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Erneuerbare Energien:"Leuchtturmprojekt" mit Rotorblättern

Bei einer Veranstaltung der VHS Nord und der Garchinger Agenda 21 betont der Sprecher eines Herstellers von Windrädern, mögliche Pläne für eine Anlage am Stadtrand im Dialog mit den Anwohnern entwickeln zu wollen

Von Irmengard Gnau, Garching

Könnte es in einigen Jahren eine Bürgerwind Garching GmbH und Co. KG geben? Diese Möglichkeit hat der potenzielle Betreiber eines Windrads in Garching, die Firma Ostwind mit Sitz in Regensburg, aufgeworfen. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der VHS Nord und der Garchinger Agenda 21 am Montag betonte Georg Freiherr von Aretin, Leiter der Abteilung Projektentwicklung Onshore bei Ostwind, das Unternehmen wolle die Pläne für eine Windkraftanlage am nördlichen Rande der Garchinger Flur im Dialog mit den Anwohnern entwickeln. Außerdem bekräftigte er den Willen, mit dem Lehrstuhl für Windenergie der TU, der auf dem benachbarten Forschungscampus ansässig ist, eine Kooperation einzugehen.

Man wolle in Garching ein "Leuchtturmprojekt" schaffen, sagte Aretin, dabei aber die Bürgerinnen und Bürger nicht außen vor lassen. Diese Befürchtung war sowohl in Garching als auch im benachbarten Dietersheim zum Teil aufgekommen, nachdem der Garchinger Stadtrat im Januar 2021 einen Aufstellungsbeschluss für eine Windkraftanlage auf einem Grundstück knapp vor dem Nordrand des Stadtgebiets zwischen der A9 und der Freisinger Landstraße fasste. Das Grundstück ist im Flächennutzungsplan der Stadt seit Jahren für Windkraft vorgesehen und wird bisher landwirtschaftlich genutzt. Dort möchte Ostwind eine Anlage der Firma Siemens mit einem Rotordurchmesser von 170 Metern bei einer Gesamthöhe von bis zu 250 Metern und einer Nennleistung von sechs Megawatt errichten. Im Echinger Gemeindeteil Dietersheim, das etwa 1400 Meter Luftlinie vom Standort des Windrads entfernt läge, sammelten daraufhin Anwohner Unterschriften, sie fürchten eine Einschränkung ihrer Lebensqualität und der Entwicklungsmöglichkeit ihres Orts und forderten mehr Beteiligung.

Die Möglichkeit, seine Bedenken einzubringen, sei im anstehenden Verfahren mehrfach gegeben, sagte Aretin. Sobald ein Vorentwurf für den Bebauungsplan vorliegt, können sich Bürger wie Behörden laut bayerischer Bauleitplanung "frühzeitig beteiligen"." Der nachgearbeitete Entwurf werde ebenfalls noch einmal ausgelegt. Zudem verwies Aretin auf die aufwendigen Prüfungsverfahren, welche das Vorhaben nun zunächst durchlaufen muss. Dass das Windrad kommt, steht nämlich noch lange nicht fest. Zunächst wird geprüft, ob alle Immissionsschutzrechtlichen Vorgaben an dem Standort erfüllt sind, hinzu kommen Fragen des Denkmalschutzes, des Straßenrechts und des Naturschutzes; allein die artenschutzrechtliche Prüfung wird voraussichtlich etwa ein Jahr dauern. Hinzu kommt, dass das potenzielle Windrad zwischen dem Oberschleißheimer Flughafen, wo unter anderem die Hubschrauber der Polizei stationiert sind, und dem Münchner Flughafen liegt. Hier muss Ostwind noch einige luftverkehrsrechtliche Dinge klären. "Vorher wissen wir gar nicht, ob das Projekt überhaupt genehmigungsfähig ist", sagte Aretin.

Rentabel wäre die Anlage, davon sind Experten überzeugt. Auch wenn der nördliche Landkreis München eher eine Schwachwindzone ist, hat sich die Technik insbesondere hinsichtlich der Turbinengestalt und des verbauten Materials in den vergangenen Jahren so verbessert, dass auch hier ein Windrad Sinn macht. Windenergie habe Zukunft, es sei aber wichtig, dass Wirtschaft und Wissenschaft dabei zusammenarbeiteten, sagte Franz Mühle vom Lehrstuhl für Windenergie der TU. Der Wissenschaftler wünschte sich für ein mögliches Garchinger Windrad eine solche Kooperation sowie ein Besucherzentrum, damit auch die Menschen rundum die Anlage entdecken könnten. Möglicherweise ließe sich der gewonnene Strom - 12,2 Gigawattstunden pro Jahr sind prognostiziert - auch für den Campus nutzen.

Eine Bankenprüfung habe ergeben, dass das Projekt "solide finanzierbar" sei, sagte Aretin. Nach dem Aufbau seien verschiedene Betriebs- oder Beteiligungsmöglichkeiten für die Kommune, die Stadtwerke oder die Bürger selbst denkbar. Ostwind verkaufe die meisten seiner Anlagen nach dem Aufbau. Auch eine finanzielle Beteiligung der Kommunen über das Erneuerbare Energiengesetz ist möglich: Betreiber von Windenergieanlagen dürfen bis zu 0,2 Cent pro vor Ort erzeugter Kilowattstunde an die Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern weiterreichen, sie erhalten das Geld dann aus dem EEG-Topf zurück.

© SZ vom 24.03.2021
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