auf ihrem Gebiet. Tatsächlich gebohrt wurde allerdings nie, obwohl man den Kreis der Partner vier Jahre später um Zorneding erweiterte. Die drei Gemeinden einigten sich auf die Umsetzung, die dann allerdings an den Kosten scheiterte: 200 Millionen Euro hätte das Projekt in der ersten Version gekostet, zu viel für die Kommunen.

Weitere drei Jahre später schien die Sache wieder realistischer, die drei Gemeinden holten ein Konsortium aus der Projektentwicklungsgesellschaft Geysir-Exorka sowie der Bohrfirma Daldrup & Söhne AG ins Boot, im Januar 2013 stellte man das gemeinsame Vorgehen vor. Den Großteil der Investitionssumme, rund 67 Millionen Euro, hätte die Grünwalder Unternehmensgruppe Exorka/Geysir/Daldrup übernommen, die Gemeinden insgesamt fünf. Doch etwas mehr als ein Jahr später kam das Aus: Die Firmen hatten keinen Versicherer gefunden, der das Risiko einer Fehlbohrung hätte übernehmen wollen.

Mittlerweile scheint sich dies offenbar geändert zu haben. "Es zeichnet sich eine neue Chance ab", so Niedergesäß. Die drei Firmen, welche 2013 an dem Projekt beteiligt waren, seien vergangene Woche auf den Landkreis Ebersberg zugekommen und hätten eine Neuauflage vorgeschlagen. Diesmal geht es aber nicht um drei, sondern um fünf Kommunen: Von Vaterstetten über Zorneding, Kirchseeon und Grafing bis Ebersberg soll eine Fernwärmeleitung gelegt werden. Nach Angaben der Firmen sei dies technisch ohne größere Wärmeverluste möglich, so Niedergesäß. Wo die Leitung genau verlaufen soll, ist noch offen. Etwas konkreter ist dagegen schon der Standort der Förderanlage und der Zentrale, diese könnte da entstehen, wo sie schon 2013 geplant war: in Vaterstetten. Was auch mit der sogenannten Wärme-Anomalie zusammenhängt: Von West nach Ost wird das Tiefenwasser immer kälter, in Ebersberg sind es nur noch etwa 60 Grad. Wo genau in Vaterstetten gebohrt werden könnte, ist offen, der "Claim", also die den drei Gemeinden damals erteilte Fördergenehmigung wurde nicht mehr verlängert und ist mittlerweile erloschen.

Grasbrunns Bürgermeister Korneder sagte zur SZ, er habe per Mail durch seinen Vaterstettener Amtskollegen Leonhard Spitzauer (CSU) am Dienstagabend von den neuen Überlegungen erstmals erfahren und sei etwas überrascht, dass seine Gemeinde in diesem Zusammenhang genannt werde. Korneder erinnert daran, dass das erste Projekt seinerzeit an den Kosten gescheitert sei. Sollten sich gegenüber damals Änderungen ergeben haben, sei er aber interessiert.

Trotz der noch sehr vagen Aussichten erwartet Niedergesäß - in dessen Amtszeit als Vaterstettener Bürgermeister die Planung des damaligen Geothermieprojektes fiel - von dessen Wiederauflage viel Positives: "Es wäre für die Energiewende im Bereich Wärme ein großer Fortschritt." Immerhin würden, käme es tatsächlich zu einem Anschluss aller fünf Kommunen an die neue Fernwärmeleitung, gut 70 000 Einwohner zu potenziellen Kunden der Geothermie - mit Grasbrunn noch einmal 7000 mehr. 2013 rechnete man damit, bis zu 3000 Vier-Personen-Haushalte versorgen zu können. Noch völlig unklar ist, was das Projekt einmal kosten wird und wer welchen Anteil daran tragen müsste.

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Quelle:
SZ vom 10.12.2020
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